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Podiumsdiskussion des
Diakonischen Werkes in Berlin
Wirtschaftsminister Haseloff bekräftigt Ziel der bundesweiten Umsetzung von
Bürgerarbeit

08.03.2010, Magdeburg – 37

  • Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung

 

 

 

 

 

Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 037/10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ministerium für Wirtschaft und

Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 037/10

 

 

 

Magdeburg, den 4. März 2010

 

 

 

Podiumsdiskussion des

Diakonischen Werkes in Berlin

Wirtschaftsminister Haseloff bekräftigt Ziel der bundesweiten Umsetzung von

Bürgerarbeit

 

 

 

¿Mit der Aufnahme der Bürgerarbeit in den Koalitionsvertrag

der Bundesregierung ist erstmals die Voraussetzung dafür geschaffen worden,

dieses in Sachsen-Anhalt entwickelte und erfolgreich

vor drei Jahren an mehreren Orten gestartete Projekt in geeigneten Regionen

ganz Deutschlands erproben zu können.¿ Dies betonte Sachsen-Anhalts

Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Reiner Haseloff heute während einer

Podiumsdiskussion des Diakonischen Werkes in der Berliner Landesvertretung

Sachsen-Anhalts zur Bürgerarbeit. Im Gespräch mit dem Staatssekretär

beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Rainer Bomba ,

dem arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestags­fraktion,

Karl Schiewerling , und dem Präsidenten des Diakonischen Werkes der

Evangelischen Kirche in Deutschland e.V., Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik, bekräftigte

der Minister die Zielsetzung einer bundesweiten Umsetzung dieses Modells der

öffentlich geförderten Beschäftigung. 

 

 

 

Haseloff: ¿Bereits zum Jahresende habe ich dies in

einem Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Ursula von

der Leyen thematisiert. Dabei hat sich Frau von der Leyen klar zur

Koalitionsvereinbarung bekannt. Derzeit arbeitet das Bundesministerium an der

konkreten Umsetzung der Bürgerarbeit auf Bundesebene.¿

 

 

 

¿Langzeitarbeitslosigkeit ist nicht nur

ein wirtschaftliches, sondern insbesondere auch ein soziales Problem, denn sie

kann für Betroffene gravierende soziale Folgen wie Krankheit oder Rückzug aus

dem aktiven Leben haben¿, sagte der Minister. Hinzu kämen mögliche Auswirkungen

auf Kinder, etwa wenn beide Elternteile ohne Beschäftigung sind. Haseloff: ¿Die

Crux ist, dass Langzeitarbeitslose auch bei guter Konjunktur nur sehr schwer

zurück in den Arbeitsmarkt finden. In Krisenzeiten gilt dies natürlich umso

mehr. So ist in Sachsen-Anhalt durchschnittlich fast jeder dritte Arbeitslose

länger als ein Jahr erwerbslos. Aktuell verzeichnen wir knapp 52.000

Langzeitarbeitslose. Diese Menschen stellen ein gewaltiges, brach liegendes

Arbeitskräftepotential dar, welches wir durch Bürgerarbeit aktivieren wollen.

Gleichzeitig können wir dadurch die sozialen Folgen von

Langzeitarbeitslosigkeit abmildern.¿

 

 

 

In diesem Zusammenhang hob Haseloff die

bisherigen Erfolge des Modellprojektes Bürgerarbeit in Sachsen-Anhalt hervor:

¿An allen Standorten konnte die Arbeitslosigkeit dauerhaft um rund 50 Prozent

gesenkt werden. Dies ist umso erfreulicher, da etwa jeder Zehnte der ehemals anscheinend Chancenlosen zwischenzeitlich

in den regulären Arbeitsmarkt eingemündet ist und weitere 5 bis 10 Prozent eine

Qualifizierung aufgenommen haben.¿ Zudem habe sich

gezeigt, dass die intensive Aktivierung und Vermittlung einer möglichen

Beschäftigung in der Schattenwirtschaft entgegenwirke. So meldeten sich 20 bis

25 Prozent der Langzeitarbeitslosen schon zu Beginn der Betreuung in reguläre

Beschäftigung ab.

