Gespräch mit BMU-Staatssekretärin
Reiche und Chemieindustrie
Haseloff wirbt für fairen Umweltschutz
03.03.2011, Magdeburg – 44
- Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 044/11
Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 044/11
Magdeburg, den 3. März 2011
Gespräch mit BMU-Staatssekretärin
Reiche und Chemieindustrie
Haseloff wirbt für fairen Umweltschutz
Für einen fairen Klimaschutz hat Sachsen-Anhalts
Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff im Gespräch mit der
Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt und
Reaktorsicherheit, Katherina Reiche , und Vertretern der Chemieindustrie heute
in Wittenberg geworben: ¿Gerade beim Handel mit CO2-Zertifikaten muss ein wirkungsvoller Ausgleich zwischen den
Interessen von Wirtschaft und Umweltschutz im Mittelpunkt stehen. Einerseits wollen
wir, dass Emissionen und Energieverbrauch in den Unternehmen durch neueste
Technik minimiert werden. Andererseits dürfen wir aber nicht riskieren, dass sich
die Geschäftsführungen gezwungen sehen, die Produktion aufgrund zu hoher Umweltauflagen
in Länder zu verlagern, die nicht am Emissionshandel teilnehmen. Dieses Problem
stellt sich in Sachsen-Anhalt ebenso wie in anderen europäischen Chemieregionen.¿ Das
sagte Haseloff, der seit 2006 auch Präsident des Europäischen
Chemieregionen-Netzwerkes ECRN ist. Ziel des Gesprächs sei es deshalb, die Bundesregierung für mögliche wirtschaftliche Folgen
der Regelungen zum Zertifikatehandel weiter zu sensibilisieren.
Dies unterstrich auch Rüdiger Geserick, Geschäftsführer
der Stickstoffwerke Piesteritz GmbH : ¿Unser Standort steht im
internationalen Wettbewerb. Energieeffizienz und die Vermeidung von
Treibhausgasemissionen sind seit 1990 Zielgrößen, um unsere Produktion zu
optimieren. Diese Strategie werden wir fortsetzen. Dabei ist es wichtig, die 770
Arbeitsplätze im Werk Wittenberg und rund 3.000 indirekte Arbeitsplätze nicht durch
zu hohe Umweltauflagen zu gefährden. Zu bedenken ist auch, dass Stickstoffdünger
zum Umweltschutz beiträgt, da er zur Produktion von Biomasse als Erneuerbare
Energie benötigt wird.¿ Reinhard Kroll, Geschäftsführer der TOTAL Raffinerie
Mitteldeutschland GmbH, fügte hinzu: ¿626 Mitarbeiter der Total Raffinerie
und 1.500 Beschäftigte von Vertragsfirmen sind das Herz des Chemiestandorts
Leuna. Für den Klimaschutz werden unsere Anlagen ständig modernisiert. Deshalb
lassen sich die Gesamtemissionen der Anlagen in Leuna nur noch geringfügig
reduzieren. Daher rechen wir bis 2020 mit zusätzlichen Kosten durch den
Zertifikatehandel von insgesamt mehr als 130 Millionen Euro. Im Vergleich zu
Ländern im Nahen Osten, in denen Löhne und Umweltschutzaufwendungen viel
geringer sind, ist dies ein klarer Wettbewerbsnachteil.¿
Staatsekretärin Reiche erklärte dazu: ¿Die Bundesregierung kennt dieses
Problem und setzt sich nachdrücklich für einen fairen Klimaschutz ein. Der
Emissionshandel wird ab 2013 europaweit stärker harmonisiert. Das betrifft vor
allem die Regeln für die Zuteilung der Emissionszertifikate und für die Versteigerung.
Wir müssen diese Regeln aber auch weltweit harmonisieren. Dafür hat sich auch
Bundesumweltminister Dr. Röttgen zuletzt in Cancun nachdrücklich eingesetzt. Ab
dem Jahr 2013 werden für alle Mitgliedstaaten einheitliche EU-Zuteilungsregeln
Grundlage für die Zuteilung sein. Dabei berechnet sich die Zuteilungsmenge für
die meisten Anlagen auf der Basis anspruchsvoller Emissionswerte, so genannter
Benchmarks. Damit gelten europaweit die gleichen Regeln für den
Emissionshandel. Bei gleichen Zuteilungsregeln für alle sind in Zukunft die
effizientesten Unternehmen im Vorteil, dazu werden sicher auch die Unternehmen
aus Sachsen-Anhalt gehören. Wir müssen für die ganze Welt erreichen: Gleiche
Regeln für den Klimaschutz.¿
In diesem Zusammenhang betonte Minister Haseloff: ¿Die
Unternehmen in unserem Land haben ein hohes Umweltschutzniveau erreicht. Ich
werde mich auch künftig mit Nachdruck dafür einsetzen, dass diese Arbeitsplätze
erhalten bleiben. So müssen wir auch im Sinne des Klimaschutzes verhindern,
dass die Produktion in Länder abwandert, die nicht am Emissionshandel teilnehmen
und obendrein deutlich geringere Umweltstandards haben. Denn das auf diese
Weise in Europa eingesparte Kohlendioxid würde dann in vielfacher Menge in
anderen Staaten mit weniger effektiven Anlagen wieder austreten.¿
Hintergrund:
Treibhausgasemissionen, die Unternehmen ausstoßen
dürfen, müssen durch Zertifikate abgedeckt werden, die seit 2005 kostenlos
zugeteilt wurden. Die Menge der Zertifikate wurde seitdem schrittweise
reduziert, um den Ausstoß an Treibhausgasen zu senken. In der aktuellen Handelsperiode
(2008 ¿ 2012) bekommen die Unternehmen aus Sachsen-Anhalt 15% weniger kostenlose
Emissionsrechte zugeteilt (16,2 Mio. t CO2 pro Jahr für 79 Anlagen) als noch zwischen
2005 und 2007. Den Rest müssen sie dazukaufen. Der Preis dafür liegt derzeit zwischen
14 und 15 Euro pro Zertifikat (1 t CO2). Ab 2013 müssen die Unternehmen
Zertifikate teilweise und ab 2020 vollständig ersteigern, wobei die Menge der
Zertifikate europaweit um 1,74% pro Jahr reduziert wird. Dadurch dürfte der
Preis deutlich steigen.
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