Redebeitrag von Finanzminister
Jens Bullerjahn zur Einbringung des Nachtragshaushaltes 2009 im Landtag von Sachsen-Anhalt am19. März 2009
19.03.2009, Magdeburg – 7
- Ministerium der Finanzen
Ministerium der Finanzen - Pressemitteilung Nr.: 007/09
Ministerium der Finanzen -
Pressemitteilung Nr.: 007/09
Magdeburg, den 19. März 2009
Redebeitrag von Finanzminister
Jens Bullerjahn zur Einbringung des Nachtragshaushaltes 2009 im Landtag von Sachsen-Anhalt am19. März 2009
Sperrfrist: Redebeginn
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
die Einbringung dieses
Nachtragshaushalts findet unter konjunkturell angespannten wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen statt. Dies gab es in der Geschichte des Landes noch nicht
so. Selbst die optimistischen Prognosen gehen nicht mehr nur von einer leichten
Delle in der Wirtschaftsentwicklung aus. Die Weltwirtschaftskrise wird die
deutsche Volkswirtschaft deutlich nach unten ziehen, auch in Sachsen-Anhalt.
Wir wissen nicht, wie lange die Krise anhält, wir müssen aber damit rechnen,
dass es nicht vor 2010 zu einer Erholung kommt.
Es ist trotzdem weiterhin
elementar, die nachhaltige Finanzpolitik der Landesregierung fortzuführen.
Stichworte sind Konsolidieren ¿ Investieren ¿ Vorsorgen . Diese
Eckpfeiler sind wichtig auch für unsere Wirtschaft. Konjunkturbedingte
Veränderungen der Rahmenbedingungen haben wir zu berücksichtigen, sie ändern
aber nicht die finanzpolitische Langfriststrategie der Landesregierung. Denn
trotz Krise bleiben rückläufige Einwohnerzahlen, rückläufige Solidarpaktmittel
und rückläufige EU-Zuweisungen Realität.
1)
Gründe für den
Nachtragshaushalt
Es gibt mindestens zwei
wesentliche Gründe, jetzt einen Nachtragshaushalt aufzustellen: Zum einen haben
wir auf der Einnahmenseite einen großen Anpassungsbedarf aufgrund der
wegbrechenden Steuereinnahmen. Interne Berechungen meines Hauses gehen von
Mindereinnahmen in Höhe von fast 400 Mio. EUR aus. Dies entspricht unter
Berücksichtigung des Länderfinanzausgleichs rd. 6% der steuerabhängigen Einnahmen.
Zum anderen geht es uns um die
Umsetzung des Konjunkturprogramms II.
Und wenn dann ein
Nachtragshaushalt vorgelegt wird, hat dies zur Folge, dass wir weitere zwingende
Änderungen aufgrund über- und außerplanmäßiger Ausgabebedarfe und weitere
wesentliche Änderungen der Einnahmen und Ausgaben aufnehmen. Auf die Details
gehe ich später ein.
Durch den Nachtragshaushalt wird
aber auch die Möglichkeit eröffnet, über die technischen und rechtlichen
Änderungen hinausgehend politisch gestaltend zu wirken. Auch dies haben
wir mit dem vorgelegten Gesetzentwurf berücksichtigt.
2) Wirtschaftliches
Umfeld/Konjunkturpolitik
Anrede,
Die Wirtschaftsprognostiker
scheinen sich mit ihren
Hiobsbotschaften ständig übertrumpfen zu wollen.
Noch im Oktober und November letzten Jahres war es weitgehender Konsens, dass
die Wirtschaft mehr oder weniger stagniere, also weder wachsen noch schrumpfen
würde. Jetzt reden wir über eine nachhaltige Rezession, mit einem Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts um 3-5%! Dies ist eine dramatische Entwicklung ,
die vor allen Dingen weltwirtschaftliche Ursachen hat. Ich will mich an
dieser Debatte nicht beteiligen. Klar ist aber, dass wir auf die Veränderungen
zu reagieren haben.
Wir müssen alles daran setzen,
dass die Rezession schnell überwunden wird und insbesondere die negativen Auswirkungen
auf den Arbeitsmarkt und die Einkommen gerade der kleinen Leute gering gehalten
werden. Diese Zielsetzung haben die verschiedensten Stabilisierungsmaßnahmen,
die von Bund, Ländern und Kommunen umgesetzt werden.
