Herbsttagung der
Agrarministerkonferenz in Eisleben
21.09.2009, Magdeburg – 146
- Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt - Pressemitteilung Nr.:
146/09
Ministerium für Landwirtschaft und
Umwelt - Pressemitteilung Nr.: 146/09
Magdeburg, den 18. September 2009
Herbsttagung der
Agrarministerkonferenz in Eisleben
Eisleben.
Auf Einladung des Vorsitzlandes
Sachsen-Anhalt trafen sich von Mittwoch bis Freitag die Agrarministerinnen und
-minister von Bund und Ländern im Kloster Helfta bei Eisleben zu ihrer
turnusmäßigen Herbstsitzung. Neben der Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik war
das bestimmende Thema die Lage der deutschen Milchbauern. Der
sachsen-anhaltische Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens sagte, die
Situation der Milchbauern sei nach wie vor außerordentlich schwierig. Die lang
andauernde Niedrigpreisphase habe zu bedrohlichen Liquiditätssituationen bei
einer Vielzahl von Milcherzeugern geführt.
Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer, der die erkrankte sachsen-anhaltische
Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke als Vorsitzende der
Agrarministerkonferenz vertrat, sagte, dass die bisherigen Marktstützungsmaßnahmen auf europäischer
Ebene noch nicht ausreichen. Dennoch bleibe festzustellen, dass durch die
Maßnahmen eine weitere dramatische Zuspitzung der Situation verhindert werden
konnte. ¿Wir dürfen aber nicht dem Irrtum erliegen, dass eine Quotenverknappung
durch Maßnahmen auf nationaler Ebene die Milchpreissituation nachhaltig
beeinflussen könnte. Deshalb unterstützen wir eine Politik, die die
wachstumsfähigen Betriebe entlastet und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem
europäischen und internationalen Markt stärkt¿, betonte Kupfer in diesem
Zusammenhang. Konkret fordern die Minister deshalb die Neuauflage eines
Bundesprogramms zur Förderung von Langfristkrediten. Damit wird
landwirtschaftlichen Betrieben die Umschuldung von kurz- in langfristige
Darlehen ermöglicht.
Bundeslandwirtschaftsministerin
Ilse Aigner, die von ihren aktuellen Verhandlungen in Brüssel berichtete,
sagte, es sei äußerst bedauerlich, dass es die EU-Kommission abgelehnt hat, die
mit dem Health-Check festgelegten jährlichen Quotenerhöhungen auszusetzen.
In
der Diskussion über die europäische Agrarpolitik sprachen sich die
Agrarminister für die Weiterführung des Zwei-Säulenmodells auch nach 2013 aus.
Aeikens fasste die Auffassung der AMK zusammen: ¿Wir brauchen für die
Finanzierungsperiode nach 2013von Anfang an eine eindeutige und verlässliche
Finanzierungsgrundlage. Was wir nicht brauchen und auch nicht wollen, ist eine
jährliche Mittelumschichtung von den Direktzahlungen zur zweiten Säule.¿
Die
Agrarminister/innen sind sich einig, dass die Verringerung des
Flächenverbrauches für Naturschutz und Landwirtschaft unabdingbar ist. Sie
unterstützen die Absicht des Bundes, den Flächenverbrauch in Deutschland auf 30
Hektar je Tag zu reduzieren. Die AMK nahm einen Bericht des Bundes zur
Nachhaltigkeitsstrategie zur Kenntnis und beauftragte die
Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung, bis zur
Frühjahrs-AMK 2010 die im Bericht fixierte Strategie zur Minderung des
Flächenbedarfes zu bewerten.
Verbraucher
sollen künftig beim Milchkauf klar erkennen können, wie die Milch behandelt
worden ist. Zur Verwirrung bei Kunden und Kritik bei Verbraucherschützern führt
die sogenannte ESL-Milch (extended shelf live). Diese wird auch als Frischmilch
verkauft, ist jedoch durch ein Mikrofiltrationsverfahren dreimal länger haltbar
als eine traditionell pasteurisierte Frischmilch. Der Bund wird durch die
Länderminister aufgefordert, die freiwillige Selbstverpflichtung der
Milchindustrie zur Kennzeichnung zu evaluieren und gegebenenfalls eine EU-weit
verbindliche Kennzeichnung einzufordern.
Die
Ressortchefs sehen in bürokratischen Hemmnissen eine Belastung für die
Landwirtschaft. ¿Landwirte, die investieren wollen, sind erheblichen
bürokratischen Belastungen ausgesetzt¿ sagte Aeikens. ¿Das zeigt sich besonders
jetzt bei der Umsetzung der Maßnahmen der zweiten Säule der Gemeinsamen
Agrarpolitik. Wir brauchen eine deutliche Vereinfachung der Verfahren, etwa
durch Änderungen bei den Kontrollen.¿ Die AMK fordert den Bund auf, sich auf
EU-Ebene für eine Senkung der Regelungsdichte einzusetzen.
Zunehmende
Erwärmung und Trockenheit setzt den heimischen Wäldern zu. Die AMK befürwortet
daher die Einrichtung eines Wald-Klima-Fonds, aus dem zur Unterstützung der
Waldbesitzer ergänzende Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zum
Klimaschutz durch die Verwendung von Holz finanziert werden sollen. Bestehende
Aktivitäten wie der Waldumbau sollen unberührt bleiben. Die Bundesregierung
solle entsprechende Schritte einleiten, so dass der Fonds nach Möglichkeit im
Jahr 2011 (¿Internationales Jahr der Wälder¿) eingeführt werden kann. Der Fonds
soll sich aus Erlösen des nationalen Emissionshandels speisen.
Die
Agrarminister diskutierten auch Fragen des Tierschutzes, insbesondere der
Tiertransporte. Anlass ist die von der AMK unterstützte Absicht der
Bundesregierung, mit Drittländern neue Absatzmöglichkeiten für
landwirtschaftliche Produkte zu erschließen. Es dürfe aber im Zuge dieser
Markterweiterung nicht zum längeren Transport von lebenden Schlachttieren
kommen, waren sich die Agrarminister einig. Bei den anstehenden Verhandlungen
in Brüssel zu Tiertransporten müsse daraufhin gewirkt werden, lange Transporte
zu vermeiden.
Die
EU will, dass Schafe und Ziegen verpflichtend elektronisch gekennzeichnet
werden. Ausnahme von Schlachtschafen von bis zu 12 Monaten, wie von Brüssel
vorgesehen, reicht den Agrarministern aber nicht aus. Sie setzten sich dafür
ein, die Kennzeichnung auf freiwilliger Basis vorzusehen.
Vorsitzland
für die Agrarministerkonferenz im kommenden Jahr ist Schleswig-Holstein.
Das
vorläufige Beschlussprotokoll der AMK steht auf der Internetseite
www.agrarministerkonferenz.de.
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