Innenminister Klaus Jeziorsky: Erfolgreiche
Kriminalitätsverhütung muss vor Ort ansetzen
12.12.2005, Magdeburg – 174
- Ministerium für Inneres und Sport
Ministerium des Innern - Pressemitteilung Nr.: 174/05
Ministerium des Innern -
Pressemitteilung Nr.: 174/05
Magdeburg, den 12. Dezember 2005
Innenminister Klaus Jeziorsky: Erfolgreiche
Kriminalitätsverhütung muss vor Ort ansetzen
- Erfolge bei
der Kommunalen Kriminalprävention
Nach Auskunft von Innenminister Klaus
Jeziorsky begehen mehr als drei Viertel aller Tatverdächtigen Straftaten an ihrem
Wohnort oder innerhalb ihres Landkreises. Jeziorsky: ¿Kriminalitätsverhütung
muss daher in erster Linie dort ansetzen, wo Rechtsbrüche entstehen: In den
Städten und Gemeinden unseres Landes.¿
Die
Gründe und Entstehungsbedingungen für Kriminalität seien vielschichtig und
lägen häufig im gesellschaftlichen beziehungsweise familiären Bereich. Polizei
und Justiz könnten bei der Bekämpfung dieser Kriminalitätsursachen allein
wenig bewirken, da sie auf die Bereiche Familie, Erziehung und
Freizeitgestaltung kaum Einflussmöglichkeiten hätten. So vielschichtig die
Ursachen seien, so umfassend müssten auch die Ansatzpunkte für die Prävention
gewählt werden. Eine Schlüsselrolle falle dabei den Verantwortlichen der
Kommunen zu.
Jeziorsky:
¿Vor allem, wenn sich die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte an die
Spitze der Bewegung stellen, sich für Präventionsprojekte engagieren und durch
ihre Funktion alle relevanten Kräfte vor Ort bündeln, erlangt Kommunale
Kriminalprävention die nötige Durchschlagskraft. Hier gibt es im Land seit
Jahren einige sehr positive Beispiele, die mich bestärkt haben, dass dieser Weg
weiter ausgebaut werden muss.¿
Der Minister dankte
in diesem Zusammenhang den Kommunalen Spitzenverbänden des Landes für ihre
Unterstützung und wies auf eine gemeinsam mit diesen verabschiedete Erklärung
zum Ausbau der Kommunalen Kriminalprävention vom April 2004 hin. Die seinerzeit
erklärten Schwerpunkte wie zum Beispiel,
·
...dass die Kommunen sich der Bedeutung ihres
Handelns für die Kriminalitätsentwicklung bewusst sind und diesen Gedanken bei
ihren sämtlichen Planungen und Entscheidungen verstärkt berücksichtigen;
·
...dass die Kommunen vermehrt die ihnen in ihrer
Funktion als Sicherheitsbehörden zugewiesenen Aufgaben übernehmen;
·
...dass die Zusammenarbeit der Kommunen
insbesondere mit der Polizei in der Kriminalprävention verbessert wird;
seien
richtungsweisend für die Entwicklung der Kommunalen Kriminalprävention gewesen.
In der Bilanz sei
insbesondere die Zusammenarbeit von Polizei und Kommunen in Fragen der
öffentlichen Sicherheit weiter verbessert worden. Wesentlich dazu beigetragen
habe die Erstellung gemeinsamer Situationsanalysen ¿ in der Polizeisprache
Lagebilder genannt ¿ die einen systematischen und regelmäßigen Informationsaustausch
von Polizei und Kommunen darstellten. Jeziorsky: ¿Durch das gemeinsame
Ermitteln örtlicher Schwerpunkte und das Vereinbaren verbindlicher Maßnahmen
kann schneller, gezielter und vor allem erfolgreicher vorgegangen werden.¿ Die
Erstellung gemeinsamer Lagebilder werde auch von kommunalen Vertretern als
richtiger Schritt akzeptiert. So habe beispielsweise der Oberbürgermeister der
Stadt Wernigerode, Ludwig Hoffmann, diesen Prozess als weiteren Baustein einer
guten Zusammenarbeit bezeichnet.
Wie der Minister
weiter mitteilte, gehe es oftmals darum, die vorhandenen Möglichkeiten
konsequent auszuschöpfen. Dies entspreche im Übrigen den Erwartungen der
Bürgerinnen und Bürger. Der Minister verwies in diesem Zusammenhang auf einen
Beschluss des kürzlich veranstalteten Schülerparlaments im Landtag von
Sachsen-Anhalt hin, der eine intensivere Umsetzung und Kontrolle der
vorhandenen jugendschutzrechtlichen Bestimmungen fordere und damit die
Bedeutung dieses Ansatzes unterstreiche. Angesichts der bestehenden Haushaltslage
halte er eine enge Kooperation von Polizei und Kommunen auch für dringend
geboten.