Mir ist jedoch bewusst, dass die
Konjunkturkrise durch nationale und internationale Konjunkturprogramme nicht
verhindert, sondern nur abgemildert werden kann. Wir wollen und können
stabilisierend wirken, und müssen insbesondere verhindern, dass die
staatliche Politik krisenverschärfend wirkt.
Ich will nicht zu große
Erwartungen wecken. Schon aus der Dimension des Konjunkturpakets wird deutlich,
dass die staatlichen Ausgabengrogramme und Steuersenkungen nicht alle Probleme
lösen können .
Das Konjunkturpaket II umfasst ein
Volumen von 50 Mrd. EUR für 2-3 Jahre. Im Monat Januar sind nach den Daten des
Statistischen Bundesamtes die Exporte um rd. 13 Mrd. EUR geringer ausgefallen
als im Vorjahresmonat. Dies entspricht ziemlich genau einem Viertel des K II.
Nun wissen wir alle, dass der Staat deutlich mehr macht als nur das zweite
Konjunkturprogramm. Es ist aber auch klar, dass wir nicht zu euphorisch über
die konjunkturelle Wirkung reden dürfen.
Deshalb ist es besonders wichtig,
dass die Bundes-, Landes-, und Kommunalgelder für nachhaltige, die Entwicklung
des Landes voranbringende zusätzliche Investitionen verausgabt werden. Wir
wollen nicht nur einen kurzfristigen Impuls erzeugen, wir wollen langfristige
Strategien schneller umsetzen. Statt eines Strohfeuers wollen wir solide
Fundamente und Bauwerke weiter schaffen und ausbauen.
3) Eckwerte
des Nachtragshaushalts
-
Gesamthaushalt steigt um 158
Mio. EUR auf 10,151 Mrd. EUR
-
Verzicht auf die Tilgung (25
Mio. EUR), aber keine Neuverschuldung
-
Investitionsausgaben steigen um
317 Mio. EUR auf 1,9 Mrd. EUR.
-
Investitionsquote erhöht sich
von 15,9 % auf 18,8 %.
-
Konsumtive Ausgaben sinken um
124,5 Mio. EUR auf 8,34 Mrd. EUR
-
Senkung der Personalausgaben um
über 17 Mio. ¿
-
Personalausgabenquote sinkt von
23,6 % auf 23,1 %
-
Steuerdeckungsquote sinkt von
55,1 % auf 50,4 %
-
K II Ausgaben betragen 223,6
Mio. EUR ; Einnahmen vom Bund 184 Mio. EUR
-
Aktueller Schuldenstand: 19,809
Mrd. EUR
Im Nachtragshaushalt werden wir
unseren Bürgschaftsrahmen insbesondere für die mittelständische Wirtschaft
um 660 Mio. EUR erhöhen, die Nord LB soll durch ein Einzelgesetz mit einem
Bürgschaftsrahmen von 3,3 Mrd. EUR in ihrer wichtigen Rolle als Mittelstandsfinanzierer
und Partner der Sparkassen unterstützen.
Neben den konjunkturellen
Auswirkungen auf das Steueraufkommen gibt es Mindereinnahmen wegen der
bundesweiten Steuersenkungen, der Rechtsprechung zur Pendlerpauschale und
der Kindergelderhöhung. Die Landeskasse wird in 2009-2011 mit insgesamt
rd. 770 Mio. EUR beteiligt.
Insgesamt werden wir in diesen
drei Jahren damit aus der Landeskasse einen konjunkturellen Impuls von fast
900 Mio. EUR aus eigenen Mitteln finanzieren. Dies sind Mittel, die den
Bürgern und Bürgerinnen netto mehr zur Verfügung stehen werden oder die durch
Aufträge an die Unternehmen umzusetzen sind.
Zusätzlich gehen wir derzeit von
weiteren konjunkturbedingten Mindereinnahmen in Höhe von 143 Mio. EUR für
dieses Jahr aus. Bei der Berechnung handelt sich um eine hausinterne Schätzung,
die sich an der Veränderung der aktuellen Steuerveranschlagung des
Bundeshaushalts orientiert. Dabei wird gegenüber der November-Schätzung ein
konjunkturbedingter Rückgang der Einnahmen um 2,25% unterstellt.
