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Holger Stahlknecht stellt Verkehrsunfallbilanz 2011 vor
Verkehrsunfallgeschehen insgesamt rückläufig, Anstieg aber bei verunglückten Personen

22.02.2012, Magdeburg – 14

  • Ministerium für Inneres und Sport

 

 

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Sachsen-Anhalts Innenminister

Holger Stahlknecht (CDU) hat heute in Magdeburg die Verkehrsunfallbilanz für das

Jahr 2011 vorgestellt. Danach ereigneten sich auf Sachsen-Anhalts Straßen

76.330 Verkehrsunfälle, dass sind 7.565 (9 Prozent) weniger als noch im

vergangen Jahr. Einen Anstieg gab es jedoch bei der Anzahl der verunglückten

Personen. So waren im vergangen Jahr 181 Getötete (2010: 157), 2.171 Schwerverletzte

(2010: 2.106) und 8.400 Leichtverletzte (2010: 8.306) zu

beklagen. Die Schwere der Unfälle und damit auch die Unfallfolgen haben somit

in Sachsen-Anhalt zugenommen.

 

 

 

 

 

Stahlknecht:

?Man muss sich verdeutlichen, dass wir im Land mehrere tausend Unfälle weniger

als im vergangenen Jahr haben, trotzdem

aber mehr Menschen verunglückt sind.?

 

 

 

Angesichts

dieser negativen Entwicklung besteht für den Minister dringender

Handlungsbedarf, denn laut Stahlknecht liegen die Ursachen dafür hauptsächlich

im falschen Verhalten der Verkehrsteilnehmer begründet. So würden von der

Polizei bereits seit längerem eine zunehmende Sorglosigkeit, zum Teil auch eine

erhöhte Risikobereitschaft und Aggressionen bei den Verkehrsteilnehmern beobachtet.

 

 

 

Stahlknecht:

?Im Jahr 2010 sind auf Sachsen-Anhalts Straßen 157 Menschen ums Leben gekommen.

Im gleichen Jahr weist die Polizeiliche

Kriminalstatistik 134 Straftaten gegen das Leben auf ? inklusive

Versuchshandlungen. Dennoch ist in der Bevölkerung die Angst, Opfer von

Straftaten zu werden sehr viel höher, als Opfer im Straßenverkehr zu werden.

Wir müssen das Bewusstsein für mögliche Folgen falschen Verhaltens im

Straßenverkehr bei den Menschen schärfen.?

 

 

 

So nutzte der

Minister den Anlass um neben der Bekanntgabe der Statistik auch die Eckpunkte

einer neuen polizeilichen Fachstrategie für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

vorzustellen.

 

 

 

Unter

anderem soll neben der Verstärkung polizeilicher Präventionsarbeit die Zusammenarbeit

mit den anderen Ressorts, noch intensiver als bisher fortgeführt und die Arbeit

der Träger von Verkehrssicherheitsbelangen

weiter verzahnt werden. Laufende Präventionsprojekte werden auf

Anpassungsbedarf untersucht, neue Projekte sollen entwickelt und initiiert

werden.

 

 

 

Darüber

hinaus soll im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung künftig verstärkt auch

außerhalb von Unfallhäufungsstellen und Unfallhäufungslinienlinien kontrolliert

werden.

 

 

 

Aber auch

bei der Analyse des Verkehrsunfallgeschehens soll die dafür zu untersuchende

Datenmenge, etwa um differenzierte Informationen zu den Verkehrsströmen und

-belastungen oder zum Streckengeschwindigkeitsniveau, erweitert werden.  

 

Ausgewählte

Inhalte aus der Verkehrsunfallbilanz 2011

 

 

 

Verkehrsunfallgeschehen auf

Bundesautobahnen

 

Die Anzahl des Gesamtunfallgeschehens auf den Bundesautobahnen

ist mit insgesamt 4.047 Verkehrsunfällen (1.185 weniger/ -22,65 Prozent) rückläufig.

Dem steht ein Anstieg der Anzahl von der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden

(d.h. ein Verkehrsunfall bei denen mindestens eine oder mehrere Person schwer

verletzt oder getötet worden sind) von 146 Unfällen im Jahr 2010 auf 166 im

Jahr 2011 gegenüber.

