LKA-Direktor Jürgen Schmökel:
"Wirtschaftskriminalität verursachte in Sachsen-Anhalt über 83 Millionen
Euro Schaden"
12.09.2008, Magdeburg – 8
- Landeskriminalamt
Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt - Pressemitteilung Nr.: 008/08
Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt -
Pressemitteilung Nr.: 008/08
Magdeburg, den 12. September 2008
LKA-Direktor Jürgen Schmökel:
"Wirtschaftskriminalität verursachte in Sachsen-Anhalt über 83 Millionen
Euro Schaden"
Aufklärungsquote von nahezu 100 Prozent
Dunkelfeld spielt nicht zu unterschätzende Rolle
Unter den Begriff ¿Wirtschaftskriminalität¿ fällt eine Vielzahl von Delikten. Ihnen
allen ist gemeinsam, dass es sich im Kern um Bereicherungskriminalität handelt,
die im Zusammenhang mit der (tatsächlichen oder auch nur vorgetäuschten)
Erzeugung, Herstellung und Verteilung von Gütern oder der Erbringung und Entgegennahme von Leistungen des wirtschaftlichen Bedarfs
verübt wird.
Auch für Sachsen-Anhalt stellt
Wirtschaftskriminalität ein ernstes Problem dar. ¿Schon im zweiten Jahr in
Folge ist in unserem Bundesland ein überproportionales Wachstum der Vorgangszahlen
in diesem Kriminalitätsbereich zu verzeichnen. Die Fallzahlen in diesem
Deliktsbereich sind im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 34,3%
angestiegen (2006: 2.590 Delikte)¿, so der Direktor des Landeskriminalamtes,
Jürgen Schmökel. Zwar seien von den 216.704 erfassten Gesamtstraftaten, die im
Jahr 2007 in Sachsen-Anhalt verübt worden sind (2006: 215.730 Straftaten) nur
3.479 Delikte, d. h. 1,6 %, auf diesen Bereich entfallen, aber die
Wirtschaftskriminalität ist von allen Deliktsarten der Bereich, der die
höchsten Vermögensschäden verursacht.
So entfielen von der
Gesamtschadenssumme von rund 193 Millionen Euro (193.487.131 ¿), die in
Sachsen-Anhalt im Jahre 2007 auf Kriminalität zurückzuführen waren, mehr als 83
Millionen Euro (83.194.816 ¿) auf den Bereich der Wirtschaftskriminalität.
Schmökel: ¿Der durch Wirtschaftskriminalität verursachte Schaden erhöhte sich
damit gegenüber dem Vorjahr um fast 20 Millionen Euro (2006: 63.225.852 ¿). Das
bedeutet, mehr als 40% aller in Sachsen-Anhalt durch Kriminalität verursachten
Vermögensschäden resultieren aus Wirtschaftskriminalität.¿
Die wirkliche Schadenshöhe, die durch
Delikte im Bereich der Wirtschaftskriminalität verursacht wurde, sei allerdings
noch viel höher, als dies die polizeilichen Zahlen belegen, so der Direktor des
Landeskriminalamtes weiter. Bei den Angaben der Polizeilichen
Kriminalitätsstatistik fehlten beispielsweise jene Fälle, die von den für
Wirtschaftskriminalität zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaften unmittelbar
und ohne Beteiligung der Polizei bearbeitet werden. Dazu gehören in erster
Linie Insolvenzstraftaten. Auch die von Zoll- und Finanzbehörden bearbeiteten
Fiskaldelikte werden in eigenen Statistiken des Bundesministeriums der Finanzen
geführt und bleiben damit bei den Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik
für das Land Sachsen-Anhalt außer Betracht.
Der Direktor des Landeskriminalamtes,
Jürgen Schmökel, betonte zudem, dass auch das so genannte Dunkelfeld eine nicht
zu unterschätzende Rolle spiele: ¿Es gibt neben den offiziell registrierten
polizeilichen Fällen noch eine erhebliche Anzahl von strafrechtlich relevanten
Sachverhalten, die nicht bei den Sicherheitsbehörden angezeigt werden. Manche
Opfer, etwa Firmenverantwortliche, scheuen sich davor, Anzeige zu erstatten,
weil sie Reputationseinbußen für ihr Unternehmen befürchten. Auch die Verfasser
einzelner Studien und Untersuchungen sind zum Ergebnis gekommen, dass bei der
Wirtschaftskriminalität in der Bundesrepublik Deutschland ein Dunkelfeld von
etwa 80% besteht.¿
Erfreulich sei, dass sich die
Aufklärungsquote auch im Jahr 2007 wiederum auf sehr hohem Niveau bewege, sie
betrug nämlich 99,3% (2006: 99,1%). Die Anzahl der Tatverdächtigen (TV) sei
trotz eines Anstiegs der Straftaten zurückgegangen (2006: 1.135, 2007: 1.119
TV), das bedeute, dass die Anzahl der Mehrfachtäter zugenommen hat.