Insgesamt beträgt das Steuerminus
in diesem Jahr also 390 Mio. EUR und in den beiden nächsten Jahr über 1,1 Mrd.
EUR.
Weitere Änderungen in Stichworten
-
Kinderbetreuung + 14 Mio. EUR
(üpl.) wegen höherer Betreuungszahlen und Qualitätsverbesserung
-
Durchleitung der Bundesmittel
für die Kinderbetreuung +2,2 Mio. EUR (netto)
-
Zur Bindung von EU-Geldern
wollen wir im Epl. 15 die nationale Kofinanzierung um 2,3 Mio. EUR erhöhen.
Damit holen wir Maßnahmen nach, die im letzten Jahr nicht umgesetzt worden
sind.
-
Mehrausgaben werden auch für
wasserwirtschaftliche Maßnahmen in Höhe von 2,2 Mio. EUR eingeplant.
-
Umweltschutz: eine bessere
Ausstattung des Landesamtes im Wert von 1,2 Mio. EUR verbessert.
-
Weitere über- und
außerplanmäßige Ausgaben in Höhe von fast 3 Mio. EUR und Verpflichtungsermächtigungen
in Höhe von fast 8 Mio. EUR
Gegenfinanzierung
Zur Gegenfinanzierung der
Mindereinnahmen und Mehrausgaben haben wir zahlreiche Anpassungen vorgenommen:
a) Einnahmeseite
Positiv entwickeln sich die
Einnahmen von Dritten. Wir erwarten in diesem Jahr erheblich höhere
Erstattungen von der EU-Kommission. Eigentlich hätten Teilbeträge bereits im
letzten Jahr fließen müssen. Aufgrund des überaus schwierigen Genehmigungsprozesses
hinsichtlich der Verwaltungs- und Kontrollsysteme werden wir erst in diesem
Monat einen ersten Erstattungsantrag für die neue Förderperiode stellen können.
Einschließlich der zusätzlich
genehmigten Vorschusszahlungen können wir rd. 250 Mio. EUR an Mehreinnahmen
im Haushalt berücksichtigen. Dies ist zugegebenermaßen ein Einmaleffekt.
Traurig sein sollten wir deshalb aber nicht. Wären sie im letzten Jahr
geflossen, hätten wir einen Überschuss bebildet.
Ja, der geplante Beginn der Tilgung
der Landesschulden muss verschoben werden, da wir diesen heftigen Einbruch
nicht durch konjunkturverschärfende Ausgabenkürzungen auffangen wollen, aber
auch nicht nachhaltig können.
Erlauben Sie mir diesen kleinen
Hinweis an die FDP, die doch gefordert hat, Schulden zu tilgen. Nun ja, sie ist
in der Opposition und darf die Quadratur des Kreises einfordern. Beschäftigung
und Wachstum durch zusätzliche Investitionen sichern, aber bitte kein Geld
ausgeben und gleichzeitig Schulden tilgen. Wie bitte schön, soll das gehen? In
den Ländern, in denen die FDP mitregiert, gibt es nicht ein Land, das in diesem
Jahr die Schulden tilgen will. Nicht eines!
Die kurzfristigen Einnahmen aus
der Sicherstellung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR
werden in diesem Jahr 25 Mio. EUR zusätzlich betragen. Einen Betrag von 4 Mio.
EUR haben wir bereits ausgabeseitig für Forschungsausgaben des Wirtschaftsministers
veranschlagt. Für die restlichen Mittel werden wir einschließlich der
Verzinsung einen Vorschlag mit dem Doppelhaushalt unterbreiten.
Zunächst sollte der größere Teil
auch 2010/11 in den Bereich der Wirtschaft fließen, wie es die
Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund vorsieht. Die restlichen Mittel sollen
nach meinem Vorschlag teils den Gedenkstätten zur Aufarbeitung der
DDR-Vergangenheit zugute kommen, ein weiterer Anteil soll in den Bereich Kultur
und Soziales gehen. Die endgültige Entscheidung wird die Landesregierung hierzu
voraussichtlich im April treffen.
b) Ausgabenseite
Wichtige Konsolidierungsbeträge
werden auch von der Ausgabenseite erwartet:
Am stärksten zurücknehmen konnte
ich den Ansatz für Zinsen . Im November vorletzten Jahres habe ich noch
mit Ausgaben von 971 Mio. EUR gerechnet. Jetzt gehen meine Fachleute von einer
Minderung auf 867 Mio. EUR aus, also insgesamt 104 Mio. EUR weniger.
