Erarbeitet von Wirtschafts- und
Kultusministerium
Landesprogramm zur Verringerung hoher Abbrecherquoten in der Berufsausbildung
01.09.2006, Magdeburg – 390
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 390/06
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 390/06
Magdeburg, den 1. September 2006
Erarbeitet von Wirtschafts- und
Kultusministerium
Landesprogramm zur Verringerung hoher Abbrecherquoten in der Berufsausbildung
Im Jahr 2005 wurden in Sachsen-Anhalt
4.356 Berufsausbildungsverhältnisse vorzeitig gelöst, das waren knapp 23
Prozent. 44 Prozent dieser Ausbildungsabbrüche erfolgten bereits im ersten Ausbildungsjahr.
Die angespannte Situation bei der Bereitstellung betrieblicher Ausbildungsplätze
wird dadurch zusätzlich belastet. Für die Jugendlichen verlängert sich die
Ausbildungszeit beträchtlich, Firmen entstehen höhere Ausbildungskosten. Viele
Unternehmen lehnen es danach ab, sich weiter in die Ausbildung einzubringen.
Die Landesregierung hat die
unverhältnismäßig hohen jährlichen Abbrecherqouten von durchschnittlich 25
Prozent mit Sorge zur Kenntnis genommen und das Wirtschaftsministerium
beauftragt, gemeinsam mit dem Kultusministerium ein Präventivprogramm zur
Verringerung von Ausbildungsabbrüchen zu erarbeiten. Dieses mit weiteren
Ressorts abgestimmte Programm wurde am 29. August 2006 vom Kabinett gebilligt.
¿In die Umsetzung dieses
Programms werden wir alle Partner im Pakt für Ausbildung einbeziehen, also
Kammern, Arbeitsagentur und Arbeitgeberverbände¿, betont Wirtschaftsminister
Dr. Reiner Haseloff. Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz weist darauf
hin, ¿dass in der Vergangenheit schon einiges auf den Weg gebracht wurde, zum
Beispiel stärkerer Einbau von Wirtschaftsthemen in den gesamten Unterricht,
Projekte gegen Schulverweigerung, Verbesserung der Ausbildungsreife und der Berufsorientierung¿.
Beide Minister verweisen zugleich auf neue Aspekte: die Einführung eines Berufswahlpasses
für Schüler, die Vergabe eines Gütesiegels an Schulen, die sich bei der
Berufswahl ihrer Schüler besonders engagieren, die verbesserte
Berufsorientierung für Mädchen in männlich dominierten Berufen und die
verstärkte Nutzung von Betriebspraktika für Lehrkräfte.
Wie die Analyse belegt, ist die hohe
Abbrecherquote im Verlauf der Berufsausbildung überall in Deutschland ein
Problem . Sachsen-Anhalt liegt dabei - wie auch Thüringen - leicht
über dem Bundesdurchschnitt.
Starke Übereinstimmungen weisen
Studien bei den Gründen für den
Ausbildungsabbruch auf: Schwierigkeiten/Konflikte
mit Ausbildern und Vorgesetzten, andere Vorstellungen vom Ausbildungsberuf,
praktische und theoretische Ausbildung zu schwierig, private sowie
gesundheitliche Gründe, zu weite Entfernung des Ausbildungsbetriebs. Aus Sicht
der Ausbilder ergeben sich weitere Punkte: Zu schwache Leistungen in der
Berufsschule, falsche Vorstellungen vom Beruf und damit fehlendes Interesse,
unaufholbare Lücken in der Allgemeinbildung, unangemessenes Sozialverhalten
sowie fehlende Motivation.
Untersucht wurden zudem Chancen
und Risiken von Ausbildungsabbrüchen . Negativ aus Sicht der Auszubildenden
ist ein Verlust an Zeit und Motivation. Die längere Ausbildungszeit belastet
ihn finanziell, dazu kommt das Gefühl des Versagens. Bei einigen droht sogar
der ersatzlose Ausstieg aus der beruflichen Ausbildung. In der Korrektur einer
falschen Berufswahl kann aber auch eine Chance liegen, umso mehr, wenn dieser
Prozess begleitet ist von gestärkter Selbsteinschätzung und einem damit
verbundenen Motivationsgewinn.
