Skinheadkonzert am 01.11.08 in
Harbke unter Beteiligung von ca. 400 Rechtsextremisten aus allen Bundesländern
und dem Ausland
05.11.2008, Magdeburg – 89
- Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord
Polizeidirektion Nord - Pressemitteilung Nr.: 089/08
Polizeidirektion Nord -
Pressemitteilung Nr.: 089/08
Magdeburg, den 5. November 2008
Skinheadkonzert am 01.11.08 in
Harbke unter Beteiligung von ca. 400 Rechtsextremisten aus allen Bundesländern
und dem Ausland
Mit
einem Skinheadkonzert, veranstaltet durch einen Neonazi aus Sachsen-Anhalt, sah
sich die Polizei am 01.11.08 in Harbke konfrontiert. Wie sich später
herausstellte, war die Veranstaltung ursprünglich im Raum Hannover/
Braunschweig geplant. Jedoch mussten sich die Veranstalter nach einem neuen
Objekt umschauen, als ein bereits abgeschlossener Mietvertrag zurückgezogen
wurde.
Erstmalig
wurde die Polizei am 01.11.08 gegen 18:20 Uhr auf den möglichen
Veranstaltungsort in Harbke aufmerksam gemacht. Bereits bei der Überprüfung,
ca. 30 Minuten später, stellten Polizeibeamte an dem ehemaligen Objekt der
Grenztruppen in Harbke ca. 30 Fahrzeuge vor Ort fest. Das Konzert war
konspirativ vorbereitet worden. Auch das Objekt erwies sich angesichts einer
hohen Mauer mit massivem Eisentor für derartige illegale Zwecke als äußerst
günstig. Bevor die Polizei sich angemessen verstärken konnte, hatten ca. 380
Personen Einlass erhalten und etliche szenetypische Musikbands hatten mit dem
Konzert bereits begonnen. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass Angehörige von
Bands aus Italien, Belgien und Deutschland vor Ort waren.
Dem
Veranstalter, Neonazi und wohnhaft im Landkreis Harz, war es gelungen für
dieses Objekt an diesem Abend einen Mietvertrag vom Eigentümer zu erhalten. Die
Eignung des Geländes unter versammlungsrechtlichen Aspekten bedarf noch der
näheren Prüfung durch den Landkreis.
Die
Gefährderansprache der Polizei gegen ca. 22:15 Uhr wurde zunächst mit
unkooperativem Verhalten bedacht. Weder wurden Auskünfte erteilt, noch lies der
Veranstalter eine Nachschau zu. Polizeiliche Feststellungen im Hinblick auf das
Zeigen extremistischer Symbole oder das Abspielen indizierten Liedguts wurden
nicht getroffen. Mit den sukzessive aufwachsenden Polizeikräften, unterstützt
durch eine Einsatzhundertschaft aus Niedersachsen, wurde der weitere Zulauf zur
Veranstaltung unterbunden, Platzverweise ausgesprochen und das in unmittelbarer
Nähe gelegene Asylbewerberheim, das gegenwärtig ca. 150 ausländische Mitbürger
beherbergt, geschützt.
Noch
vor Mitternacht wurde dem Veranstalter die Beendigung des Skinheadkonzerts
aufgegeben und bei Nichtbefolgen die Auflösung angedroht. Daraufhin begab sich
die Mehrheit der Anwesenden zu ihren Fahrzeugen und verließen Harbke. Wie von
der Polizei in Helmstadt zu erfahren war, hatte die dortige Polizei mit vom
Konzert abgewiesenen Rechtsradikalen erhebliche Probleme in einer Gaststätte.
Einer 30-köpfigen Gruppe werden Nötigung, Beleidigung und rechtsradikale
Parolen und Lieder zu Last gelegt.
Alle
festgestellten 382 Konzertbesucher wurden im Rahmen der Maßnahmen mit
Identitätsfeststellungen belegt. Außerdem wurden 31 Platzverweise
ausgesprochen. Personen- und Sachschäden sind nicht zur Kenntnis gelangt.
Dazu äußert sich Johann Lottmann, Präsident der Polizeidirektion
Sachsen-Anhalt Nord, wie folgt:
¿Die
Durchführung des Konzertes konnte nur unter höchst konspirativem Vorgehen der
Organisatoren erfolgen und folgt Beispielen aus der Vergangenheit.
Grundsätzlich ist es das Ziel der Polizei und der Sicherheitsbehörden, derartige
Zusammenkünfte möglichst von vornherein zu verhindern und zu untersagen. Das
war hier angesichts der zeitlichen und örtlichen Rahmenbedingungen nicht
möglich. Die erzielten Teilerfolge, die in der Behinderung der
Konzertdurchführung, der Aufdeckung der Identitäten und der teilweisen
Abweisung von Interessenten bestanden, befriedigen mich nicht gänzlich. Ich bin
allerdings darüber erfreut, dass für den Schutz der ausländischen Mitbürger im
Asylbewerberheim ausreichend Sorge getragen worden ist.¿
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