Sachsen-Anhalt führt landesweite Datei zur
Erkennung jugendlicher Intensivtäter ein
17.01.2006, Magdeburg – 34
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 034/06
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 034/06
Magdeburg, den 17. Januar 2006
Sachsen-Anhalt führt landesweite Datei zur
Erkennung jugendlicher Intensivtäter ein
Innenminister Klaus Jeziorsky hat heute in
Magdeburg die Landesregierung über die Einführung einer landesweiten Datei zur
Erkennung jugendlicher Intensivtäter unterrichtet.
Jugendkriminalität sei, so der Innenminister,
ein Phänomen, das uns alle in besonderem Maße angehe. Trotz positiver Tendenzen
bedürfe es weiterhin auf allen Ebenen Bemühungen, um die Jugendkriminalität
weiter zurückzudrängen.
Innenminister Klaus Jeziorsky: ¿Mit der
Einführung der landesweiten Jungtatverdächtigen-Datei zum 1. Februar 2006
schaffen wir eine weitere wichtige Grundlage zur Bekämpfung von Straftaten, die
durch jugendliche Intensivtäter begangen werden. Diese Datei ermöglicht eine
Auswertung der gesamten Ermittlungsvorgänge und somit eine umfassende Analyse
des Personenkreises.¿ Jugendsachbearbeiter könnten kriminelle Karrieren
frühzeitig erkennen, was wiederum schnelle Reaktionen und das unverzügliche
Zusammenwirken mit anderen Behörden und Institutionen ermöglichen würde.
Zwar
sei in den letzten Jahren der Anteil der Jungtatverdächtigen (Tatverdächtige
unter 21 Jahren) an allen ermittelten Tatverdächtigen kontinuierlich und
deutlich zurückgegangen. Allein im Zeitraum von 2001 bis 2004 hatte der Anteil
der Jungtatverdächtigen um etwa 5 Prozentpunkte von 36,4% auf 31,5% abgenommen.
Für das Jahr 2005 deuten die bis jetzt vorliegenden statistischen Zahlen auf
einen weiteren Rückgang hin, wahrscheinlich erstmals auf unter 30 Prozent.
Damit bewege sich Sachsen-Anhalt auf das Bundesniveau zu, das 2004 bei 27,9
Prozent lag. Parallel dazu ist auch die Zahl der von Jungtatverdächtigen
begangenen Straftaten gesunken. Von 2001 bis 2004 sind über 8.500 Delikte
weniger registriert worden.
Jeziorsky:
¿Trotz dieser sinkenden Zahlen und der Feststellung, dass Jugendkriminalität in
der überwiegenden Anzahl der Fälle eher episodenhaften Charakter hat, haben wir
gerade in diesem Bereich einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit gesetzt.
Daran werden wir auch künftig festhalten, denn kriminalpolizeiliche
Auswertungen zur Tatverdächtigenstruktur zeigen, dass die vermeintlich geringe
Tat oft auch Grundlage für eine kriminelle Karriere sein kann.¿
Ein
großer Teil strafbarer Handlungen lasse sich auf einen kleinen Kreis
Verdächtiger zurückführen; auf die sogenannten Mehrfach- und Intensivtäter. Die
als Intensivtäter bezeichnete Gruppe machte in den letzten Jahren etwa nur drei
Prozent der ermittelten Jungtatverdächtigen aus, war aber für ca. ein Drittel
der von Jungtatverdächtigen begangenen Straftaten verantwortlich gewesen.
Hier gelte es
anzusetzen, um ein weiteres Abgleiten in eine kriminelle Karriere zu
verhindern. Damit werde die Bevölkerung vor weiteren Straftaten geschützt.
Gleichzeitig würden auch die betroffenen Jugendlichen vor Schlimmerem bewahrt
werden. Der Minister erinnerte daran, dass bereits im August 2004 nach
Abstimmung mit dem Ministerium für Gesundheit und Soziales und dem
Kultusministerium der Gemeinsame Runderlass von Innenministerium und
Justizministerium ¿Konzeption zur Bearbeitung von Jugendsachen¿ einschließlich
der Leitlinien ¿Bearbeitung von Jugendsachen in Verbindung mit jugendlichen
Intensivtätern¿ in Kraft gesetzt wurde. Diese Konzeption sieht unter anderem
folgende Maßnahmen vor:
zügige, täterorientierte, deliktsübergreifende Sachbearbeitung,
¿
vorrangige Durchführung
der Ermittlungen gegen Mehrfach-/Intensivtäter,
¿
stärkere Abstimmung
zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgericht, Jugendberatung bei der
Polizei und Jugendamt mit der Durchführung von sog. ¿Einzelfallbesprechungen¿,
bei denen der konkrete Beitrag jeder beteiligten Stelle und deren Umsetzung
festgelegt wird,
¿
längerfristiger Einsatz
von polizeilichen Jugendsachbearbeitern.