Schmökel: ¿Wie bereits in den
vorangegangenen Jahren wurde die Wirtschaftskriminalität auch in 2007 durch
zwei Deliktsbereiche im besonderen Maße bestimmt, und zwar bei Betrug und bei
Insolvenzen. Die im Zusammenhang mit der Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung
oder drohenden Zahlungsunfähigkeit begangenen Straftaten (Insolvenzstraftaten)
stellen Polizei und Staatsanwaltschaft vor besondere Herausforderungen und
gehören zu den schwierigsten und wohl zeitintensivsten Aufgaben der
Strafverfolgung. Erfreulicherweise sind die durch Insolvenzdelikte verursachten
Schäden in 2007 um mehr als ein Viertel auf nunmehr 29.034.493 ¿ gesunken, 2006
waren es noch 40.265.107 ¿. Insolvenzdelikte verursachen damit aber immer noch
fast 35% des Gesamtschadens der polizeilich registrierten
Wirtschaftskriminalität in Sachen-Anhalt.¿
Gleichzeitig habe die Summe aller
durch die Polizei in 2007 bearbeiteten Insolvenzdelikte jedoch nur unmerklich
abgenommen (von 287 auf 283). Die im letzten Jahr bearbeiteten Vorgänge
betreffen in erster Linie kleine und mittlere Betriebe. Aus welcher Motivlage
heraus die Täter ihre Taten begangen haben, könne nur vermutet werden.
Überwiegend seien es Einzeltäter, die glauben, so das angeschlagene Unternehmen
retten zu können. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spiele dabei auch die
schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden, die ein Unternehmen schnell in
Schwierigkeiten bringen kann.
¿Besonderen Anlass zur Besorgnis gibt
die Entwicklung bei den Betrugshandlungen mit wirtschaftskriminellen
Hintergrund¿, so der LKA-Direktor. ¿Sowohl die Fallzahlen (2007: 2.584; 2006:
1.400) als auch die durch diese Delikte verursachten Schäden (2007: 27.015.690
¿; 2006: 13.643.736 ¿) haben sich fast verdoppelt. Der Betrugsbereich stellt
damit bei der Wirtschaftskriminalität den schadensträchtigsten Sektor nach der
Insolvenzkriminalität dar. Vor allem der Waren- bzw. Warenkreditbetrug mit dem
Tatwerkzeug Internet steigt weiter beständig an.¿ Auch Betrügereien und
Untreuehandlungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen haben zugenommen. Hier war
2007 ein Vermögensschaden von 8.955.091 ¿ zu verzeichnen.
Der Direktor des Landeskriminalamtes
betonte, dass Wirtschaftskriminalität ein Schwerpunkt polizeilicher Arbeit
bleibe. Es sei auch eine intensive Aus- und Fortbildung in diesem Bereich
notwendig. Langfristig mache sich der Einsatz von Wirtschaftskriminalisten für
unsere Gesellschaft mehr als bezahlt.
Wirtschaftskriminalität ließe sich in
vielen Fällen verhindern, wenn die potentiellen Opfer über ihr risikobehaftetes
Verhalten aufgeklärt würden. Schmökel: ¿Chancen für die Prävention liegen in
einer Intensivierung der Aufklärung der Bevölkerung, auch durch die Verbände
der Wirtschaft und gemeinnützige Organisationen sowie durch eine intensive
Kooperation mit der Wirtschaft im Bereich der technischen Prävention.¿ Die
wirksamste Prävention bleibe jedoch, so Jürgen Schmökel weiter, eine Erhöhung
des Entdeckungsrisikos, verbunden mit der konsequenten Einziehung krimineller
Gewinne und einer tatnahen Bestrafung der Täter. Die Polizei unseres Landes
arbeite zielstrebig und erfolgreich daran, dieses Vorhaben zu erreichen und sei
bei der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität auf dem richtigen Weg.
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