Sachsen-Anhalt will
Konjunkturpaket schnell umsetzen/
Ministerpräsident Böhmer: ?Keine bürokratischen Flaschenhälse"
21.01.2009, Magdeburg – 29
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 029/09
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 029/09
Magdeburg, den 21. Januar 2009
Sachsen-Anhalt will
Konjunkturpaket schnell umsetzen/
Ministerpräsident Böhmer: ¿Keine bürokratischen Flaschenhälse"
Ministerpräsident
Prof. Dr. Wolfgang Böhmer hat heute beim traditionellen Neujahrsbrunch der
Landesregierung für die Presse, der dieses Mal in der Schuberth GmbH in
Magdeburg-Rothensee stattfand, die wesentlichen Vorhaben der Landesregierung
skizziert. Die größte Herausforderung bestehe in der Bewältigung der
Finanzmarktkrise , die viele Unwägbarkeiten berge. Verlässliche Prognosen
hinsichtlich der Entwicklung der Steuereinnahmen oder eines möglichen
Nachtragshaushaltes könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös gestellt werden.
Böhmer
informierte darüber, dass sich das Nachfrageverhalten von Unternehmen nach
Fördermöglichkeiten bislang nicht wesentlich geändert habe. Das Land sei aber
mit allen angebotenen Instrumenten wie den Darlehens-, Bürgschafts- und
Beteiligungsprogrammen darauf vorbereitet. Er sicherte auch zu, dass bei der
Umsetzung des Konjunkturpakets II der großzügigere Ausschreibungsrahmen genutzt
werde. Böhmer: ¿Das Konjunkturpaket macht nur Sinn, wenn wir es schnell
umsetzen. Es darf keine bürokratischen Flaschenhälse geben.¿
Kommunalpolitisch
stünden mit dem Ende der freiwilligen Phase der kommunalen Neugliederung ,
der Novellierung des kommunalen Finanzausgleichsgesetzes und der
Umsetzung der abgespeckten Funktionalreform wichtige Entscheidungen an.
Bereits heute sei erkennbar, dass sich bis zum Ende der freiwilligen Phase Ende
Juni 2009 mehr als die Hälfte der Gemeinden leitbildgerechte Strukturen geben
würden. Vor einer abschließenden gesetzlichen Regelung würde die Entscheidung
des Landesverfassungsgerichtes in dieser Angelegenheit abgewartet werden.
Böhmer
kündigte auch an, Sachsen-Anhalt mit einer Breitband-Offensive vor allem
im ländlichen Raum und dem Ausbau von Verwaltung online moderner zu
machen. Ziel sei sowohl der Abbau bürokratischer Hindernisse wie auch die
grundlegende Modernisierung der öffentlichen Verwaltung.
Als
¿Dauerthemen¿ blieben auch in diesem Jahr die Föderalismuskommission II ,
die sich Anfang Februar zu einer abschließenden Klausurtagung treffen werde,
sowie die Entwicklung von Strategien zur Bewältigung des demografischen
Wandels .
Eines
der größten Probleme bei der demografischen Entwicklung sei der vorhersehbare Mangel
an guten Fachkräften . Deshalb müsse es Ziel der Arbeitsmarktpolitik sein,
wenigstens die jüngeren Arbeitslosen so gut zu ertüchtigen, dass sie einen
Platz in der modernen Arbeitswelt fänden. Dies solle mit dem neuen
Förderprogramm ¿Stabil¿ versucht werden, das spezielle Bildungswege für
lernschwache, aber praktisch talentierte Schülerinnen und Schüler anbietet.
Mit
vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen werde die Landesregierung den 20.
Jahrestag des Mauerfalls begleiten. Böhmer: ¿Wir werden das Jubiläum auch
nutzen, um gegen DDR-Verklärung vorzugehen Der Blick zurück soll das
Verständnis für die Demokratie als Staatsform gerade bei der jungen Generation
fördern.¿
Die
wichtigsten politischen Vorhaben der Ministerien sind:
Ministerium der Finanzen:
Bewältigung der Finanzmarktkrise : Es wird in den kommenden Monaten
darum gehen, die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Land zu mindern. Diese Auswirkungen
sind derzeit noch nicht genau abzusehen. Das Konjunkturpaket II muss so
ausgesteuert werden, dass möglichst nachhaltige Effekte in den Bereichen
Bildung und kommunale Infrastruktur erzielt werden. Wir wollen Strohfeuer
¿vermeiden¿ und eine Lösung für die Eigenbeteiligung der Kommunen finden, die
Schwierigkeiten haben, diese Eigenbeteiligung aufzubringen.
¿Schutzschirm¿ Nord/LB: Nachdem die EU-Behörden in Brüssel ihre Zustimmung
gegeben haben, wird die Landesregierung das entsprechende Gesetz in den Landtag
einbringen und geht dabei von der Zustimmung aus allen Fraktionen aus.
