Minister stellt
Fachkräftebedarfsanalyse und Prognose bis 2016 vor
Haseloff: In einigen Branchen wird Arbeitskräftebedarf Zahl der
Ausbildungsabsolventen deutlich übersteigen
16.12.2009, Magdeburg – 244
- Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 244/09
Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 244/09
Magdeburg, den 16. Dezember 2009
Minister stellt
Fachkräftebedarfsanalyse und Prognose bis 2016 vor
Haseloff: In einigen Branchen wird Arbeitskräftebedarf Zahl der
Ausbildungsabsolventen deutlich übersteigen
Vor allem kleine und mittlere
Unternehmen im Land werden es in den kommenden Jahren erheblich schwerer haben,
ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken. In einigen Branchen wie
etwa der Chemie- und Kunststoffindustrie wird der Arbeitskräftebedarf die Zahl der
Ausbildungsabsolventen mittelfristig sogar deutlich übersteigen. Dennoch ist
von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt zumindest bis zum
Jahr 2016 nicht auszugehen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der
Fachkräftebedarfsanalyse, die Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Reiner
Haseloff heute in Halle vorgestellt hat.
¿Mit der nun vorliegenden
Analyse wollen wir die Diskussion zu Fachkräftesituation und demografischem
Wandel auf eine fundierte Basis stellen sowie Partnern im Wirtschaftsleben
frühzeitig Fakten an die Hand geben, damit sie entsprechende Strategien
entwickeln können. Dies ist umso wichtiger, da sich der drastische
Geburtenknick ab 1990 in Sachsen-Anhalt wie auch in den anderen ostdeutschen
Bundesländern in den nächsten Jahren immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt
auswirken wird¿, sagte der Minister.
So sinkt die Zahl der Personen,
die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bis zum Jahr 2016 voraussichtlich um
13 Prozent (-155.000) auf 1,07 Millionen. Auch die Zahl der Schulabgängerinnen
und Schulabgänger, also der Fachkräfte von morgen, wird sich weiter reduzieren,
von rund 18.700 in diesem Jahr auf ca. 16.960 in 2016 (-9,3%). Haseloff: ¿Dadurch
wird auf der einen Seite die Fachkräftesicherung für heimische Unternehmen
deutlich erschwert. Auf der anderen Seite erhöhen sich die
Beschäftigungschancen von gut qualifizierten Arbeitskräften im Land.¿
Laut Prognose werden sich im Jahr 2016 Arbeitsplatzangebot
und -nachfrage im Land rein rechnerisch ungefähr die Waage halten. So stehen
voraussichtlich 750.000 Personen für sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung zur Verfügung. Gleichzeitig gibt es ¿ je nach Rechenmodell ¿
zwischen 710.000 und 785.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.
Haseloff: ¿Unsere Aufgabe muss es sein, das für
einige Branchen vorausgesagte Fachkräfteproblem soweit wie möglich zu
entschärfen. Mit dem Fachkräfteportal PFIFF haben wir einen wichtigen Schritt
gemacht, um die Zahl der Auspendler langfristig zu reduzieren.¿ So arbeiteten
im Jahr 2008 fast 140.000 Sachsen-Anhalter in anderen Bundesländern. Lediglich
55.000 Menschen kamen zum Arbeiten ins Land. Zudem könne das Potential an
erwerbsfähigen Menschen durch die steigende Arbeitnehmerfreizügigkeit oder
zielgerichtete Zuwanderung erhöht werden. ¿Außerdem müssen wir es schaffen, die
so genannte stille Reserve des Arbeitsmarktes ¿ also Teilzeitbeschäftigte oder
Vorruheständler ¿ stärker als bislang zu aktivieren. Auch die Erhöhung des
tatsächlichen Renteneintrittsalters muss ein Thema sein. Derzeit ist nicht
einmal jeder dritte Einwohner zwischen 60 und 65 Jahren erwerbstätig. Deshalb
sollten sich die Unternehmen klar machen, dass sie angesichts des
zurückgehenden Erwerbspersonenpotentials stärker als bisher auf die Erfahrungen
älterer Arbeitnehmer setzen müssen¿, betonte Haseloff.
Auf die Anliegen der Wirtschaft reagiert, hat
bereits die Hochschule Merseburg. Als mögliche Antwort auf den erwarteten
Engpass an Ausbildungsabsolventinnen und -absolventen im Bereich
Chemie/Kunststoffe stellte der Merseburger Prorektor für Forschung,
Wissenstransfer und Existenzgründung, Prof. Dr. Jörg Kirbs, gemeinsam mit dem
Sprecher des Clusters Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland, Dr. Christoph
Mühlhaus, den neuen Bachelor-Studiengang ¿Kunststofftechnik¿ vor. Dieser soll
ab Herbst 2010 starten und dem zunehmenden Bedarf an ingenieurtechnischen
Führungskräften und Spezialisten Rechnung tragen.
Hintergrund:
Die vom Ministerium erarbeitete Fachkräfteanalyse
verknüpft Daten der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Zeitverlauf
von 2003 bis 2008 mit der Statistik des Mikrozensus, der Bevölkerungsprognose
für Sachsen-Anhalt sowie den Daten zu Schul- und Ausbildungsabgangszahlen bis
2016 und zur Struktur der Auszubildenden im Jahr 2008. Dabei werden Tendenzen
auf dem Arbeitsmarkt, die sich in der Vergangenheit gezeigt haben, in die
Zukunft fortgeschrieben. Die Fachkräfteanalyse ist im Internet ab heute
Nachmittag unter http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=30049
abrufbar.
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