Fördermittel für den Artenschutz
29.06.2006, Halle (Saale) – 85
- Landesverwaltungsamt
Landesverwaltungsamt - Pressemitteilung Nr.: 85/06
Landesverwaltungsamt -
Pressemitteilung Nr.: 85/06
Halle (Saale), den 29. Juni 2006
Fördermittel für den Artenschutz
Das
Landesverwaltungsamt hat dem Landkreis Merseburg-Querfurt für den Umbau eines
Transformatorenturmes in der Gemeinde Gatterstädt
Fördermittel in Höhe von 11.690 ¿
und für die Gemeinde Delitz am Berge in Höhe von 13.770 ¿ gewährt.
Durch
die Sanierung und den Abriss von alten Gebäuden werden Ruhe- und Brutplätze sowie
Zufluchtsstätten für die wildlebenden Vogel- und Fledermausarten immer
seltener. Um einen Beitrag zur Erhaltung und des Schutzes der Artenvielfalt zu
leisten, wurden diese Vorhaben gefördert.
Bereits
1992 begann die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Merseburg-Querfurt
mit Hilfe des Landes Sachsen-Anhalt und des Energieversorgers MEAG ausgediente
Transformatorentürme zu Artenschutzstationen umzurüsten. Gegenwärtig verfügt
der Landkreis Merseburg-Querfurt über eine beachtliche Zahl derartiger
Stationen, die geschützten und gefährdeten Vogel- und Fledermausarten als
Reproduktionsmöglichkeit dienen.
Mit
dem Umbau der ehemaligen Transformatorentürme in Gatterstädt
und Delitz am Berge sollen weitere Nistmöglichkeiten,
Ruhe- und Hangplätze für Vögel und Fledermäuse erhalten und geschaffen werden.
Mit der artengerechten Umnutzung dieser sogenannten Trafostationen besteht die
Möglichkeit zur Ansiedlung von Schleiereule, Turmfalke, Mehlschwalbe, Feld- und
Haussperlinge sowie für verschiedene Fledermausarten wie der Breitflügelfledermaus
und der Zwergfledermaus.
Diese
Förderung der ländlichen Entwicklung wird im Rahmen des Operationellen
Programms des Landes Sachsen-Anhalt gewährt, das gemeinsam von der Europäischen
Union, dem Bund und dem Land Sachsen-Anhalt finanziert wird. Im Rahmen dieses
Programms beteiligt sich der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die
Landwirtschaft, Abt. Ausrichtung (EAGFL-A) mit 75 % an den öffentlichen
Ausgaben.
Hintergrund:
Warum
wird die Sanierung von Trafohäusern gefördert?
Unsere Kulturlandschaft haben
Generationen geschaffen, die in ständiger Auseinandersetzung mit der Natur die
natürlichen Ressourcen zu nutzen verstanden. Seit etwa einem Jahrhundert ist
mit der Tendenz intensiver Nutzung möglichst aller Lebensräume eine Strukturverarmung
eingetreten, die zum Rückgang vieler Arten geführt hat. In den letzten Jahren
schreitet dieser Prozess sogar noch beschleunigt fort. Der zur Verfügung
stehende Lebensraum wird für wild lebende Tiere und Pflanzen immer enger.
Viele
Insekten-, Vögel-, und Säugetierarten der Siedlungen waren ursprünglich Fels-
und Höhlenbewohner und fanden in Scheunen und Dachböden ihnen zusagende Brut-
und Nahrungsräume. Trotz der fortschreitenden Strukturverarmung blieben diese
Tiere. Viele Strukturen in der unmittelbaren Umgebung der Siedlungen wie
Feldgehölze, Streuobstwiesen und Grünländereien beherbergen gegenwärtig ihre
letzten Lebensräume. Unter den
Säugetieren sind es neben einigen Spitzmausarten, Beutegreifern wie
Steinmarder, Mauswiesel und Hermelin oder Schläfern (Siebenschläfer) insbesondere Fledermäuse,
die auf Dachböden, Holzverschalungen, kühle Sandsteinkeller oder Fensterläden
angewiesen sind. Kulturfolge in diesem Sinne gibt es auch unter den Vogelarten,
wobei die Nachtgreifvögel, also Käuze und Eulen, eine besondere Bindung mit
unseren Bauwerken eingegangen sind.
Die Schleiereule ist ein Charaktervogel
des ländlichen Raumes. Schon im Mittelalter hat sie die ¿traditionelle¿
bäuerliche Landwirtschaft mit den angrenzenden Dörfern und Gehöften für sich
entdeckt. Zahlreiche Faktoren reduzieren in immer stärkerem Maße ihren Bestand.
Zum einen ist es die zunehmende Intensivierung in der Landwirtschaft: riesige
Schläge von Mais oder Raps lassen ihr keine Chance, Beute ¿ insbesondere
Feldmäuse - zu erreichen. Andererseits schwinden durch die veränderte
landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweise kurzrasige,
extensiv genutzte Grünländer.
Auch die Trafo-Häuser gehören
mittlerweile zum attraktiven Strukturangebot in den Dörfern. Besonders
Schleiereulen, hausbewohnende Fledermausarten,
Gartenrotschwanz, Mehlschwalbe, Haus- und Feldsperling oder der seltene
Steinkauz haben diese Bauwerke als Brutplätze, Sommerquartiere oder
Versteckmöglichkeiten seit Jahrzehnten angenommen. Abriss droht, wenn sie durch
die Errichtung effizienter und kleiner Trafostationen funktionslos werden. Eine
Möglichkeit, den Unterschlupf gefährdeter Tierarten zu retten, ist mithin die
Erhaltung der Trafohäuser.
Das
Programm:
Die
Förderung von Naturschutzprojekten erfolgt zurzeit im Rahmen des Operationellen
Programms des Landes Sachsen-Anhalt 2000-2006, an dessen Finanzierung sich der
Europäische Ausrichtungs- und Garantiefond für Landwirtschaft, Abteilung
Ausrichtung (EAGFL-A) mit 75 % und das Land Sachsen-Anhalt mit 25 % beteiligen.
Im Jahr 2006 werden im Land Sachsen-Anhalt ca. 4 Mio. Euro für die Förderung
zur Verfügung gestellt, davon etwa 200.000 ¿ für den artenschutzgerechten Umbau
von Trafohäuschen.
Impressum:
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