Insbesondere die kurzfristigen Zinssätze sind deutlich gesunken. Dies ist ein
(positiver) Nebeneffekt der Konjunkturkrise.
Zusätzlich rechnen wir mit einem
weiteren Rückgang der Zahlungen für die DDR- Sonder- und Zusatzrenten .
Gerne hätte ich diese Minderausgaben in den Pensionsfonds überwiesen, jedoch
ist diese Zusatzüberweisung aufgrund der angespannten Lage nicht finanzierbar.
Dadurch sparen wir 27 Mio. EUR. Für neue Beamte gilt dies nicht.
Auch die Ausgaben für das
Aufnahmegesetz werden nochmals deutlich sinken. Wir rechnen jetzt mit Ausgaben
von rd. 13 Mio. EUR (-12 Mio. EUR).
Wir werden mit dem Nachtrag die Globalen
Minderausgaben erhöhen . Sowohl die allgemeine GMA, diese soll um 35 Mio.
EUR erhöht werden, als auch die Personal GMA, diese wird um 20 Mio. EUR erhöht.
Insgesamt werden die Globalen Minderausgaben auf 160 Mio. EUR erhöht. Ursprünglich
war ausschließlich die Absenkung der Personalausgaben mittels Erhöhung der GMA
geplant.
Jedoch musste durch das
Tarifergebnis eine Umschichtung vorgenommen werden. In der Abwägung
Neuverschuldung zu Globaler Minderausgabe habe ich mich klar für die GMA
entschieden. Mit dem Tarifvertrag haben wir jetzt aber auch Sicherheit bis 2010
bei der Personalausgabenveranschlagung.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass
der Haushaltsvollzug in diesem Jahr sehr schwierig wird . Jedoch wird
auch in diesem Jahr ein ausgeglichener Haushalt im Vollzug zu erreichen sein
und wir werden in diesem Jahr keine Entnahme aus der Steuerschwankungsreserve
vornehmen.
4) Schwerpunkt
Investitionen
Anrede,
ohne lange Vorrede ¿ worum geht
es:
Wir haben mit diesem Haushalt die Bindung
aller Drittmittel sichergestellt . Es geht um die Umsetzung des
Investitionspakts zur energetischen Sanierung von Gebäuden, den Stadtumbau und
die Aufstockung der Gemeinschaftsaufgaben.
Insgesamt steigen die
Investitionsausgaben mit dem Nachtrag um 317 Mio. EUR , davon sind 224 Mio. EUR
KII-Mittel. Dies bedeutet, dass zusätzliche Investitionen in Höhe von 93 Mio.
EUR außerhalb des zweiten Konjunkturprogramms in diesen Jahr ausfinanziert.
Neben der Mittelaufstockung haben
wir bei den investiven Ausgaben die Bewirtschaftungsbeschränkungen gelockert .
Wie Sie wissen, bin ich als Finanzminister ein vorsichtiger Mensch. Deshalb
habe ich zu Jahresbeginn in der Regel nur 90% der Etatansätze freigegeben,
sofern es sich nicht um Rechtsverpflichtungen handelt. Ich habe für dieses Jahr
diese Einschränkung in der letzten Woche aufgehoben, damit können alle
Investitionsmaßnahmen umgesetzt werden . Die Mittel sind verfügbar, sie
können zur Stabilisierung der Konjunktur eingesetzt werden.
Was heißt das im Einzelnen (ohne K
II)
-
Insgesamt werden die Mittel für
den Wirtschaftsminister um 100 Mio. EUR aufgestockt , davon rund 1/3 als
Baransatz für 2009 und 2/3 als VE für die Folgejahre. Mit dieser Veranschlagung
stellen wir die Kofinanzierung der Aufstockung der Gemeinschaftsaufgabe
¿Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur¿ sicher.
-
Zum anderen werden wir
zusätzliche Landesmittel für den Ausbau der Forschungslandschaft
bereitstellen. Aus dem Epl. 08 werden in diesem Jahr für das Forschungs- und
Entwicklungszentrum ¿Automotive¿ 22,5 Mio. EUR zur Verfügung gestellt, davon 6
Mio. EUR als Barmittel. Eine weitere Förderung erfolgt über das Konjunkturpaket
II aus dem Einzelplan 13 in Höhe von 10 Mio. EUR in diesem und im nächsten
Jahr. Insgesamt werden wir damit 32,5 Mio. EUR für dieses Projekt in
die Hand nehmen, um die Forschungslandschaft zu verbessern.
