Fördermittel für den Artenschutz
im Unstruttal bewilligt
12.09.2006, Halle (Saale) – 137
- Landesverwaltungsamt
Landesverwaltungsamt - Pressemitteilung Nr.: 137/06
Landesverwaltungsamt -
Pressemitteilung Nr.: 137/06
Halle (Saale), den 11. September
2006
Fördermittel für den Artenschutz
im Unstruttal bewilligt
Die Verwaltungsgemeinschaft
Unstruttal mit Sitz in Freyburg hat zur Umnutzung der ehemaligen Trafostationen
in der Gemeinde Burgscheidungen und Burgscheidungen, Ortsteil Tröbsdorf
Fördermittel bewilligt bekommen.
Beide Trafostationen, die sich in der
Unstrutaue befinden, sind umgeben von Weinbergen, Halbtrockenrasen,
Streuobstwiesen, Wald und Grünflächen. Hier sind zahlreiche besonders
geschützte Tierarten heimisch. Durch die landwirtschaftliche Tierhaltung mit
Wiesen- und Weidennutzung sind optimale Voraussetzungen hinsichtlich der
Nahrungsgrundlage für diese Tierarten von besonderer Bedeutung.
Durch den Abriss, den Umbau und die
Umnutzung ehemaliger landwirtschaftlicher Gebäude sind zahlreiche Brut- und
Lebensstätten insbesondere für Schleiereulen, Turmfalken und Fledermäuse
verloren gegangen. Allgemein sind durch das Sanierungsbestreben an alten
Gebäuden, die sich in der Regel im Privateigentum befinden, die Möglichkeiten
Brutplätze zu finden, einzurichten und dauerhaft zu sichern, äußerst
beschränkt.
Mit der Umnutzung von Trafostationen,
die sich durch die Übernahme im Eigentum der Gemeinden befinden, bieten sich
oftmals die einzigen Möglichkeiten, langfristig Lebensstätten ausschließlich
für den Artenschutz herzurichten und zu erhalten.
Das Landesverwaltungsamt unterstützt
den artenschutzorientierten Umbau der Trafostationen in der Gemeinde
Burgscheidungen und im Ortsteil Tröbsdorf mit einer Anteilfinanzierung in Höhe
von insgesamt 15.890,00 ¿ .
Diese Förderung der ländlichen
Entwicklung wird im Rahmen des Operationellen Programms des Landes
Sachsen-Anhalt gewährt, das gemeinsam von der Europäischen Union, dem Bund und
dem Land Sachsen-Anhalt finanziert wird. Im Rahmen dieses Programms beteiligt
sich der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft,
Abt. Ausrichtung (EAGFL-A) mit 75 % an den öffentlichen Ausgaben.
Hintergrund
Warum wird die Sanierung von
Trafohäusern gefördert?
Unsere Kulturlandschaft haben
Generationen geschaffen, die in ständiger Auseinandersetzung mit der Natur die
natürlichen Ressourcen zu nutzen verstanden. Seit etwa einem Jahrhundert ist
mit der Tendenz intensiver Nutzung möglichst aller Lebensräume eine
Strukturverarmung eingetreten, die zum Rückgang vieler Arten geführt hat. In
den letzten Jahren schreitet dieser Prozess sogar noch beschleunigt fort. Der
natürliche Lebensraum wird für wild lebende Tiere und Pflanzen immer enger.
Viele Insekten-, Vögel-, und
Säugetiere der Siedlungen waren ursprünglich Fels- und Höhlenbewohner und
fanden in Scheunen und Dachböden ihnen zusagende Brut- und Nahrungsräume. Trotz
der fortschreitenden Strukturverarmung blieben diese Tiere.
Viele Strukturen in der unmittelbaren
Umgebung der Siedlungen wie Feldgehölze, Streuobstwiesen und Grünländereien
beherbergen gegenwärtig ihre letzten Lebensräume. Unter den Säugetieren sind es
neben einigen Spitzmausarten, Beutegreifern wie Steinmarder, Mauswiesel und
Hermelin oder Schläfern (Siebenschläfer) insbesondere Fledermäuse, die auf
Dachböden, Holzverschalungen, kühle Sandsteinkeller oder Fensterläden
angewiesen sind. Kulturfolge in diesem Sinne gibt es auch unter den Vogelarten,
wobei die Nachtgreifvögel, also Käuze und Eulen, eine besondere Bindung mit
unseren Bauwerken eingegangen sind.
Die Schleiereule ist ein
Charaktervogel des ländlichen Raumes. Schon im Mittelalter hat sie die
¿traditionelle¿ bäuerliche Landwirtschaft mit den angrenzenden Dörfern und
Gehöften für sich entdeckt. Zahlreiche Faktoren reduzieren in immer stärkerem
Maße ihren Bestand. Zum einen ist es die zunehmende Intensivierung in der
Landwirtschaft: riesige Schläge von Mais oder Raps lassen ihr keine Chance,
Beute ¿ insbesondere Feldmäuse - zu erreichen. Andererseits schwinden durch die
veränderte landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweise kurzrasige, extensiv
genutzte Grünländer.
Auch die Trafo-Häuser gehören
mittlerweile zum attraktiven Strukturangebot in den Dörfern. Besonders
Schleiereulen, hausbewohnende Fledermausarten, Gartenrotschwanz, Mehlschwalbe,
Haus- und Feldsperling oder der seltene Steinkauz haben diese Bauwerke als
Brutplätze, Sommerquartiere oder Versteckmöglichkeiten seit Jahrzehnten
angenommen. Abriss droht, wenn sie durch die Errichtung effizienter und kleiner
Trafostationen funktionslos werden. Eine Möglichkeit, den Unterschlupf
gefährdeter Tierarten zu retten, ist mithin die Erhaltung der Trafohäuser.
Das Programm:
Die Förderung von
Naturschutzprojekten erfolgt z.Zt. im Rahmen des Operationellen Programms des
Landes Sachsen-Anhalt 2000-2006, an dessen Finanzierung sich der Europäische
Ausrichtungs- und Garantiefond für Landwirtschaft, Abteilung Ausrichtung
(EAGFL-A) mit 75 % und das Land Sachsen-Anhalt mit 25 % beteiligen. Im Jahr
2006 werden im Land Sachsen-Anhalt ca. 4 Mio. Euro für die Förderung zur
Verfügung gestellt, davon etwa 200.000 ¿ für den artenschutzgerechten Umbau von
Trafohäuschen.
Impressum:
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