Haushaltsaufstellung: Ob es im Zusammenhang mit dem Konjunkturpaket II der
Aufstellung eines Nachtragshaushaltes bedarf, ist noch offen und abhängig von
der weiteren wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung. Gleichzeitig
beginnt das Aufstellungsverfahren für den kommenden Doppelhaushalt 2010/2011.
Dabei soll an der bislang erfolgreichen Strategie der Konsolidierung, der
Investitionen und der Vorsorge auch unter möglicherweise veränderten
Rahmenbedingungen festgehalten werden.
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit
Konjunkturmanagement : Schnelle und wirksame Hilfestellung für Firmen des
Landes, die von den Folgen der konjunkturellen Abschwächung betroffen sind.
Fachkräftesicherung: Unterstützung bei der Qualifizierung von Fachkräften,
bei der Sicherung des derzeitigen Stammpersonals und bei der Gewinnung neuer
Fachkräfte vorrangig aus Absolventen unserer Hochschulen und Pendlern in andere
Bundesländer.
Investitionsoffensive: Für 2009 liegen bereits rund 300 Anträge für weitere
Unternehmensansiedlungen und ¿erweiterungen mit einem Gesamtvolumen von 5
Milliarden Euro vor.
Ausbau weiterer Gewerbegebiete für großflächige Ansiedlungen.
Innovationsschub: Erheblicher Ausbau der Forschungskapazitäten vorrangig in
den Bereichen Solarindustrie, Automotive und Chemie sowie Ausbau des
Breitband-Internetnetzes für Wirtschaftsstandorte.
Ministerium der Justiz
Neuordnung der Justizlandschaft: Im Mai eröffnet die neue
Justizvollzugsanstalt in Burg. Die bestehenden Justizvollzugsanstalten erhalten
zum Teil neue Zuständigkeiten.
Modellprojekt für jugendliche Haftentlassene: Ihnen soll damit geholfen
werden, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Vereinfachung des Vereinsrechts: Dafür setzt sich Sachsen-Anhalt auf
Bundesebene ein. Ziel ist, die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement
in Vereinen zu verbessern.
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus: Mit der Wanderausstellung ¿Justiz
im Nationalsozialismus: Über Verbrechen im Namen des deutschen Volkes¿ und
einem Schülerwettbewerb soll die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus
befördert werden.
Kultusministerium
Reformierter Lehrplan für Sekundarschulen: Im Schuljahr 2009/10 werden die Lehrer
auf den reformierten Lehrplan an den Sekundarschulen, der 2010/11 eingeführt
wird, vorbereitet. Sie werden qualifiziert und erhalten entsprechende
Unterrichtsmaterialien.
Ausbau der regionalen Förderzentren: Dieser soll bis Ende des Jahres abgeschlossen
sein. Es wird dann in Sachsen-Anhalt 40 Zentren geben, die durch ihre Arbeit
mit Kooperationsklassen wohnortnahe präventive und sonderpädagogische
Förderangebote gewährleisten und in denen der integrative Unterricht ausgebaut
wird.
Novellierung des Hochschulgesetzes: Ziel ist die Fixierung eines modernen
Kooperationsverhältnisses zwischen Hochschule und Staat.
Start der Qualitätsagentur in Halle: Schwerpunktaufgabe ist
die Entwicklung eines auf wissenschaftliche Methoden gestützten Qualitätsmanagements
für die Schulen.
Ministerium des Innern
Gemeindegebietsreform: In der freiwilligen Phase der Gemeindegebietsreform bis zum 30. Juni
2009 wird sich ein großer Teil der Städte und Gemeinden zu Einheits- und
Verbandsgemeinden zusammenschließen. Bis jetzt haben in 660 Gemeinden
Bürgeranhörungen oder -entscheide stattgefunden, davon 573 positiv. Die
Landesregierung begleitet den Prozess durch zügige Genehmigungen und durch
Anschubfinanzierungen.
Nach dem Ende der
freiwilligen Phase wird unverzüglich das Gesetzgebungsverfahren zur Zuordnung
der verbliebenen Gemeinden und zur Gründung von Einheitsgemeinden eingeleitet.
N ovellierung des Finanzausgleichsgesetzes: Damit sollen die Zuweisungen an
die Kommunen auf eine aufgabenbezogene Finanzausstattung umgestellt werden.
Verbot der rechtsextremen NPD: Die Landesregierung wird dieses
Ziel entschieden weiter verfolgen.
Ministerium für Gesundheit und Soziales
Frühe Hilfen für Familien stärken: Nach den Familienhebammen sollen
nunmehr landesweit Familienpaten zum Einsatz kommen. Wegen des großen
Interesses ist die Teilnehmerzahl an einem ersten Ausbildungskurs bereits von
16 auf 20 erhöht worden. Zudem sollen zehn weitere Familienhebammen ausgebildet
werden.