 

 

 

Insgesamt habe eine Untersuchung der

Arbeitsagentur belegt, dass die Bürgerarbeit nahezu kostenneutral ist, da durch

sie rund 35 Prozent der passiven Leistungen wie Arbeitslosengeld und Leistungen

für Unterkunft eingespart wurden. Zudem seien an allen Standorten ausreichend

zusätzliche Beschäftigungsplätze im gemeinnützigen Bereich (Vereine, Kirchen,

soziale Projekte) entstanden, so dass es keine Beeinträchtigung der Wirtschaft

in Form von Wegnahme möglicher Aufträge und Ersetzung regulärer Arbeitsplätze

gegeben habe. Haseloff: ¿Und nicht zuletzt hatte die sinnvolle Beschäftigung

positive Wirkungen auf die soziale Integration der Bürgerarbeiter.¿

 

 

 

Hintergrund zur ¿Bürgerarbeit¿

 

Die hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen in

strukturschwachen  Regionen verlangt nach neuen Lösungen. Ein Weg ist das

Modell Bürgerarbeit, welches sich durch eine konsequente Umsetzung des Prinzips

¿Fördern und Fordern¿ auszeichnet. Sein mehrstufiges System sieht eine

intensivere Vermittlungsbemühung vor. Die Grundidee des Konzeptes besteht in

der konsequenten Aktivierung des gesamten Arbeitslosenbestandes bei

gleichzeitigem Angebot von gemeinnütziger, sozialversicherungspflichtiger

Beschäftigung für diejenigen Menschen, die trotz guter Konjunktur auch

mittelfristig keine Chance am ersten Arbeitsmarkt haben. Im Wesentlichen

besteht das Modell aus einer Aktivierungsstrategie, die verschiedene Stufen der

Vermittlungsfähigkeit berücksichtigt:

 

 

 

In der ersten Stufe werden alle Arbeitslosen

zu Beratungsgesprächen eingeladen, um deren Arbeitsmarktchancen bewerten zu

können. Ihnen wird dabei auch schon klar gemacht, dass intensive

Vermittlungsbemühungen, gegebenenfalls Fördermaßnahmen oder dann als ¿ultimo

ratio¿ Beschäftigung in gemeinnütziger, wettbewerbsneutraler Bürgerarbeit

folgen werden. Ein Teil der Arbeitslosen wird sich danach ohne besondere

Unterstützung in den ersten Arbeitsmarkt durch Arbeitsaufnahme zurückmelden,

andere sich aus dem Leistungsbezug freiwillig abmelden. Für leicht vermittelbare

Arbeitslose findet auf der zweiten Stufe eine gezielte Vermittlung auf

den ersten Arbeitsmarkt statt. Auf der dritten Stufe erhalten die nicht

Vermittelten bedarfsgerechte Fördermaßnahmen zum Abbau der festgestellten

Vermittlungshemmnisse, wie vor allem Weiterbildungsangebote. Für diejenigen,

die auch mit Unterstützungsmaßnahmen mittelfristig keine Chancen auf

Eingliederung in den regulären Arbeitsmarkt haben, werden in einer vierten

Stufe Angebote zur Beschäftigung im öffentlich geförderten Arbeitsmarkt unterbreitet,

die die Erhaltung aber auch die Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit

unterstützen.

 

 

 

¿Bürgerarbeit¿ bewegt sich im Spannungsfeld

zwischen ¿Workfare¿ und sozialem Arbeitsmarkt. Fordern und Fördern werden über

die Pflicht zur gemeinnützigen Tätigkeit und das Recht auf eine gemeinnützige

Tätigkeit ausgewogen verwirklicht. Anscheinend chancenlose Arbeitslose erleben

das Gefühl, von der Gesellschaft wieder gebraucht zu werden Erwerbsfähigkeit

und Qualifikation bleiben langfristig erhalten und können erweitert werden.

Gesundheitliche und soziale Folgekosten, die nachweislich durch

Arbeitslosigkeit entstehen ¿ wie psychosomatische Störungen,

Suchtmittelmissbrauch, Isolation, Qualifikationsverlust ¿ werden gemindert und

soziale Beziehungen stabilisiert.

 

 

 

Derzeitig sind im Land Sachsen-Anhalt noch rund 400

Bürgerarbeitsstellen besetzt. Gestartet wurde das Modellprojekt Ende 2006 in

Bad Schmiedeberg. Es folgten Projekte in Barleben, Gerbstedt, Kelbra und

Hecklingen sowie in Thüringen und Bayern.

 

 

 

 

 

 

 

Impressum:

 

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