 

Besonders augenfällig ist dabei die Anzahl von acht

Getöteten auf der BAB 2 und 14 Getöteten auf der BAB 14. Dass sind fünf

Getötete auf der BAB 2 und zehn Getötete auf der BAB 14 mehr als im Jahr 2010. Auf

der BAB 9 kamen drei Menschen ums Leben.

 

Im Hinblick auf eine Beteiligung von LKW ist mit

insgesamt 1.674 Verkehrsunfällen auf den Autobahnabschnitten ein deutlicher

Rückgang von minus 543 Unfällen (-24,5 Prozent) zu verzeichnen.

 

 

 

Hauptunfallursachen

 

In der Rangliste der Hauptunfallursachen stellt das

?Wenden/ Rückwärtsfahren? mit einer Vielzahl von Parkplatzunfällen landesweite

nach wie vor die Hauptunfallursache Nr. 1 dar, gefolgt von ?zu geringem

Abstand? und ?Wildunfällen?.

 

Bei den Verkehrsunfällen mit schwerem Personenschaden

stehen als Hauptunfallursachen allerdings wie in den Vorjahren die überhöhte

oder nicht angepasste Geschwindigkeit mit 27,9 Prozent (hier bei Verkehrsunfällen

mit Getöteten sogar mit fast 50 Prozent), Vorfahrtsverletzungen mit 16,7

Prozent und Alkohol mit ca. 9 Prozent nach wie vor im Vordergrund.

 

 

 

Besondere

Zielgruppen

 

Kinder

 

Mit

insgesamt 835 Kindern verunglückten 38 Kinder mehr (4,8 Prozent). Besonders tragisch: 

Zwei Kinder kamen als Mitfahrer im PKW und ein Kind als Fußgänger, hier

nach dem Aussteigen aus dem PKW auf der Autobahn, ums Leben.

 

Am

häufigsten verunglückten die Kinder als Mitfahrer im PKW (39,6 Prozent aller

verunglückten Kinder), als Fahrradfahrer (33,6 Prozent) und als Fußgänger (21,7

Prozent). Vor diesem Hintergrund wird die Polizei neben ihren Anstrengungen zur

Erhöhung der Sicherheit auf den Schulwegen die schulische Verkehrserziehung als

einen wichtigen Schwerpunkt ihrer Präventionsarbeit weiter aktiv unterstützen

und hier neben der Unterstützung bei den Fahrradprüfungen in den 4. Klassen und

der Durchführung von Verkehrssicherheitstagen und -projekten auch auf die Fortführung

des landesweiten Mal- und Zeichenwettbewerbes/ Verkehrssicherheitskalender in

seinem zwanzigsten Jahr setzen.

 

Jugendliche

 

Mit

insgesamt 397 Jugendlichen verunglückten gegenüber dem Vorjahr (388

Jugendliche)  neun Jugendliche mehr, was

einem Anstieg um 2,3 Prozent entspricht.

Dabei wurden fünf Jugendliche getötet und 78 schwerverletzt.

 

Am

häufigsten verunglückten die Jugendlichen als Fahrradfahrer (25,7 Prozent), als Mitfahrer im PKW (24,7 Prozent) und als motorisierte Zweiradfahrer

(16,9 Prozent).  

 

Im

Rahmen des ?Begleiteten Fahrens mit 17? wurden 38 Verkehrsunfälle (Teilnehmer

sowohl aus Sachsen-Anhalt, als auch anderen Bundesländern) registriert, bei

denen insgesamt drei Personen schwer und neun Personen leicht verletzt wurden.

Davon verursachten die Jugendlichen insgesamt 21 Verkehrsunfälle.

 

 

 

18 bis unter 25-Jährige

 

Insgesamt wurden gegenüber 2010 mit 2.268 Verunglückten

im Vorjahr mit 2.056 Angehörigen dieser Altersgruppe 212 Personen weniger

festgestellt, was einem erneuten Rückgang von 9,3 Prozent entspricht. Dennoch

starben wiederum 30 junge Leute  und weitere

402 wurden schwer verletzt. Über 50  Prozent

der Verunglückten in dieser Altersgruppe kamen dabei als Fahrer eines PKW zu

Schaden. Damit ist bei dieser Zielgruppe (bei einem Bevölkerungsanteil von 7,8

Prozent) mit einem Anteil von 16,6 Prozent der Getöteten und 18,5 Prozent der

Schwerverletzten noch immer das mit Abstand höchste Unfallrisiko im

Straßenverkehr festzustellen. Ein besonders tragisches Beispiel ereignete sich

am 22. Mai nahe Aschersleben (Salzlandkreis), als ein unter Drogeneinfluss

stehender 22jähriger PKW-Fahrer durch seine riskante Fahrweise den landesweit

folgenschwersten Verkehrsunfall des Jahres 2011 mit insgesamt vier Getöteten

und weiteren sechs zum Teil schwer Verletzten verursachte.