Zum Thema ¿Jugendliche Intensivtäter¿ wird das
Justizministerium zwei Tagungen im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum
Jugendstrafrecht in diesem Jahr anbieten. Justizminister Curt Becker
unterstrich: ¿Die Jugendlichen müssen zeitnah erfahren, dass ihre Straftaten
Folgen haben. Weitere Straftaten sind nur zu vermeiden, wenn die Konsequenzen
der Tat auf dem Fuße folgen. Eine eng abgestimmte Zusammenarbeit aller
Institutionen, die mit Straftaten junger Menschen befasst sind, ist unser
gemeinsames Ziel, um die Verfahrenszeiten möglichst kurz zu halten.¿ Zudem
sollen die Jugendrichter und Jugendstaatsanwälte durch Fort- und Weiterbildung
in die Lage versetzt werden, ihre persönliche Kompetenz zu stärken, um den besonderen
pädagogischen Anforderungen gerecht zu werden, die das Jugendstrafrecht an die
Justiz stellt.
Zur Verhinderung krimineller Karrieren bei jungen
Menschen sind neben repressiven Maßnahmen auch präventive Maßnahmen
unabdingbar.
Jeziorsky: ¿Hier sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, insbesondere
durch Eltern und Schule, erforderlich. Gleichwohl leistete auch die Polizei
2005 durch zahlreiche Projekte Präventionsarbeit.¿ Der Innenminister nannte
beispielhaft:
¿ Die erfolgreiche Malheftserie des Landeskriminalamtes
¿Super Tipps für Groß und Klein¿ wird mit Heft 25 ¿Streithähne¿ fortgesetzt.
Dieses Heft fördert die Konfliktfähigkeit und entstand unter der Mitwirkung von
Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines Wettbewerbs der Tageszeitung
Volksstimme. Dank der Bereitstellung finanzieller Mittel vom Kultusministerium
ging das Heft in den Druck. 40.000 Exemplare sollen demnächst überwiegend an
Schulen verteilt werden.
¿ Das neue Abenteuerspiel ¿Luka und das
geheimnisvolle Silberpferd¿ der Polizei für Kinder zur Gewaltprävention. Dieses
PC-Spiel für 8- bis 12jährige Kinder entwickelte die Polizei über das Programm
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, an dem
Sachsen-Anhalt beteiligt ist. Kinder werden auf spielerische Weise an Konfliktsituationen
herangeführt. 8000 Exemplare des Spiels wurden Ende 2005 zur Verteilung im Land
bereitgestellt.
Info:
Allgemeines:
Ø Im
Vorgangsbearbeitungssystem IVOPOL sind mehrmals in Erscheinung getretene
Personen auch mehrfach erfasst, da jedes neue Auftreten von ihnen auch als
gesonderter Vorgang erfasst wird. Recherchen und Analysen sind deshalb nur
eingeschränkt möglich.
Ø In
der Jungtatverdächtigendatei wird die Person nur einmal erfasst. Jede neue
Straftat oder neue Information wird dann der Person zugeordnet. Es können somit
Recherchen u.a. zu Tatörtlichkeiten, Deliktsschwerpunkten und Handlungsweisen
erfolgen. So werden auch Entwicklungstendenzen für den Sachbearbeiter
erkennbar.
Ø Zur
Einführung der Jungtatverdächtigendatei erfolgte zunächst eine Pilotierung von
Teilanwendungen beginnend in der Polizeidirektion Halberstadt und der
Polizeidirektion Halle im Juni sowie Juli 2005 und seit September 2005 in allen
Polizeidirektionen und im Landeskriminalamt.
Ø Nach
dieser Phase der Datensammlung und einer Auswertung des Pilotprojektes Ende
2005 erfolgt dann die Aufnahme des ¿Echt¿-Betriebes im Februar 2006.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail:
staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
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