-
Ein weiterer wesentlicher
Eckpfeiler unserer Industrielandschaft ist die Chemische Industrie. Auch hier werden
wir in kurzer Zeit mit dem Aufbau eines Chemisch-Biologischen Prozesszentrums
eine deutliche Verbesserung der industrienahen Forschung erreichen.
Insgesamt stellen Bund, Fraunhofer Gesellschaft und Land 46,5 Mio. EUR zur
Verfügung. Im Epl. 08 werden 20,1 Mio. EUR eingestellt, davon 4 Mio.
EUR als Baransatz aus Landesmitteln.
-
Für die Landesanstalt für Landwirtschaft,
Forsten und Gartenbau werden wir über 1 Mio. EUR zusätzlich bereitstellen,
um die Fahrzeug- und Geräteausstattung zu verbessern. Auch die Landesgartenschau
wird einen um 675.000 EUR erhöhten Beitrag erhalten. (Zusätzlich werden über K
II 1,5 Mio. EUR bereit gestellt)
Im Einzelplan 14 werden die
Verpflichtungsermächtigungen um fast 350 Mio. EUR erhöht .
-
Davon sind allein über 230 Mio.
EUR für die Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs vorgesehen. Diese
Mittel werden u. a. zur Absicherung der Finanzierung von Maßnahmen des
ÖPNV-Landesnetzes, zur Straßenbahnneubeschaffung in Halle und für den
Betriebshof in Magdeburg sowie für die Ausschreibung im
Schienenpersonalennahverkehr im ostthüringischen Dieselnetz auf der Strecke
Gera-Zeitz-Leipzig benötigt.
-
Finanzierung der Städtebauförderung
und des Investitionspakts 2009. Das bedeutet, dass im Programmzeitraum, also in
den Jahren 2009 bis 2013, mehr als 20,6 Mio. EUR an Landesmitteln zusätzlich
veranschlagt wurden.
-
Aufstockung der Straßenplanungsmitteln
zur Durchführung der Planungsmaßnahmen an Bundesfernstraßen: 3 Mio. EUR
-
Zum Ausbau des Flughafens Halle/Leipzig
werden 17 Mio. EUR bereitgestellt. Damit soll insbesondere die Landebahn Süd
ausgebaut werden.
-
Investitionen in die
Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie sowie
Einrichtung eines eigenen Grabungsetats in Höhe von 1,1 Mio. EUR
Anrede,
Investitionen in die Köpfe sind genauso wichtig wie
Investitionen in Straßen und Gebäude. Deshalb haben wir uns dafür
ausgesprochen, die Mittel für die Schülerbeförderung im Epl. 13 um 4 Mio. EUR
zu erhöhen. Damit soll die bezuschusste Förderung für die Schüler der Jahrgangsstufen
11 und 12 eingeführt und für die Berufsschüler verbessert werden. Auf ein
ganzes Jahr hochgerechnet gehen wir von einem jährlichen Mehrbedarf von 10 Mio.
¿ aus.
Nun muss der Landtag die
notwendigen gesetzlichen Anpassungen vornehmen. Bei den Berechnungen und den
Formulierungshilfen ist die Regierung gerne behilflich.
5) Konjunkturpaket
II
Mit dem Konjunkturprogramm II
stehen dem Land und den Kommunen zwischen 2009-2011 Bundesmittel in Höhe von
356 Mio. EUR zur Verfügung. Der Kofinanzierungsbedarf beläuft sich auf rd. 119
Mio. EUR. Die Kommunen werden über 70% der Mittel erhalten. Durch die hälftige
Übernahme der kommunalen Kofinanzierung wird das Land allen Gemeinden,
Städten und Landkreisen eine Teilnahme an dem Programm ermöglichen.
Uns ist es wichtig, dass nicht nur
die finanzstarken Gebietskörperschaften Zukunftsinvestitionen durchführen
können, sondern auch die strukturschwachen. Zusätzlich werden wir noch ein
zinsvergünstigtes Kreditprogramm auflegen.
