Dessauer Erklärung ?Den Wettbewerb auf dem
Strommarkt stärken?
Konferenz der Wirtschaftsminister beriet am 7. und 8. Dezember im Bauhaus
Dessau
12.12.2006, Magdeburg – 185
- Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 185/06
Ministerium
für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 185/06
Magdeburg, den 8. Dezember 2006
Dessauer Erklärung ¿Den Wettbewerb auf dem
Strommarkt stärken¿
Konferenz der Wirtschaftsminister beriet am 7. und 8. Dezember im Bauhaus
Dessau
Unter dem Vorsitz des
Wirtschaftsministers von Sachsen-Anhalt, Herrn Dr. Reiner Haseloff, tagte die
Konferenz der Länder-Wirtschaftsminister und -senatoren (WiMiKo) am 7. und 8.
Dezember 2006 im Bauhaus Dessau. Als Vertreter der Bundesregierung nahm Herr
Hartmut Schauerte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie, an den Beratungen teil.
Im Januar 2007 übernimmt der
Freistaat Thüringen für die nächsten zwei Jahre den Vorsitz der WiMiKo. Die
Konferenz wählte Herrn Minister Jürgen Reinholz (Thüringen) einstimmig zu ihrem
Vorsitzenden und Herrn Minister Ulrich Junghans (Brandenburg) zu ihrem
stellvertretenden Vorsitzenden. Die nächste Wirtschaftsministerkonferenz wird
am 4./ 5. Juni 2007 auf der Wartburg in Eisenach stattfinden.
Bestimmendes Thema der WiMiKo in
Dessau war die Energiepolitik mit sieben Tagesordnungspunkten. Das Thema
beherrschte auch das abendliche Kamingespräch, zu dem der Vorstandsvorsitzende
der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Prof. Dr. Utz Claassen, und Dr. Alfred
Richman, Geschäftsführer des VIK, der Interessenvertretung der Energiekunden in
Industrie und Gewerbe, eingeladen worden waren.
Die WiMiKo verabschiedete
einstimmig die Dessauer Erklärung ¿Den Wettbewerb auf dem Strommarkt stärken¿.
Darin heißt es u. a.: ¿Die Wirtschaftsministerkonferenz sieht mit Besorgnis,
dass die Strompreise in Deutschland ¿ auch aufgrund staatlicher Belastungen ¿
inzwischen ein Niveau erreicht haben, das die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland
produzierenden Unternehmen einschränkt und die Kaufkraft der privaten Haushalte
spürbar beeinträchtigt. Dies verringert das Investitionsniveau der Unternehmen
und kann den sich abzeichnenden Konjunkturaufschwung gefährden. Die
internationale Wettbewerbsfähigkeit des Strompreises ist damit zu einem der
wichtigsten Ziele der Wirtschaftspolitik geworden.¿
Der Anstieg der Börsen- und
Großhandelspreise für Strom kann nicht allein durch Kostensteigerungen in der
Energieerzeugung erklärt werden. Die Minister sehen Grund für die Vermutung,
dass überhöhte Großhandelspreise auch eine Folge der hohen Konzentration im
Stromerzeugungsmarkt und daraus resultierender Wettbewerbsbeschränkungen sind.
¿Die Wirtschaftsministerkonferenz hält daher weitere Schritte zur Stärkung von
Wettbewerb und Investitionen im Energiemarkt ¿ auch durch neue Anbieter auf der
Erzeugerseite ¿ für notwendig. Sie unterstützt die Absicht der Bundesregierung,
durch Erlass einer Verordnung zum Netzanschluss von Kraftwerken sicherzustellen,
dass auch neue Anbieter einen fairen Zugang zu den Stromnetzen erhalten. Die Verordnung sollte vorsehen,
dass bei der Standortwahl für neue Kraftwerke auch heutige und zukünftige
Verbraucherschwerpunkte angemessen berücksichtigt werden.¿ Zu prüfen sei, ob
das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen um ein Instrument der
wettbewerbsfördernden Struktureingriffe in horizontaler und vertikaler Richtung
zu erweitern ist. Zu prüfen ist aus Sicht der WiMiKo auch, ob und inwieweit die
umfangreichen Beteiligungen der großen Energiekonzerne an Stadtwerken
wettbewerbsbeschränkend wirken.
Die WiMiKo sieht allerdings die
Gefahr, dass auch nach Erlass einer Netzanschlussverordnung für Kraftwerke
kurz- und mittelfristig erhebliche Marktzutrittsschranken fortbestehen, die wirksamen
Wettbewerb zwischen Stromerzeugern behindern. Aus ihrer Sicht ist die Absicht
der Bundesregierung, zusätzlich auch das Wettbewerbsrecht zu schärfen und die
kartellrechtliche Aufsicht zu stärken, ein weiterer wichtiger Schritt zum
Schutz der privaten und gewerblichen Stromverbraucher. Ein gravierender
Ansatzpunkt für mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt ist zudem die Schaffung von
mehr Transparenz im Stromgroßhandel. Transparenter sollte auch der Handel an
der Strombörse in Leipzig werden. Hier ist an eine Stärkung der Börsenaufsicht
zu denken. Die WiMiKo begrüßt die Vorgehensweise der Bundesregierung und hält
es darüber hinaus für erforderlich, dass die Bundesregierung ihre
EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzt, sich für eine Steigerung der Markttransparenz
auch auf europäischer Ebene einzusetzen.
Die Wirtschaftsminister und
-senatoren sehen bei der geplanten Novellierung des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes dringlichen Handlungsbedarf bei der
Vorrangregelung für unsteten Strom aus erneuerbaren Energien. Die WiMiKo hält
die umgehende Prüfung von Regelungen seitens der Bundesregierung für dringlich
geboten, die sicherstellen, dass Netzgefährdungen durch die vorrangige
Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien ausgeschlossen sind. Ferner
dürfen Betreiber von KWK-Anlagen durch den Vorrang der Einspeisung von Strom
aus erneuerbaren Energien nicht unzumutbar belastet werden. Das
Bundeswirtschaftsministerium wird gebeten, bis zur Frühjahrskonferenz 2007 über
die von der Bundesregierung beabsichtigten bzw. bereits eingeleiteten Maßnahmen
zu berichten.
Zum Tagesordnungspunkt ¿Stand und
Perspektiven der digitalisierten Nutzung von Rundfunkfrequenzen¿ hörten die
Minister und Senatoren einen Bericht des Präsidenten der Bundesnetzagentur,
Herrn Matthias Kurth. Die neuen technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel das
Handy-TV eröffnen die Perspektive für einen innovativen Wachstumsmarkt. Hier
ist es wichtig, das richtige Gleichgewicht zwischen öffentlich-rechtlicher
Grundversorgung und den Interessen privater Anbieter zu finden.
Über die Einführung der
Bürokratiekostenmessung nach dem Standardkostenverfahren berichtete Herr
Staatssekretär Dr. Hans Bernhard Beus aus dem Bundeskanzleramt. Die Reduzierung
von Informations- und Statistikpflichten der Wirtschaft zur Senkung der
Kostenbelastung vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen steht im
Mittelpunkt dieser Initiative, die von der WiMiKo nachdrücklich unterstützt
wird.
Weitere Tagungsordnungspunkte
befassten sich mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie, der
Arbeitnehmerfreizügigkeit im Ergebnis der EU-Erweiterung, der bundesweit
koordinierten Beratungsförderung für Existenzgründer sowie der Reform der
Berufsgenossenschaften.
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