Bundesregierung fordert ?Demokratieerklärung?
? Hövelmann: Misstrauen gegen Partner belastet das Engagement gegen
Rechtsextremismus
01.02.2011, Magdeburg – 15
- Ministerium für Inneres und Sport
Ministerium des Innern - Pressemitteilung Nr.: 015/11
Ministerium des Innern - Pressemitteilung Nr.: 015/11
Magdeburg, den 1. Februar 2011
Bundesregierung fordert ¿Demokratieerklärung¿
¿ Hövelmann: Misstrauen gegen Partner belastet das Engagement gegen
Rechtsextremismus
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann
(SPD) hat seine Ablehnung der von der Bundesregierung geforderten sogenannten
¿Demokratieerklärung¿ bekräftigt. ¿Um die Demokratie zu stärken und
Rechtsextremismus und Rassismus wirksam zurückzudrängen, müssen wir in den
Städten und Dörfern unseres Landes viele Mitstreiter gewinnen. Wer einen
Gesinnungs-Check zur Eintrittskarte für Bündnisse gegen rechts machen will, der
belastet dieses Engagement¿, erklärte Hövelmann heute vor der Presse in
Magdeburg. ¿In einem Klima des Misstrauens können solche Bündnisse nicht
funktionieren.¿
Die Bundesregierung verlangt von den Trägern geförderter Projekte gegen
Rechtsextremismus künftig die Unterzeichnung einer sogenannten
¿Demokratieerklärung¿. Dieses Verlangen wird sowohl von den
Trägerorganisationen als auch von Juristen und Politikwissenschaftlern deutlich
kritisiert, weil die Träger sich über ein eigenes Bekenntnis zur demokratischen
Verfassungsordnung hinaus auch für die Verfassungstreue ihrer
Kooperationspartner und von ihnen eingeladener Referenten verbürgen sollen.
Maßgeblich sollen Einschätzungen der Verfassungsschutzbehörden sein. Verschiedene
gegen Rechtsextremismus engagierte Organisationen haben deshalb für den
heutigen Dienstag zu einem bundesweiten Aktionstag ¿Für Demokratie ¿ gegen
Misstrauen und Bekenntniszwang¿ aufgerufen.
In Sachsen-Anhalt werden im Rahmen des Beratungsnetzwerks gegen
Rechtsextremismus vier Träger von Opferberatungsstellen und mobilen
Beratungsteams aus Mitteln des Bundesprogramms ¿Toleranz fördern ¿ Kompetenz
stärken¿ unterstützt: das Alternative Jugendzentrum Dessau, die
Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis, der Verein Miteinander und das Multikulturelle
Zentrum Dessau. Das Netzwerk wird vom Land mit 460.000 Euro, vom Bund mit
250.000 Euro gefördert.
Die Integrationsbeauftragte der
Landesregierung Susi Möbbeck, im Sozialministerium zuständig für die Umsetzung
des Bundesprogramms in Sachsen-Anhalt, erklärte zu den Auswirkungen der
Berliner Regierungspläne: ¿Dass wir von den engagierten Trägern, mit denen wir
seit vielen Jahren eng zusammen arbeiten, nun eine Demokratietreueerklärung
einfordern sollen, ist überflüssig und belastet die Zusammenarbeit. Die vom
Bundesministerium vorgelegten Erläuterungen belegen zudem, dass die Träger
künftig aufwendige Recherchen durchführen und Dokumentationen über mögliche
Kooperationspartner anlegen sollen. Hier sollen nicht-staatliche Akteure zu
Handlangern einer Gesinnungsschnüffelei gemacht werden. Das lehnen wir ab.
Gerade in den ostdeutschen Ländern weckt ein solches Vorgehen schlimme
Erinnerungen.¿
¿Die Erklärung stellt unsere Arbeit komplett in Frage, da wir sie nicht auf der
Grundlage von Misstrauen umsetzen können¿, erklärte Miteinander-Geschäftsführer
Pascal Begrich im Namen der vier Träger. ¿Wie sollen wir uns gemeinsam mit
anderen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, wenn zunächst
einmal die Verfassungstreue aller Beteiligten geprüft werden muss? Die
Erklärung verunsichert auch unsere Beratungsnehmer, wie etwa Opfer rechter
Gewalt.¿
¿Die Rechtmäßigkeit des Vorgehens der Bundesregierung ist äußert fragwürdig¿,
sagte Hövelmann unter Hinweis auf das Rechtsgutachten von Prof. Dr. Ulrich
Battis von der Berliner Humboldt-Universität. ¿Erst recht fragwürdig ist aber
der Plan, die Verfassungsschutzbehörden für diese Gesinnungsüberprüfungen
einzuspannen. Für den sachsen-anhaltischen Verfassungsschutz lehne ich es ab,
dass wir dazu Auskünfte erteilen, die über das hinausgehen, was jeder im
Verfassungsschutzbericht des Landes nachlesen kann.¿
Weitere Teilnehmer des Pressegesprächs waren für die Träger: Steffen Andersch
vom Alternativen Jugendzentrum Dessau, Olaf Ebert von der Freiwilligen-Agentur
Halle-Saalkreis und Razak Minhel vom Multikulturellen Zentrum Dessau.
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