Den Schwerpunkt der Maßnahmen
machen die
Bildungsinvestitionen aus. Nach den Vorgaben des Bundes
müssen 65% der Ausgaben in diesen Bereichen angesiedelt sein. Die Verwendung
der Kommunalpauschale können die Städte und Gemeinden nach eigener Festlegung
aufteilen. Je nachdem wie die Kommunalpauschale tatsächlich auf Bildungs- und
sonstige Infrastrukturmaßnahmen aufgeteilt wird, hat das Land einen Nachsteuerungsbedarf,
den wir im Wege der Feinsteuerung berücksichtigen müssen.
Wie Sie bereits wissen, können die
Bundesmittel nur für zusätzliche Vorhaben eingesetzt werden. Außerdem werden
wir in 2009-2011 ein hohes Investitionsniveau im Vergleich zum Zeitraum
2006-2008 aufrechterhalten müssen, weil wir nur dann den Festlegungen der
Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund Rechnung tragen können . In § 5 ist
festgelegt, dass die Länder ihre eigenfinanzierten Investitionen maximal um 5%
sowie um den prozentualen Rückgang der Steuereinnahmen verringern können.
Entsprechendes gilt für die Kommunen, wobei die Länder für diese ¿haften¿.
Nach unseren Modellberechnungen
auf der Basis unserer Interpretation der Verwaltungsvereinbarung zur Zusätzlichkeit
haben wir bei der Umsetzung der aktuellen Planungen einen Puffer von insgesamt
rd. 470 Mio. EUR. Diesen werden wir wegen der ungewissen Einnahmesituation und
dem nie vollständigen Mittelabfluss auch brauchen werden.
Nun zu den Details des
Konjunkturprogramms:
Am Dienstag wird das Kabinett noch
weitere Festlegungen zur Mittelverteilung treffen.
(ohne Gewähr)
Im kommunalbezogenen Bereich
werden Bund, Land und Kommunen für die Sanierung der Schulinfrastruktur
einschließlich der freien Träger und Musikschulen rd. 126 Mio. EUR einsetzen.
Im Bereich der Weiterbildung werden rd. 26 Mio. EUR aufgewendet. Die
frühkindliche Infrastruktur wird mit einem Volumen von 31 Mio. EUR verbessert.
Im Zuständigkeitsbereich des MLV
sind im Städtebau und in der Verkehrsinfrastruktur Ausgaben in Höhe von
39 Mio. EUR eingeplant.
Im Geschäftsbereich des MLU sind
für Maßnahmen im Abfallbereich und für die ländliche Entwicklung sowie Lärmschutzmaßnahmen
in den Oberzentren 40 Mio. EUR eingestellt worden.
Einen Schwerpunkt des Programms
bildet die Verbesserung und Ertüchtigung der Informationstechnologie in
der Landesverwaltung und der Breitbandversorgung. Dafür sollen insgesamt 36
Mio. EUR aus den Ansätzen des MI, des MLU und der Staatskanzlei zur Verfügung
gestellt werden.
Im Landesbereich sind folgende
Schwerpunkte vorgesehen:
Für das MI ist neben der
Informationstechnologie, die Sanierung der Fachhochschule Aschersleben
und die Verbesserung der Ausrüstung des Katastrophenschutzes von
zentraler Bedeutung. Auch das MI wird insgesamt 40 Mio. EUR zur Verfügung haben.
Auf den Schulbereich habe ich
schon hingewiesen. Daneben wird das MK für den Hochschulbau sowie die
Forschungsinfrastruktur rd. 64 Mio. EUR einsetzen können. Der Gesamtanteil
des MK beläuft sich auf knapp 230 Mio. EUR, also auf fast die Hälfte der KII-Mittel.
Auf die höheren Forschungsmittel
des MW bin ich bereits eingegangen. Aus K II erhält das MW insgesamt 10 Mio.
EUR.
Zum Schluss: das Justizministerium
wird für die
Verbesserung der
Gefangenenbeschulung und
sonstige Baumaßnahmen insgesamt 9 Mio. EUR einsetzen können.
Die bisher zum Konjunkturprogramm
II genannten Summen beinhalten immer auch die kommunale Kofinanzierung. Es
wird als Gesamtprogramm von 475 Mio. EUR dargestellt. Die Mittel sind zu etwa
50% als Baransatz im Nachtragshaushalt veranschlagt. Die ausgebrachte
Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 200 Mio. EUR ermöglicht die frühzeitige
Bewilligung von Maßnahmen des nächsten Jahres. Die vollständige Bindung der
Mittel kann im nächsten Jahr durch den Doppelhaushalt 2010/2011 abgesichert werden.
