Landtagsdebatte zur Statistik der politisch
motivierten Kriminalität / Landesregierung hat unverzüglich und konsequent
gehandelt
14.12.2007, Magdeburg – 390
- Ministerium für Inneres und Sport
Ministerium des Innern - Pressemitteilung Nr.: 390/07
Ministerium des Innern -
Pressemitteilung Nr.: 390/07
Magdeburg, den 14. Dezember 2007
Landtagsdebatte zur Statistik der politisch
motivierten Kriminalität / Landesregierung hat unverzüglich und konsequent
gehandelt
Sperrfrist: Beginn der Rede
Es gilt das gesprochene Wort.
In der Debatte zur Kriminalstatistik bei rechtsextrem motivierten Straftaten
erklärt Finanzminister Jens Bullerjahn
in Vertretung des erkrankten Innenministers Holger
Hövelmann (beide SPD) am heutigen Freitag im Landtag:
¿Erlauben Sie mir zunächst eine
kurze Vorbemerkung: Das Thema Rechtsextremismus geht uns alle an. Es hat nichts
von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil: Noch immer werden wir nahezu
täglich mit Meldungen über rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten, über
Treffen rechtsextremistischer Parteien, über einschlägige Konzerte und ähnliche
Ereignisse konfrontiert. Vom Rechtsextremismus geht heutzutage um so mehr eine
Gefahr aus, denn die derzeitige Strategie der Rechtsextremen zielt darauf ab,
vorhandene Ängste und Probleme der Bevölkerung aufzunehmen und in ihrem Sinne
zu verwenden. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts sah und sieht deshalb einen
Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Bekämpfung des Rechtsextremismus.
Eine Vielzahl von Aktivitäten
sind vor diesem Hintergrund von der Landesregierung initiiert worden. Hinweisen
möchte ich insbesondere auf das Aktionsprogramm gegen Rechtsextremismus und
die Kampagne ,Hingucken!`, die Teil einer gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung
für ein demokratisches und weltoffenes Sachsen-Anhalt sind. Erforderlich sind
langfristige, möglichst aufklärende, gesamtgesellschaftliche Maßnahmen, die
frühzeitig ansetzen, um das Phänomen Rechtsextremismus zurückzudrängen.
Nun zum eigentlichen Kern
dieses Tagesordnungspunktes, der Zuordnung von bereits erfassten Straftaten der
politisch motivierten Kriminalität. Zum besseren Verständnis möchte ich
zunächst einige Erläuterungen zum Erfassungssystem für Straftaten der politisch
motivierten Kriminalität, zur sogenannten Staatsschutzstatistik geben. Es
handelt sich bei dieser Statistik um eine sogenannte Eingangsstatistik. Im
Gegensatz zur Ausgangsstatistik, wie z.B. bei der allgemeinen Polizeilichen
Kriminalstatistik (PKS), werden Fälle nicht mit Abschluss des
Ermittlungsverfahrens erfasst, sondern werden
bereits mit Bekanntwerden der Straftat registriert.
Eventuell neue Erkenntnisse im
Rahmen der Ermittlungen sind nachzumelden und können auch zu einer anderen
Einstufung des Falles führen.
Eine endgültige abschließende
Bewertung und Erfassung der Delikte bei der politisch motivierten Kriminalität
erfolgt nach Abstimmung des Landeskriminalamtes mit dem Bundeskriminalamt immer
jeweils bis zum 31. Januar des auf die Erfassung folgenden Jahres. Dabei
handelt es sich um einen bundesweiten Meldeschluss. Die in der
Staatsschutzstatistik während des Jahres bekannt gegebenen Zahlen sind deshalb
nur vorläufig. Darauf ist auch bei der Vorstellung der Halbjahresstatistik 2007
ausdrücklich hingewiesen worden.
