Illegale Abfallentsorgung und
Delikte der Arzneimittel- und Lebensmittelkriminalität sind die Schwerpunkte im
Bereich der Umweltkriminalität
19.07.2006, Magdeburg – 10
- Landeskriminalamt
Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt - Pressemitteilung Nr.: 010/06
Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt -
Pressemitteilung Nr.: 010/06
Magdeburg, den 19. Juli 2006
Illegale Abfallentsorgung und
Delikte der Arzneimittel- und Lebensmittelkriminalität sind die Schwerpunkte im
Bereich der Umweltkriminalität
Der jetzt
vorliegende ¿Jahresbericht Umweltkriminalität für das Jahr 2005¿ bringt es an
den Tag: Delikte der illegalen Abfallentsorgung und der Arzneimittel- und
Lebensmittelkriminalität sind die Schwerpunkte im Bereich der
Umweltkriminalität in Sachsen-Anhalt. Von allen 1665 registrierten
Umweltstraftaten (2004: 1840) nimmt der illegale Umgang mit gefährlichen
Abfällen mit 661 erfassten Delikten trotz eines Rückganges von 276 Delikten im
Vergleich zum Vorjahr mit 69,4 % einen Spitzenplatz unter allen Umweltdelikten
ein.
Eine der
Ursachen liege, so LKA-Direktor Frank Hüttemann, in der Änderung des
bundesdeutschen Abfallrechts im Juni 2005. Dies habe zur Folge, dass eine
Vielzahl von Altdeponien geschlossen werden müssten, was wiederum bewirke, dass
es zu erheblichen Kapazitätsengpässen bei der Müllentsorgung komme. Obwohl das
Land Sachsen-Anhalt in der jüngeren Vergangenheit durch die Errichtung von
Verbrennungsanlagen entsprechend vorgesorgt habe, sei durch fehlende
Zollkontrollen an den neuen EU-Binnengrenzen ein vermehrter Abfalltransport in
osteuropäische Länder mit niedrigeren Umweltstandards zu verzeichnen. Durch
Umgehung der legalen Abfallentsorgung, durch Nichteinhaltung des
vorgeschriebenen Abfallentsorgungsweges könnten die Täter Gewinnspannen von 10
bis 50 % erzielen. Typische Begleitstraftaten seien Korruption, Betrug und
Urkundenfälschung.
Delikte der
Gewässer- und Bodenverunreinigung, die ebenfalls zu den häufigsten
Tathandlungen zählen, werden im Wesentlichen durch illegal abgestellte Alt-Kfz
und den unerlaubten Umgang mit Öl und ölhaltigen Stoffen begangen.
Im Bereich
der Arznei- und Lebensmittelkriminalität ist eine erhebliche Steigerung der
Fallzahlen um 85,8 % von 184 Delikten im Jahr 2004 auf 342 Delikte im Jahr 2005
zu verzeichnen. Der überproportionale Zuwachs in diesem Bereich ist auf ein
gestiegenes Anzeigeverhalten in der Bevölkerung zurückzuführen. Die
Schwerpunkte in diesem Bereich liegen im Bereich der Lebensmittelkriminalität
in
-
der
Umetikettierung bzw. der falschen Kennzeichnung von Lebensmitteln zur
Verlängerung bzw. Neuschreibung der Haltbarkeitsdaten,
-
in Verstößen
gegen die Hackfleischverordnung z.B. durch die Benutzung von bereits
verwendeten Dönerspießen am folgenden Tage und
-
in Verstößen
gegen das Hygienegesetz in Gast- und Verkaufsstätten.
¿Nicht
zuletzt die bundesweiten Skandale zum Thema ¿Gammelfleisch¿ im vergangenen
Jahr, dürften zu dieser gesteigerten und wünschenswerten Aufmerksamkeit der
Bürgerinnen und Bürger beigetragen haben¿, so Hüttemann.
Die
Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz sind hauptsächlich auf den illegalen
Einsatz von Arzneimitteln als Beimischung unter das Tierfutter bei Tieren, die
zur Lebensmittelherstellung dienen und auf den Vertrieb von Anabolika
zurückzuführen. Um den Kriminalitätserscheinungen insbesondere im Zusammenhang
mit dem Vertrieb von Lebensmitteln entgegenzuwirken, forciert das LKA seit Ende
2005 die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Behörden.
Insgesamt
kann sich die Landespolizei auch mit der Aufklärungsquote bei Umweltdelikten
von 78,9 % sehen lassen. Damit nimmt Sachsen-Anhalt im Bundesvergleich eine
Spitzenposition im Jahr 2005 ein.
Zusammenfassend stellt das LKA fest, dass, soweit es den persönlichen
Schutzbereich der Bevölkerung betrifft wie z.B. bei Lebensmitteln, vermehrt
Umweltstraftaten zur Anzeige gebracht werden. Allerdings dürfe nicht außer Acht
gelassen werden, dass Umweltstraftaten als so genannte Kontrolldelikte mit
hohem Dunkelfeld nur durch vermehrte Kontrollen aufgedeckt werden können. Durch
die bestehenden und zu weiter erwartenden finanziellen und personellen Engpässe
im Land und in den Kommunen, prognostiziert das LKA aber eher eine abnehmende
Kontrolldichte und damit auch abnehmende Deliktszahlen in den kommenden Jahren.
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