Ich will aber bereits heute dafür
werben, dass wir bei der Mittelbereitstellung ein hohes Maß an Flexibilität
erhalten. Wir schlagen Ihnen vor, der Landesregierung die Möglichkeit zu geben,
die Mittel in 2009 aufzustocken, sofern im Vollzug ein erhöhter Bedarf
auftritt. Es muss uns allen daran gelegen sein, bei einer schnellen Umsetzung
des Programms gegebenenfalls nachsteuern und zusätzliche Mittel bereit stellen
zu können.
6)
Personal
Die Personalausgaben werden im
Nachtragshaushalt um über 17 Mio. EUR abgesenkt. Wir wissen, dass wir hier zum
einen weiter sparen müssen.
Wir haben uns in vielen Debatten
hier im Hause und natürlich auch in der Öffentlichkeit über die
Stellenausstattung auch im Polizeibereich gestritten, wir haben eine
beschlossenes Reformkonzept für die Polizei ¿ das derzeit überprüft und
angepasst wird ¿ und wir haben ein beschlossenes Personalentwicklungskonzept
für die gesamte Landesverwaltung, das für den Polizeibereich eine Anpassung der
Stellenausstattung vorsieht.
Deshalb bin ich mir mit dem
Innenminister und dem gesamten Kabinett auch einig, dass wir nach der
konsensualen Festlegung im PEK jetzt im Nachtrag¿ wie schon in den anderen
Geschäftsbereichen ¿ notwendige Beförderungsmöglichkeiten schaffen.
Insgesamt planen wir über 400 sogenannte Stellenhebungen im Bereich der
Polizei. Wie die Eingeweihten wissen, können damit sogar deutlich mehr als 400
Beförderungen vorgenommen werden. Natürlich werden nicht alle auf einmal befördert
werden.
7)
Fazit/Ausblick
Anrede,
Mit dem Nachtragshaushalt haben
wir wichtige Entscheidungen getroffen. Der Doppelhaushalt wird daran nahtlos
anknüpfen.
Wir wissen aber, dass wir
zahlreiche Hausaufgaben weiter zu erledigen haben.
Wir weisen im Ländervergleich noch
immer erhebliche Personalüberhänge aus. Mit Stand 2007 verfügt
Sachsen-Anhalt im Landesdienst über 22,7 Vollzeitäquivalente je 1.000
Einwohner. Im Durchschnitt der Flächenländer West waren es dagegen nur 19,1
Vollzeitäquivalente je 1.000 Einwohner.
Abstand
Damit hat sich der Abstand
Sachsen-Anhalts zu den westdeutschen Flächenländern gegenüber 2006 wieder vergrößert!!
Zugleich sind unsere finanziellen
Möglichkeiten beschränkt. Wir haben nur in geringem Umfang Möglichkeiten, die
eigenen Einnahmen zu erhöhen und auf diese Weise zusätzliche (Personal-)Ausgaben
zu finanzieren.
Es ist also von zentraler Bedeutung,
auch die
Personalausgaben als den mit Abstand bedeutendsten
Ausgabenblock zu begrenzen .
Diese Notwendigkeit zeigt sich
auch in der langfristigen Projektion der Haushaltsentwicklung bis 2025. Ohne
mittelfristige Konstanz bei den Ausgaben für das aktive Personal und
langfristig nur sehr moderaten Steigerungen der Personalausgaben insgesamt wird
das Ziel einer Beschränkung des Personalkostenanteils zukünftiger Haushalte
nicht gelingen.
Wir müssen die Verlängerung der
Lebensarbeitszeit und den weiteren Bevölkerungsrückgang in unseren Entscheidungsprozess
berücksichtigen.
Ohne eine Begrenzung des Anteils
der Personalausgaben an den Gesamtausgaben des Landes durch Verringerung des
Gesamtpersonalbestandes wäre daher das Ziel einer Konsolidierung des Haushaltes
nie zu erreichen.