Das Innenministerium hat mit
Vorlage der Augustzahlen festgestellt, dass in den vorläufigen Erhebungen zur
Staatsschutzstatistik der Rückgang der rechtsextrem motivierten
Propagandadelikte mit einem weit überproportionalen Anstieg der Fälle in der
Kategorie ,Staatsschutzkriminalität ohne explizite politische Motivation`
(kurz: STOEPM) einherging. Abweichend von der bis dahin in Sachsen-Anhalt
geübten Praxis wurden vermehrt Fälle dieser Kategorie zugeordnet, wenn zum
Beispiel keine Anhaltspunkte auf Tatverdächtige vorhanden waren.
Das zuständige Fachressort hat
diese vom Landeskriminalamt initiierte Vorgehensweise korrigiert und veranlasst,
zu der bisherigen Verfahrensweise zurückzukehren. Bestimmte Delikte sind
deshalb rückwirkend, beginnend mit dem 1. Januar 2007, einem anderen
Phänomenbereich, in der Regel dem Bereich ,rechts` zuzuordnen. Diese Korrektur
war erforderlich, um zum Einen eine Vergleichbarkeit der statistischen
Erhebungen mit dem Vorjahr sicherstellen und zum Anderen auch die Dimension
rechtsmotivierter Straftaten so umfassend wie möglich abbilden zu können.
Ferner hat das Ministerium des
Innern festgelegt, dass künftig die Erfassung einer politisch motivierten
Straftat zunächst grundsätzlich in einem der drei sogenannten Phänomenbereiche
,rechts`, ,links` und ,politisch motivierte Ausländerkriminalität` zu erfolgen
hat. Nur wenn im Einzelfall festgestellt werden kann, dass keine politische
Motivation vorliegt, erfolgt der Eintrag im Bereich ,Sonstige bzw. nicht
zuzuordnen`. Hierunter fällt auch die ,Staatsschutzkriminalität ohne explizite
politische Motivation`. Wird bei einer bereits als politisch motiviert
erfassten Straftat im Laufe der Ermittlungen festgestellt, dass entgegen ersten
Erkenntnissen doch keine politische Motivation vorlag, wird der Fall ebenfalls
in dieser Rubrik aufgenommen. Mit dem Landeskriminalamt als inhaltlich
zuständiger Fachbehörde und den ausführenden Polizeidirektionen wurde eine
entsprechende Regelung abgestimmt.
Zu betonen ist, dass vor allem
bei der Verwendung verbotener NS-Symbole wie bisher immer von einer
rechtsextremen politischen Motivation auszugehen ist, wenn keine gegenteiligen
Tatsachen eine andere Tätermotivation belegen.
Die
vorläufigen statistischen Zahlen zur Politisch motivierten Kriminalität aus dem
Bereich der ,Staatsschutzkriminalität ohne explizite politische Motivation`
werden deshalb gegenwärtig intensiv überprüft. Das sind nach gegenwärtigem
Stand fast 300 sogenannte Propagandadelikte. Da die Polizeidienststellen jeden
Verdacht einer Straftat zur Anzeige gebracht haben, wird sich im Ergebnis
der Überprüfung die Gesamtzahl der bisher erfassten Fälle der politisch
motivierten Straftaten nicht ändern, wohl aber die Zuordnung innerhalb der
Phänomenbereiche.
Bei den rechtsmotivierten
Straften werden wir letztendlich eine höhere Anzahl von Delikten zu verzeichnen
haben, als noch im bisherigen Jahresverlauf angenommen. Die Überprüfung durch
das zuständige Fachressort dauert zur Zeit noch an und wird erst mit der
Erstellung der Jahresbilanz 2007 Anfang 2008 abgeschlossen sein.
Ich betone nochmals
ausdrücklich: Zu keiner Zeit sind bei der Polizei registrierte Straftaten der
politisch motivierten Kriminalität ,unter den Tisch gefallen`. Das
Innenministerium hat in dieser Angelegenheit eigenständig, unverzüglich und
konsequent gehandelt. In Stichworten nochmals der zeitliche Ablauf:
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