Gemeinsame Sitzung der Kabinette
von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen/ Landesregierungen
vereinbaren enge Zusammenarbeit
01.11.2011, Magdeburg – 589
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 589/11
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 589/11
Magdeburg, den 1. November 2011
Gemeinsame Sitzung der Kabinette
von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen/ Landesregierungen
vereinbaren enge Zusammenarbeit
In der heutigen gemeinsamen Kabinettssitzung der
Landesregierungen von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen auf Schloss Hundisburg
bei Haldensleben haben die beiden Länder eine enge Zusammenarbeit auf verschiedenen
Politikfeldern beschlossen.
So wollen sie den Harztourismus weiter gemeinsam ausbauen.
Eine enge Zusammenarbeit soll es auch bei der Entwicklung des ¿Grünen Bandes¿
und der Vernetzung von Museen und Gedenkstätten entlang der früheren
innerdeutschen Grenze geben. Gegenüber Bund und EU haben die beiden Länder sich
auf eine gemeinsame Position geeinigt, so z. B. hinsichtlich der
Weiterentwicklung des Wasserstraßensystems, der EU-Agrarförderung oder der Strompreiskompensation
für energieintensive Unternehmen.
Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff betonte: ¿Bei
der inzwischen neunten gemeinsamen Kabinettssitzung mit Niedersachsen seit 1991
haben wir uns über wichtige, im Interesse unserer beiden Länder liegende Themen
verständigt. Vorhaben wie die gemeinsame touristische Vermarktung des Harzes
zeigen, dass es gut und für die Region gewinnbringend ist, über den eigenen
Tellerrand hinauszuschauen und Aufgaben gemeinsam anzupacken.¿
Sein Amtskollege, Ministerpräsident David McAllister,
sagte: ¿Die Niedersächsische Landesregierung war heute gerne zu Gast in
Hundisburg. Sachsen-Anhalt ist seit der Wende unser Partnerland. Es ist eine
gute und erfolgreiche Tradition, über die Landesgrenzen hinaus zusammenzuarbeiten
und gemeinsame Projekte voranzubringen. Wir haben auch diesmal eine Reihe von
Beschlüssen und Initiativen auf den Weg gebracht und einen guten
Erfahrungsaustausch gehabt. Die gemeinsamen Kabinettssitzungen sind eine
bewährte Basis für eine enge Zusammenarbeit beider Länder, auch um unsere
Interessen in Berlin und bei der EU zu bündeln.¿
Folgende Beschlüsse wurden u. a. gefasst:
Weiterer Ausbau der Zusammenarbeit der Länder im Tourismus
Die Landesregierungen von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen
haben einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit der Länder im Tourismus
befürwortet. Hier geht es vor allem um die Förderung eines umweltverträglichen
und nachhaltigen Aktivtourismus im Harz. Seit 2008 wurde bereits die
Reorganisation der touristischen Strukturen vorangetrieben. Zudem wurden
länderübergreifende Projekte wie die HarzCard auf den Weg gebracht. In
Niedersachsen hat man Vorhaben wie das HöhlenErlebnisZentrum Iberger
Tropfsteinhöhle und das Ferienresort Torfhaus gefördert. Der Ausbau der
Wintersportinfrastruktur auf dem Wurmberg soll 2012 in die Realisierung gehen.
In Sachsen-Anhalt wurde die Bodetaltherme Thale gefördert. Aktuell wird die
Verbesserung der touristischen Infrastruktur in Schierke geplant und auch durch
das Land gefördert.
Vernetzung der Museen und Gedenkstätten entlang der
früheren innerdeutschen Grenze
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wollen den Museen und
Gedenkstätten entlang der früheren innerdeutschen Grenze besondere Aufmerksamkeit
widmen. Sie streben eine länderübergreifende Vernetzung an. Ziel ist, den
gegenseitigen Austausch, die besucherorientierte Arbeit und die Wahrnehmbarkeit
der Einrichtungen zu verbessern. Die Erinnerung an die deutsche Teilung und die
Wiedervereinigung soll auch nachfolgenden Generationen, die diese Zeit nicht
miterlebt haben, weitergegeben werden. Ziel ist dabei, verstärkt Angebote für
Schulklassen auszuarbeiten. Besondere Bedeutung kommt dabei der Gedenkstätte
Deutsche Teilung in Marienborn zu.
Engere Zusammenarbeit bei Entwicklung des ¿Grünen Bandes¿
Die beiden Landesregierungen wollen bei der nachhaltigen
Sicherung und Entwicklung des ¿Grünen Bandes¿ intensiver zusammenarbeiten. Im
Mittelpunkt stehen dabei der gegenseitige Informationsaustausch zu Planungen
und Projekten in Bezug auf das ¿Grüne Band¿ sowie bei Bedarf die Abstimmung und
Koordinierung von grenzüberschreitenden Maßnahmen. Das ¿Grüne Band¿ umfasst den
fast 1.400 Kilometer langen Geländestreifen entlang der früheren innerdeutschen
Grenze. Dieser hatte sich in den Jahren der Teilung zu einem Rückzugsgebiet für
viele Tier- und Pflanzenarten entwickelt.