Frühkindliche Bildung ausbauen: Das neue Programm zur Sprachstandsfeststellung für alle
Kinder im Alter von etwa fünf Jahren und sich gegebenenfalls anschließender
Sprachförderung startet im Sommer.
Schulerfolg sichern: Das von Kultus- und Sozialministerium gemeinsam
aufgelegte 59-Millionen-Euro-Programm zur Vermeidung von Schulversagen und zur
Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs geht im Februar in die Realisierung. Über
Projekte der Schulsozialarbeit sollen etwa 48.000 Schülerinnen und Schüler pro
Jahr erreicht werden.
Medizinische Versorgung zukunftssicher machen: Sachsen-Anhalt will mehr Anreize
für Studentinnen und Studenten der Medizin schaffen, sich im Land
niederzulassen. Ein entsprechendes Modell soll 2009 fertig gestellt sein.
Zugleich entwickelt dass Land gemeinsam mit Krankenkassen und Ärzteschaft neue
Projekte zur Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.
Novellierung des Maßregelvollzugsgesetzes: Ziel ist u. a. das Verbot der
Nutzung von privaten DVD und sonstigen Speichermedien in den Patientenzimmern.
Damit soll einem Missbrauch der Riegel vorgeschoben werden.
Überarbeitung des Nichtraucherschutzgesetzes: Es sollen vor allem Regelungen für Mehrraumgaststätten
und Einraum-Eckkneipen in Einklang gebracht werden. Das neue Gesetz muss laut
Landesverfassungsgericht bis Ende 2009 verabschiedet sein.
Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes: Behinderte Menschen sollen bessere
Möglichkeiten für ein selbst bestimmtes Leben erhalten, insbesondere durch die
Herstellung von Barrierefreiheit. Zudem werden ambulante Unterstützungsangebote
gestärkt.
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt
Abschluss der Verhandlungen mit dem Bund zur Übernahme der Flächen des
nationalen Naturerbes sowie des Grünen Bandes.
Neues Klimaschutzprogramm und Vulnerabilitätsstudie: Beide Ausarbeitungen sollen die
Fragen beantworten, wie der Klimawandel die verschiedenen Regionen des Landes trifft
und welche Anpassungsstrategien vonnöten sind.
Schutz der biologischen Vielfalt: Erarbeitung einer Strategie des Landes
zum Schutz der biologischen Vielfalt.
Neuverteilung der ¿Modulationsmittel¿: Begleitung der Landwirtschaft in
der Umsetzung des sogenannten EU-Gesundheitschecks, vor allem beim
Milchquotenausstieg.
Konzept zum verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource
Boden im
Spannungsfeld von landwirtschaftlicher und industrieller Nutzung.
Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr
Ausbau der Hochschullandschaft: Rund 70 Millionen Euro werden in
Baumaßnahmen auf diesem Sektor investiert. Zu den wichtigsten Projekten gehören
die Errichtung des Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Zentrums der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie der Neubau für den Fachbereich
Verfahrens- und Systemtechnik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Erneuerung des Landesstraßennetzes:
In den
zurückliegenden Jahren wurden in Sachsen-Anhalt durchschnittlich rund 70
Kilometer Landesstraße pro Jahr ausgebaut oder erneuert. Gegenwärtig ist von
dem rund 3.900 Kilometer umfassenden Landesstraßennetz mehr als die Hälfte
saniert. Allein im vorigen Jahr sind dafür rund 58 Millionen Euro aufgewendet
worden.
Förderung des öffentlichen
Nahverkehrs: Diese
soll kontinuierlich fortgeführt werden. Ein Schwerpunkt ist die Umsetzung des
sogenannten Schnittstellenprogramms, für das im vorigen Jahr mehr als sechs
Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden sind. Damit wurden u. a. Maßnahmen
im Bahnhofsumfeld in Wernigerode, Burgkemnitz, Leißling und Nachterstedt
realisiert. In diesem Jahr soll die Instandsetzung von Empfangsgebäuden in
Ilsenburg und Burgkemnitz abgeschlossen und in Thale mit der Sanierung begonnen
werden.
Staatskanzlei
Sensibilisierung der Bürgerinnen
und Bürger für europapolitische Themen, um eine hohe Wahlbeteiligung bei der Europawahl
zu erreichen; u. a. Durchführung der ¿Europawoche¿.
Vermarktung Sachsen-Anhalts als Filmstandort
und Schaffung eines Darlehensprogramms für die Filmwirtschaft.
Durchführung eines Breitbandgipfels.
Verabschiedung des 12. und
Beratung des 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrages incl. Beratung über
eine Gebührenreform.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes
Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail:
staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
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