Innenminister und
Integrationsbeauftragte stellen Bericht über Rechtsextremismus und
Integrationspolitik vor / Hövelmann: ?Ein funktionierendes Miteinander ist der
beste Schutz vor Rassismus und rechter Gewalt? / Möbbeck ruft zum Mitmachen bei
Interkultureller Woche auf
22.09.2009, Magdeburg – 493
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 493/09
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 493/09
Magdeburg, den 22. September 2009
Innenminister und
Integrationsbeauftragte stellen Bericht über Rechtsextremismus und
Integrationspolitik vor / Hövelmann: ¿Ein funktionierendes Miteinander ist der
beste Schutz vor Rassismus und rechter Gewalt¿ / Möbbeck ruft zum Mitmachen bei
Interkultureller Woche auf
¿Sachsen-Anhalt braucht gezielte
Zuwanderung, kulturelle Vielfalt und internationalen Austausch.¿ Das ist das
Fazit des jüngsten Berichts an das Kabinett im Rahmen des Aktionsprogramms der
Landesregierung gegen Rechtsextremismus, der sich mit der Integration von
Migrantinnen und Migranten als Beitrag zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit
befasst. Der für Integrationspolitik zuständige Innenminister Holger Hövelmann
und die Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Susi Möbbeck, stellten das
Papier gemeinsam der Presse vor.
Hövelmann: ¿Rechtsextreme
Ideologien haben immer eine Grundbotschaft: Menschen sind ungleich, und
menschliches Leben ist ungleich viel wert. Dieser menschenverachtenden Haltung
müssen wir ¿ auch in Sachsen-Anhalt ¿ eine gesellschaftliche Praxis entgegen
setzen, die gleiche Rechte und gleiche Teilhabemöglichkeiten garantiert. Ein
funktionierendes Miteinander und gute zwischenmenschliche Kontakte sind der
beste Schutz vor Rassismus und rechter Gewalt.¿
¿Dafür ist jetzt eine gute
Gelegenheit¿, betonte Möbbeck. ¿Die derzeit überall im Land stattfindenden
Veranstaltungen der Interkulturellen Woche sind eine gute Gelegenheit zum
besseren Kennerlernen. Migrantinnen und Migranten präsentieren dabei nicht nur
ihre kulturellen Traditionen, sondern thematisieren auch ihre Lebenssituation
und machen deutlich, dass sie aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben
wollen. Es lohnt sich hinzugehen, zuzuhören und mitzumachen.¿ Die geringe Zahl
von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund in Sachsen-Anhalt trage
zu Unkenntnis und damit auch zu Fremdenfeindlichkeit bei, unterstrich die
Integrationsbeauftragte. Das belegten auch die im Bericht dargestellten
wissenschaftlichen Untersuchungen.
¿Es gilt daher zuallererst,
Vorurteilen und rechtsextremer Propaganda offensiv entgegenzutreten,
aufzuklären und die Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten sachlich
darzustellen. Wechselseitige Kenntnisse über kulturelle und religiöse
Traditionen wecken Verständnis und erleichtern ein tolerantes und friedliches
Zusammenleben. Die Förderung von Partizipation, interkultureller Begegnung und
interkultureller Öffnung sind daher wesentliche Instrumente einer aktiven
Integrationspolitik, um Fremdenfeindlichkeit zurückzudrängen¿, heißt es in dem
Bericht an das Kabinett.
¿Der Bericht macht deutlich: Die
Landesregierung hat ihre Aktivitäten in diesem Bereich deutlich ausgebaut, hat
hier aber weiterhin eine Daueraufgabe zur Stärkung unserer Demokratie¿, sagte
der Innenminister.
Kernsätze des Berichts:
Fremdenfeindlichkeit und
Rechtsextremismus:
Nicht aus jeder fremdenfeindlichen Äußerung kann ein rechtsextremes Weltbild
geschlossen werden. Bislang hat aber jede rechtsextreme Propaganda an fremdenfeindlichen
Ängsten angeknüpft und diese für die Entwicklung ihres Weltbildes genutzt.
Fremdenfeindlichkeit kann daher auch als ¿Einstiegsdroge¿ des Rechtsextremismus
bezeichnet werden.
Fremdenfeindlichkeit in
Sachsen-Anhalt:
Die These eines erhöhten rechtsextremistischen Potentials in Ostdeutschland
bestätigt sich nicht generell, wohl aber für die Dimension
¿Ausländerfeindlichkeit¿. Westdeutsche stimmen demgegenüber häufiger
antisemitischen und den Nationalsozialismus verharmlosenden Aussagen zu.
Migration in Sachsen-Anhalt: Sachsen-Anhalt hat den bundesweit
niedrigsten Ausländeranteil: Ende 2008 lebten laut Ausländerzentralregister 1,9
Prozent Ausländerinnen und Ausländer in Sachsen-Anhalt gegenüber 8,8 Prozent im
Bundesdurchschnitt. Eine Auswertung der Daten des Mikrozensus für
Ostdeutschland hat aber gezeigt, dass viele Migrantinnen und Migranten über
gute Qualifikationen und berufliche Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern
verfügen, die in Deutschland bislang zu wenig anerkannt und genutzt werden.