Gemeinsame Position zur EU-Agrarpolitik bis 2020 ¿ weniger
Bürokratie, Chancengleichheit, Effizienz
Angesichts der Vorschläge der EU-Kommission zur
Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU bis 2020 haben Sachsen-Anhalt und
Niedersachsen eine abgestimmte Position. Die Landesregierungen betonen die
Notwendigkeit einer angemessenen Finanzausstattung der Agrarpolitik. Betriebsgrößenbezogene
Kürzungen der Direktzahlungen an die Landwirte werden abgelehnt. Ungeachtet der
Notwendigkeit einer besseren Integration von Umweltzielen in die Agrarpolitik
sehen die Länder die beabsichtigte Gestaltung der sogenannten
¿Greening-Zahlung¿ im Rahmen der Direktzahlungen kritisch. Sollten 30% der Zahlungen
an die Erbringung und den Nachweis von Umweltleistungen gebunden werden,
bedeutet dies einen erhöhten bürokratischen Aufwand, der die wirtschaftliche Situation
der Landwirte verschlechtert. Gleiches gilt für die obligatorische Herausnahme
von 7% der Flächen aus der Produktion. Sachsen-Anhalt und Niedersachsen fordern
demgegenüber, dass die Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik mit einer
deutlichen Vereinfachung bei Verwaltung und Umsetzung verbunden sein muss.
Für eine zügige Strompreiskompensation für energieintensive
Unternehmen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bitten den Bund, sich
gegenüber der Europäischen Kommission für eine zügige europäische Rahmensetzung
bezüglich einer vollständigen Strompreiskompensation zur Entlastung
energieintensiver Unternehmen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems
einzusetzen. Ohne eine angemessene CO2-Strompreiskompensation droht
deutschen energieintensiven Unternehmen der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.
Die novellierte Emissionshandelsrichtlinie der EU vom 23. April 2009 sieht vor, dass ab 2013 Mitgliedsstaaten durch nationale Regelungen eine Kompensation
für die durch den Emmissionshandel bei den energieintensiven Unternehmen
entstehenden indirekten Kosten vornehmen können. Derartige nationale Regelungen
müssen jedoch in Einklang mit dem EU-Beihilferecht stehen. Die EU-Kommission
muss dazu die entsprechenden Beihilfevorschriften überarbeiten, was bislang
nicht geschehen ist.
Planmäßige Weiterentwicklung des Wasserstraßensystems
Sachsen-Anhalt und Niedersachsen setzen sich für den
Erhalt und die planmäßige Weiterentwicklung des heutigen Wasserstraßensystems
ein. Sie wollen dazu gemeinsam mit anderen Ländern und dem Bund ein Gutachten
in Auftrag geben. Beide Länder sind sich darüber einig, dass im
Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens leistungsfähige Wasserstraßensysteme wie
die Elbe und der Elbe-Seitenkanal unverzichtbar sind. Für die erfolgreiche
Entwicklung der Wirtschaftsräume Hannover, Peine-Salzgitter oder Magdeburg sind
sie von besonderer Bedeutung.
Wechselseitige Anerkennung und länderübergreifende
Kooperation bei Anerkennung von Berufsabschlüssen
Zur Deckung des Fachkräftebedarfs und der Verbesserung der
Integration kommt der Anerkennung der Berufsabschlüsse ausländischer Bürgerinnen
und Bürger besondere Bedeutung zu. Die Bundesregierung hat dazu den Entwurf
eines Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes beschlossen. Niedersachsen und
Sachsen-Anhalt wollen nach Inkrafttreten des Gesetzes und der entsprechenden
Landesgesetzgebung auf die wechselseitige und bundesweite Anerkennung von
Anerkennungsentscheidungen hinwirken. Zudem setzen sie sich für eine
länderübergreifende Kooperation ein und unterstützen die Konzentration
zuständiger Stellen mit dem Ziel, Effizienz und Qualität von
Anerkennungsentscheidungen zu sichern.
Kontakt:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Regierungssprecher Dr. Franz Kadell,
Hegelstraße 42,
39104 Magdeburg
Tel.: 0391 567-6666, Fax: 0391
567-6667,
Mail: franz.kadell@stk.sachsen-anhalt.de
Niedersächsische Staatskanzlei
Regierungssprecher Dr. Franz Rainer Enste,
Planckstraße 2,
30169 Hannover,
Tel.: 0511 120-6946, Fax: 0511
120-996946,
E-Mail: franz-rainer.enste@stk.niedersachsen.de)
Impressum:
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Pressestelle
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