Innenminister Hövelmann zum Vorfall in
Pretzien am 24. Juni 2006
17.07.2006, Magdeburg – 135
- Ministerium für Inneres und Sport
Ministerium des Innern - Pressemitteilung Nr.: 135/06
Ministerium des Innern -
Pressemitteilung Nr.: 135/06
Magdeburg, den 17. Juli 2006
Innenminister Hövelmann zum Vorfall in
Pretzien am 24. Juni 2006
Innenminister
Holger Hövelmann zeigt sich nach wie vor bestürzt über das am 24. Juni 2006
stattgefundene Geschehen in der Gemeinde Pretzien. Neben der lückenlosen
Aufklärung der Vorgänge und der strafrechtlichen Bewertung durch die Justiz
müssen aber auch Lehren für das künftige Einschreiten von Polizei und
Sicherheitsbehörden gezogen werden.
Zum
gegenwärtigen Stand der Ermittlungen erklärte Minister Hövelmann: ¿Nach den mir
vorliegenden Erkenntnissen sind die polizeilichen Ermittlungen unter enger
Einbindung der zuständigen Staatsanwaltschaft Magdeburg umfassend geführt
worden. Die Ermittlungen werden derzeit auch noch weitergeführt, so dass eine
abschließende Bewertung noch nicht vorgenommen werden kann. Unter anderem
müssen noch sichergestellte Beweismittel ausgewertet werden¿.
Was
den Umstand betrifft, dass in der Tatnacht über die ersten Feststellungen
hinausgehende Maßnahmen - so beispielsweise die Einbeziehung des polizeilichen
Staatsschutzes - nicht erfolgt sind, so hat das, den bisherigen Feststellungen
zufolge, keine negativen Auswirkungen auf das Ermittlungsverfahren gehabt.
Für
die Zukunft bedeute dies jedoch, dass alle im täglichen Dienst eingesetzten
Polizeibeamten über die ohnehin schon hohe Sensibilität in bezug auf politisch
motivierte Erscheinungsformen noch weiter sensibilisiert werden sollen.
Die
Fachhochschule der Polizei strebt in diesem Zusammenhang innerhalb der entsprechenden
Aus- und Fortbildungsmaßnahmen die höhere Sensibilisierung der Beamten für dieses
Problem und deren Befähigung zum wirkungsvollen Umgang mit allen Formen des
Rechtsextremismus an.
Neben
den Ursachen, den Erscheinungsformen und aktuellen Anpassungsstrategien gilt
es, die rechtlichen Grundlagen für polizeiliches Einschreiten sowie Bekämpfungsansätze
gegen rechte Gewalt zu vermitteln. Für die praktische Befähigung werden
Möglichkeiten des Erkennens rechtsextremistischer Hintergründe ebenso
vermittelt wie taktisch richtiges Einschreiten und das Vermeiden von Fehlverhalten.
Um
neben den Studenten und Auszubildenden auch alle anderen Beamten auf den neuesten
sozial- und polizeiwissenschaftlichen Erkenntnisstand zu bringen, erarbeitet
die Fachhochschule der Polizei in Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden zur
Zeit ein Fortbildungsprogramm zu diesem Thema.
¿Den
Ansatz der Fachhochschule unterstütze ich nachdrücklich. Darüber hinaus sind
zusätzlich auch alle Vorgesetzten auf den unterschiedlichen Ebenen gefordert,
sich aktuell mit den neuen
Erscheinungsformen der politisch motivierten Kriminalität auseinanderzusetzen
und im Dienstunterricht sowie Dienstbesprechungen mit den Kolleginnen und
Kollegen der Polizei zu behandeln.¿ so der Minister weiter.
¿Die
Rolle des Verfassungsschutzes ist Gegenstand interner Untersuchungen¿, so
Minister Hövelmann weiter. Der Verfassungsschutz hatte noch im Jahr 2000 in seinem
Bericht erklärt, dass die rechtsextreme Szene in Pretzien beobachtet wird. Danach
sind keine Erkenntnisse mehr angefallen, die eine Beobachtung nach den Vorschriften
des Verfassungsschutzgesetzes des Landes rechtfertigen.
Gegenwärtig wohnen
vier Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in Pretzien, von denen eine Person
auch Mitglied im Gemeinderat ist. Ein Mitarbeiter hat dort bis zum Jahr 2001
gewohnt und besitzt dort noch eine Immobilie, die er aber nicht selbst bewohnt.
Weiterhin wohnt dort ein ehemaliger Mitarbeiter des Verfassungsschutzes des
Landes. Keiner der fünf noch aktiven Beamten hat an der Veranstaltung zur
Sonnenwendfeier in Pretzien teilgenommen. Vier Beamte haben schriftlich
erklärt, dass sie nicht am Vereinsleben des Ortes teilnehmen.
Daneben
betonte der Minister erneut, dass sich natürlich nicht nur die Polizei und der
Verfassungsschutz mit diesem Thema zu befassen haben, sondern auch die Kommunen
vor Ort gefordert seien. Daher habe er bereits mit Erlass vom 6. Juli 2006
angewiesen, ¿dass öffentliche Einrichtungen oder Plätze nicht für
Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, bei denen oder in deren
Zusammenhang Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere
durch rechtsextremistische Aktivitäten, zu erwarten sind.¿
Darüber
hinaus appelliere er auch an alle Bürger unseres Landes, bei derartigen
Vorfällen nicht unbeteiligt zu bleiben, sondern sich in aller Deutlichkeit von
derartigen Vorkommnissen zu distanzieren.
Impressum:
Verantwortlich: Martin Krems
Pressestelle
Halberstädter Straße 2 / Am Platz des 17. Juni
39112 Magdeburg
Tel: (0391) 567-5504/-5516/-5517
Fax: (0391) 567-5519
Mail: Pressestelle@mi.lsa-net.de
Impressum:Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-AnhaltVerantwortlich:Danilo WeiserPressesprecherHalberstädter Straße 2 / am "Platz des 17. Juni"39112 MagdeburgTel: (0391) 567-5504/-5514/-5516/-5517/-5377Fax: (0391) 567-5520Mail: Pressestelle@mi.sachsen-anhalt.de