 

Im längerfristigen Vergleich zeichnet sich

allerdings eine positive Entwicklung ab, was mit Sicherheit nicht zuletzt auch

auf die vielfältigen präventiven Aktivitäten in dieser Zielgruppe zurückzuführen

ist.

 

 

 

über

65-Jährige

 

Insgesamt verunglückten im Vorjahr 1.419 Personen

der Altersgruppe der über 65-Jährigen. Im Vergleich zum Jahr 2010 mit 1.295

Verunglückten entspricht das einem Anstieg um insgesamt 124 Verunglückten (9,6

Prozent). Bezogen auf ihre Verkehrsbeteiligung waren von den Verunglückten im

Jahr 2011 insgesamt 493 (34,7 Prozent) mit dem Fahrrad und 359 (25,3 Prozent)

als Fahrer eines PKW unterwegs. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang,

dass bei zehn der insgesamt 14 Verkehrsunfälle mit getöteten Fahrradfahrern Angehörige

dieser Altersgruppe ums Leben kamen. Bei acht dieser Unfälle  war ihr Verhalten unfallursächlich (z.B.

Abbiegen ohne Beachtung des Straßenverkehrs, plötzlicher Wechsel der Straßenseite

bzw. Nichtbeachtung des Ampelzeichens "Rot")

 

Insgesamt wurden bei Verkehrsunfällen 2011 in

dieser Altersgruppe 45 Personen getötet (13 mehr) und 379 schwer verletzt (41

mehr), was bei einem Bevölkerungsanteil von 24,2 Prozent einen Anteil von 24,9

Prozent bei den Getöteten und 17,5 Prozent bei den Schwerverletzten entspricht.

 

 

 

Motorisierte

Zweiradfahrer

 

Die bundes- und europaweit als problematisch

erkannte Zielgruppe der motorisierten Zweiradfahrer stellt für Sachsen-Anhalt

zwar keinen landesweiten Schwerpunkt dar, gleichwohl gibt es regionale

Probleme, wie z.B. den Harz mit seiner für Motorradfahrer attraktiven kurvigen

Streckenführung. So wurde insgesamt bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung motorisierter Zweiräder im Vorjahr mit 1.042 gegenüber 1.001 im Jahr 2010 landesweit ein Anstieg

um 41 Unfällen (4,1 Prozent) verzeichnet. Um regional erkannten kritischen

Entwicklungen zu begegnen, ist zum Beispiel auch in diesem Jahr gemeinsam mit

den Bundesländern Niedersachsen und Thüringen die Fortführung der länderübergreifenden Verkehrssicherheitsaktion ?Sicher durch den Harz? vorgesehen.

 

Fahrradfahrer

 

Hinsichtlich der Zielgruppe

?Fahrradfahrer? ist mit 3.217

polizeilich erfassten Verkehrsunfällen (2011) gegenüber 2.816 Unfällen (2010)

ein landesweiter Anstieg um 401 Unfällen (14,2 Prozent) festzustellen. Vor dem Hintergrund einer

hier nach wie vor angenommenen sehr hohen Dunkelziffer und der strategischen

Fokussierung der Verkehrsüberwachung auf die Verhinderung schwerer

Verkehrsunfälle wird die Zielgruppe der Fahrradfahrer altersübergreifend

insbesondere in den städtischen Ballungsgebieten weiter einen Schwerpunkt der

polizeilichen Verkehrsüberwachung darstellen.

 

 

 

 

Impressum:Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-AnhaltVerantwortlich:Danilo WeiserPressesprecherHalberstädter Straße 2 / am "Platz des 17. Juni"39112 MagdeburgTel: (0391) 567-5504/-5514/-5516/-5517/-5377Fax: (0391) 567-5520Mail: Pressestelle@mi.sachsen-anhalt.de