Chancen und Potentiale nutzen: Sachsen-Anhalts Wirtschaft ist
in zunehmendem exportabhängig und international ausgerichtet. Um weiterhin
ausländische Investitionen zu binden, muss Sachsen-Anhalt auch für ausländische
Fachkräfte attraktiv sein. Weltoffenes Klima, mehrsprachige Bildungsangebote
und kulturelle Vielfalt sind dafür Voraussetzungen. Sachsen-Anhalts Hochschulen
sind zentrale Magneten im Kampf um hervorragende Köpfe.
Interkulturelle Begegnung und
Öffnung: Weil
interkulturelle Begegnungen in Sachsen-Anhalt aufgrund des geringen
Migrationsanteils nur selten spontan zustande kommen, fördert das Land
Sachsen-Anhalt bereits seit Mitte der 90er Jahre interkulturelle Begegnungszentren.
Neben der interkulturellen Begegnung ist die interkulturelle Öffnung von
Einrichtungen und Diensten eine wichtige Aufgabe der Integrationspolitik, die
dazu beiträgt, Missverständnisse abzubauen und Diskriminierungserfahrungen zu
vermeiden.
Partizipation und
Selbstorganisation:
Wenn Migrantinnen und Migranten sich gleichberechtigt an der Gestaltung unserer
Gesellschaft beteiligen können: ehrenamtlich, beruflich, politisch, kulturell
und sozial, werden sie zu gleichberechtigten Akteuren und treten aus der ihnen
von den Rechtsextremen zugewiesenen ¿Opferrolle¿ heraus. Mit Unterstützung des
Landes hat sich im Herbst 2008 ein Landesnetzwerk der Migrantenselbstorganisationen
gegründet, das mittlerweile 50 Migrantenselbstorganisationen vertritt.
Integration vor Ort: Ob Integration gelingt, entscheidet
sich letztlich in den Kommunen, also dort, wo die Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund leben und sich begegnen. Hier entscheidet sich zugleich,
ob es gelingt, Fremdenfeindlichkeit zurückzudrängen. Das Land unterstützt den
Vernetzungsprozess vor Ort. Die gezielte Integration von Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in der Jugendarbeit der Verbände und Vereine im Land soll
zum Abbau von Fremdenangst und Ausländerfeindlichkeit gerade unter Jugendlichen
und jungen Erwachsenen beitragen.
Integrationspartner einbeziehen: Um die Zusammenarbeit weiter auszubauen
und auf eine institutionelle Basis zu stellen, wird noch in diesem Jahr ein
Landesbeirat für Integrationsfragen gegründet. Der Beirat steht unter dem
Vorsitz des Innenministers. Geplant ist eine hochrangige Besetzung mit
führenden Entscheidungs- und Meinungsträgern.
Orientierung und Beratung: Als zentrale Informations- und
Kommunikationsplattform steht seit Juni 2008 unter www.integriert-in-sachsen-anhalt.de
das Integrationsportal des Landes Sachsen-Anhalt zu allen Fragen der
Einwanderung, der Integration und des interkulturellen Zusammenlebens zur
Verfügung. Die wichtigsten Informationen im Integrationsportal sind in sechs
verschiedenen Sprachen, neben Deutsch und Englisch auch in Russisch,
Vietnamesisch, Arabisch und Französisch abrufbar.
Aktionsprogramm Integration: Mit dem ¿Aktionsprogramm
Integration¿ vom Juni 2009 setzt die Landesregierung ein weiteres Zeichen zur
Förderung interkultureller Begegnungen und zur Bekämpfung von
Fremdenfeindlichkeit im Land. In Umsetzung des Nationalen Integrationsplans
wird schrittweise ein Integrationsmonitoring aufgebaut, das eine
Bestandsaufnahme und Evaluation der Integrationspolitik in Sachsen-Anhalt ermöglicht.
Zusammenfassung und Ausblick: Kaum etwas schützt so wirksam vor
fremdenfeindlichen Einstellungen wie das direkte Kennenlernen, der Austausch
und das Zusammenleben im Alltag - von der Kindertagesstätte, über die Schule,
den Sportverein, die Nachbarschaft bis zum Arbeitsplatz. Vermittlung
interkultureller Kenntnisse, Förderung interkultureller Begegnungen,
Verbesserung interkultureller Kompetenzen in Einrichtungen und Diensten sowie
die Stärkung von Partizipation und Selbstorganisation von Migrantinnen und
Migranten sind daher zentrale Elemente der Integrationspolitik des Landes.
Gegenüber einem bislang eher Grenzen, Probleme und Defizite betonenden Bild
sind ökonomische, kulturelle und soziale Chancen einer gesteuerten Zuwanderung
sowie die Bereicherung durch kulturelle Vielfalt und Weltoffenheit
hervorzuheben.
Der Wortlaut des Berichts ist in
der Pressestelle des Innenministeriums zu erhalten.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes
Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail: staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
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