Meine Damen und Herren,
Der Nachtragshaushalt stellt
die Weichen zu einer deutlichen Verstärkung der Investitionsanteile. Damit
schaffen wir es, den Infrastrukturaufbau des Landes erheblich voran zu bringen
und den Abstand zu den westdeutschen Ländern zu verringern und in manchen
Bereichen sogar den Vorsprung auszubauen.
Das diese Veränderungen ohne Neuverschuldung
möglich sind, hat einerseits mit der Konsolidierungspolitik der letzten Jahr zu
tun. Es sind aber auch positive Einmaleffekte, die ich nicht verhehlen will,
die uns die Zielerreichung erleichtern.
Sie sehen, der Nachtragshaushalt
enthält nicht nur das Konjunkturprogramm II, sondern eine Vielzahl von
wichtigen Maßnahmen und Initiativen der Regierung. Es ist ein umfassender
Ansatz mit den verschlechterten finanzpolitischen Rahmenbedingungen umzugehen.
Die Koalition ist sich Ihrer Aufgabe bewusst. Wir haben meines Erachtens einen
ausgewogenen Haushaltsplan entworfen, der eine gute Grundlage für die
parlamentarischen Beratungen darstellt.
Wir werden in den nächsten Wochen
eine Reihe von
weitergehenden Beschlüssen zur
Umsetzung des Konjunkturpakets fassen . Diese wollen wir natürlich dem Parlament und seinen
Ausschüssen so schnell wie möglich mitteilen. Neben den notwendigen Erlassen
und Richtlinien des Landes werden wir auch einen Leitfaden für das Konjunkturprogramm
erstellen, in dem alles Wissenswerte über das Programm und seine Umsetzung im
Land dargestellt wird. Wir wollen, dass nach dem Abschluss der
parlamentarischen Beratungen der Nachtragshaushalt einschließlich
Konjunkturpaket möglichst schnell umgesetzt wird.
Anrede,
Der nächste Doppelhaushalt wird
nach meiner Einschätzung noch höhere Steuermindereinnahmen verkraften müssen
als der Nachtragshaushalt. Wir werden Entlastungen bei den Zinsausgaben
erwarten können. Bei den Personalausgaben haben wir aufgrund des
Tarifabschlusses zumindest für 2010 Planungssicherheit. Insgesamt werden die
Rahmenbedingungen für die Planaufstellung negativer sein als beim letzten Mal.
Aufgrund unserer Vorsorgepolitik haben wir¿ wenn auch sehr begrenzte ¿
Reserven. Diese müssen wir bei unseren Planungen mit berücksichtigen.
Die Landesregierung wird den
Landeshaushalt weiterhin strukturell konsolidieren müssen (z.B. durch
die Anpassung des Personalbestandes in der Verwaltung, durch Strukturreformen
und eine Modernisierung des Haushaltswesens). Der im Spätsommer vorzulegende
Planentwurf wird weiter auf den drei Säulen Konsolidieren - Investieren -
Vorsorgen fußen. Wir müssen gerade auch im Hinblick auf die Schuldenbremse und
die Konsolidierungshilfen von Bund und Ländern einen strukturell
ausgeglichenen Haushalt anstreben und spätestens bis 2020 dauerhaft erreicht
haben.
Es gilt insbesondere die konsumtiven
Ausgaben einer noch intensiveren Prüfung zu unterziehen. Dies werden wir beim
Personal und bei den allgemeinen Verwaltungsausgaben weiterhin umsetzen. Auf
den Prüfstand gehören aber auch die Zuweisungen und Zuschüsse an Dritte (Leistungsgesetze).
In der gegenwärtigen Krise müssen
wir jedoch mit einer konjunkturgerechten Haushaltspolitik das Heft des Handelns
in die Hand nehmen. Dies machen Bund, Länder und Kommunen durch die umfassenden
Investitionsprogramme und Steuersenkungen deutlich.
Es liegt jetzt an uns allen, dass
wir die Mittel der Konjunkturpakete, der EU, der sonstigen Bundesmittel und
natürlich auch der eigenen Landesmittel sinnvoll und zügig umzusetzen. Jetzt
weniger darüber reden, was man noch alles brauche würde, sondern das ausgaben,
was der öffentliche Haushalt alles möglich macht. Hier müssen wir gerade in
diesem und im nächsten Jahr das Tempo deutlich erhöhen.
Ich danke Ihnen für die
Aufmerksamkeit und wünsche uns allen produktive Ausschussberatungen.
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