Unbefriedigend aus Sicht der
Unternehmen ist der Verlust finanzieller Aufwendungen und der fehlende
Fachkräftenachwuchs. Das Engagement für die Ausbildung schlägt nicht selten um
in den Ausstieg aus der Ausbildung. Interessant aus Unternehmenssicht ist dagegen
oft die Ursachenanalyse und die daraus resultierende Verbesserung der Ausbildungsqualität.
Berufe mit besonders
hohen Abbrecherquoten sind Floristin (45 %),
Restaurantfachfrau (39 %), Köchin (39 %), Hotelfachfrau (35 %) und Friseurin
(34 %) sowie Koch (36 %), Ausbaufacharbeiter (32 %), Konstruktionsmechaniker
(30 %) und Gebäudereiniger (29 %). Nach einer Studie aus dem Jahr 2002 beginnen
knapp zwei Drittel (62 Prozent) nach dem Ausbildungsabbruch wieder mit einer
Ausbildung, allerdings nicht in jedem Fall mit einer neuen dualen Ausbildung.
Berufsfachschule, weiterer Schulbesuch und Studium wurden genannt.
Die Analyse der Situation stärkt
die Forderung nach frühzeitiger Berufsorientierung . Sie muss
fest integriert werden in den schulischen Ablauf und die Eigenverantwortung der
Jugendlichen stärken. Im Maßnahmekatalog angeregte Schritte sind u. a. der
verstärkte Einbau von Wirtschaftsthemen in den Unterricht, Betriebspraktika für
Lehrkräfte an allgemein bildenden Schulen, intensive Einbindung der Lehrkräfte
in das ESF-Projekt gegen Schulverweigerung und zur Senkung von vorzeitigen
Schulabbrüchen sowie die Vergabe eines Gütesiegels für Schulen, zu deren
besonderer Stärke die Berufsorientierung ihrer Schüler zählt.
Verstärkt werden soll auch die individuelle
Beratung insbesondere jener Jugendlichen, die Schwierigkeiten beim Übergang vom
Schul- zum Berufsleben haben . Das Präventionsprogramm
definiert hier als Handlungsfelder die Förderung lernschwacher und
benachteiligter Jugendlicher mit die Ziel, die Ausbildungsreife zu erreichen;
die Förderung von Konfliktbereitschaft, Kritikfähigkeit und Lernmotivation; Einrichtung
von Kompetenzagenturen auf kommunaler Ebene als Lotsenstellen für besonders
benachteiligte Jugendliche.
Ausbildungsabbrüche kündigen
sich meist über einen längeren Zeitraum an. Geplant sind
Weiterbildungsangebote, damit Ausbilder und Berufsschullehrer frühzeitig
Probleme erkennen und mit den Jugendlichen
Lösungswege suchen. Dadurch ließe sich manch Ausbildungsabbruch vermeiden.
Unterstützt werden sollen sie dabei von einer ¿Pädagogischen Gruppe¿, einem
Netzwerk betrieblicher und überbetrieblicher Ausbildungsberater, Vertretern der
Jugend- und Sozialämter, sozialer Beratungsstellen (z. B. Drogen) und Schlichtungsstellen
der Kammern. Wer Netzwerkspartner wird, muss regional abgestimmt werden.
Da oftmals Ausbildungsplätze auf
Grund der mangelnden Ausbildungsreife noch unvermittelter Bewerber nicht wieder
besetzt werden können, sollen Ausbildungscoaches eingesetzt
werden. Sie unterstützen den Betrieb bei der Neubesetzung der Stelle. Zugleich
wirken sie als unabhängige, neutrale Beratungs- und Betreuungsstelle für
potenzielle Ausbildungsabbrecher und erarbeiten gemeinsam mit dem oben
genannten Netzwerk Problemlösungen zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail:
staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
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