Mehr als 200 Teilnehmer auf
Fachkräftekonferenz in Magdeburg
Strategie gegen Fachkräftemangel: Qualifizierung, Bildungsoffensive und
Familienfreundlichkeit
08.10.2008, Magdeburg – 213
- Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 213/08
Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 213/08
Magdeburg, den 1. Oktober 2008
Mehr als 200 Teilnehmer auf
Fachkräftekonferenz in Magdeburg
Strategie gegen Fachkräftemangel: Qualifizierung, Bildungsoffensive und
Familienfreundlichkeit
Über den künftigen Fachkräftebedarf in
Sachsen-Anhalt berieten heute mehr als 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft
und Wissenschaft auf der diesjährigen Konferenz des Forums für Wirtschaft und
Arbeit des Landes. Hintergrund sind unter anderem Umfragen der Industrie- und
Handelskammern, wonach Unternehmen hierzulande für die kommende Jahre einen
Mangel an Hochqualifizierten erwarten ¿ und dies insbesondere in den
technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Wirtschaftsminister Dr. Reiner
Haseloff appellierte in seiner Eröffnungsrede an Unternehmen, Politik und
Wissenschaft: ¿Alle müssen an einem Strang ziehen, damit der künftige
Wettbewerb um die Köpfe nicht zum Wachstumshemmnis für unser Land wird.¿ Vor
allem müsse das hohe Ausmaß der Abwanderung in Sachsen-Anhalt reduziert werden.
¿Die Landesregierung sieht darin eine der wichtigsten Herausforderungen der
kommenden Jahre¿, sagte Haseloff.
Neben Unternehmen und Politik sieht auch die
Wissenschaft drohenden Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt. Zu diesem Ergebnis
kamen in ihren Vorträgen der Präsident des Institutes für Wirtschaftsforschung
(IWH) Halle, Prof. Dr. Ulrich Blum, sowie der Vizedirektor des Institutes für
Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), Dr. Ulrich
Walwei. Blum sieht im erwarteten Fachkräftemangel ein gesamtdeutsches Problem,
welches vor allem im Geburtendefizit begründet liegt. Da zu wenig junge Leute
nachwachsen, sei es wahrscheinlich, dass eine Regulierung des Fachkräftemangels
nur über die Löhne auf nachhaltige Engpässe stoße. Lösungsmöglichkeiten sieht
Blum vor allem darin, mehr Frauen in Arbeit zu bringen sowie die Zahl der
Menschen ohne adäquate Ausbildung zu verringern. Laut Walwei spricht vieles
dafür, dass der Fachkräftemangel in bestimmten Teilarbeitsmärkten und Regionen langfristig
zu einem immer größeren Problem wird. Mögliche Gegenmaßnahmen seien eine
zukunftsgerichtete Personalpolitik der Unternehmen, eine breit angelegte
Bildungsoffensive sowie die stärkere Erschließung vorhandener Personalreserven.
Minister Haseloff schätzte ein, dass Sachsen-Anhalt
trotz der anhaltend hohen Abwanderung bei der schnellen Verfügbarkeit geeigneter
Fachkräfte deutlich bessere Bedingungen habe als viele andere Länder. ¿Das
relativ günstige Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen sowie die
unterdurchschnittlichen Vakanzzeiten offener Stellen sprechen für uns¿, betonte
der Minister. Zudem seien unter den Arbeitslosen sehr viele gut ausgebildete
Fachkräfte, die entweder direkt oder über eine am Bedarf der Unternehmen ausgerichtete
Anpassungsqualifizierung vermittelt werden können. ¿Dieses Potenzial muss
künftig aber noch besser ausgeschöpft werden.¿
Weitere Ansatzpunkte zur Entschärfung des
erwarteten Fachkräftemangels sieht Haseloff in der gezielten Aus- und
Weiterbildung und dem frühzeitigen Binden von angehenden Fachkräften an hiesige
Unternehmen ¿ etwa durch Stipendien oder die Einrichtung weiterer dualer
Studiengänge. ¿Auch die zahlreichen Fernpendler sind ein Potential, das wir
erschließen wollen. Als ersten Schritt haben wir im April gemeinsam mit der Arbeitsagentur
das Fachkräfteportal PFIFF gestartet¿, sagte der Minister. Doch um Pendler
tatsächlich zurück nach Sachsen-Anhalt zu locken, müssten einheimische Unternehmen
tätig werden und attraktive Arbeitsplätze anbieten. Haseloff: ¿Arbeitszeiten,
Beschäftigungssicherheit und Aufstiegschancen sowie die Nähe zu Familie und
Freunden können dabei eventuelle Lohnunterschiede aufwiegen. Es reicht aber nicht
aus, allein auf die Kosten fürs Pendeln abzustellen.¿
Auch gesteuerte Zuwanderung kann den
prognostizierten Mangel an Hochqualifizierten verringern. ¿Dabei müssen
eventuelle Ängste abgebaut werden. Den Menschen muss klar gemacht werden, dass
durch eine restriktive Zuwanderungspolitik Wachstumspotenziale nicht nur für
einzelne Unternehmen, sondern für die Gesamtwirtschaft verschenkt werden¿,
sagte Haseloff. Daneben sind auch die Fachkräfte von morgen gefragt. ¿Die
Unternehmen beklagen sich immer häufiger über mangelnde Ausbildungsreife der
Jugendlichen. Entsprechende Umfrageergebnisse darf man zwar nicht überbewerten,
aber auch nicht außer acht lassen. Vor allem Familie und Schule sind hier
gefordert.¿
Verbesserungsbedarf gebe es auch in der Wirtschaft.
¿Aufgrund der demografischen Entwicklung werden sich weit mehr Unternehmen als
heutzutage mit Strategien zur Personalgewinnung und Personalentwicklung
befassen. ¿Im Mittelpunkt steht dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
durch eine lebensphasenorientierte Unternehmens- und Personalpolitik mit
flexiblen Arbeitszeiten und entsprechender Arbeitsplatzgestaltung¿, betonte der
Wirtschaftsminister.
Anregungen zu den Themen Berufsausbildung sowie
Personalgewinnung und Personalentwicklung erhielten die mehr als 200
Konferenzteilnehmer in zwei Workshops, in welchen Vertreter aus Politik, Unternehmen
und Arbeitsagentur ihre Erfahrungen weitergaben. Über die vorgestellten Ansätze
zur Entschärfung der Fachkräftesituation diskutierte Wirtschaftsminister
Haseloff im Anschluss mit DGB-Landeschef Udo Gebhardt, mit dem Hauptgeschäftsführer
der IHK Halle-Dessau, Prof. Dr. Peter Heimann, dem Präsidenten der
Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, dem Präsidenten des Dachverbandes der
Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt e.V., Klemens Gutmann,
sowie mit Lutz Mania, Mitglied der Geschäftsleitung der Regionaldirektion
Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit.
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