Die bisher
umgesetzten Maßnahmen und Projekte seien vielfältig. In allen Landkreisen und
den Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern sei der Prozess zur periodischen Erstellung
gemeinsamer Lagebilder angelaufen. Besonders intensiv mit dem ¿Instrument
Lagebild¿ befasse sich aktuell die Stadt Aschersleben. Dort werde gegenwärtig
die zweite Auflage einer kriminologischen Regionalanalyse erstellt, die im Wege
einer Bürgerbefragung die Einschätzungen und Erwartungen der Einwohnerinnen
und Einwohner zum Thema öffentliche Sicherheit beleuchte. Die Auswertung der
ersten kriminologischen Regionalanalyse habe seinerzeit u. a. zur Umgestaltung
von Räumen, in denen sich die Bürger unsicher fühlten (sogenannte Angsträume)
geführt. An den erkannten Orten wurde mit mehr Beleuchtung und einer
übersichtlicheren Bepflanzung dem Sicherheitsempfinden der Anwohner Rechnung
getragen.
Weitere
Beispiele:
Kriminalprävention
wird in der Stadt Magdeburg als Chefsache verstanden. Ein Kriminalpräventiver
Beirat unter Leitung des Oberbürgermeisters und der Polizeipräsidentin befasst
sich mit Fragen der Kriminalitätsverhütung in der Landeshauptstadt. Die
Stadtverwaltung ist mit ihrem gesamten Querschnitt eingebunden. Zu den
ständigen Arbeitsfeldern gehört z. B. das Phänomen Graffiti. Hier werden alle
zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten der Kommune zur
Gefahrenabwehr konsequent ausgeschöpft. So werden u. a. Mitführverbote von
Spraydosen schriftlich verfügt. Daneben werden auch Alternativen für Sprayer ¿
wie die Freigabe von Flächen ¿ angeboten. Eine ¿Graffiti-Streife¿ ist im
Stadtgebiet unterwegs, um neue Schmierereien festzustellen, damit deren
umgehende Beseitigung erfolgen kann. Die Polizeidirektion hat eine ständige
Ermittlungsgruppe Graffiti eingerichtet und damit die Voraussetzung für eine
wirksame Strafverfolgung geschaffen.
In der Stadt Halle
beteiligt die Oberbürgermeisterin in sogenannten Stadtteilkonferenzen die Polizei
unmittelbar an den Sitzungen um gemeinsam nach Lösungen in Fragen der inneren
Sicherheit zu suchen. Zwei erfolgreich arbeitende Netzwerke zu den Themen Drogen
und Graffiti mit unterschiedlichen kommunalen Trägern und der Polizei bestehen.
Aktuell ist ¿ gestützt auf das Lagebild ¿ beabsichtigt, Probleme gewaltbereiter
Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Halle gemeinsam mit der Stadt
aufzugreifen.
Im Burgenlandkreis
ist im November eine Projektwoche ¿Gewalt¿
unter Beteiligung des Jugendamtes und weiterer öffentlicher Träger
veranstaltet worden. Insbesondere die Kooperation mit Schulen wurde dabei
beleuchtet. Im Vorfeld sind 23 Schulen des Kreises zur Gewaltproblematik
befragt worden.
Die Stadt
Haldensleben und der Ohrekreis veranstalteten im Oktober 2005 einen öffentlichen
Workshop ¿Gemeinsam gegen häusliche Gewalt¿. Im Mittelpunkt standen dabei
Hilfsangebote für Betroffene.
Die Stadt Eisleben
hat mit dem zuständigen Polizeirevier die Kooperation auch im Wege einer
Sicherheitsvereinbarung geregelt.
In der Stadt Coswig
wurden Schmierereien und Beschädigungen an Bushaltestellen im Rahmen der
Schülerbeförderung ins Visier genommen. So wurde u. a. eine Busbegleiterin in
Absprache mit dem Beförderungsunternehmen eingesetzt. Dadurch konnte erfolgreich
Einfluss auf das Verhalten der Schüler genommen werden.
Die Polizeidirektion
Halberstadt hat gemeinsam mit den Kommunen für ihren Zuständigkeitsbereich
eine Musterkonzeption ausgearbeitet. Auf dieser Grundlage werden auf örtlicher
Ebene Sicherheitsprobleme aufgegriffen. Kriminalprävention lebt von der
Beteiligung. Es komme daher besonders darauf an, weitere Partner zu gewinnen.
Die Stadt Wernigerode greift dies gemeinsam mit der Polizei besonders
öffentlichkeitswirksam auf. Oberbürgermeister und Polizeipräsident verleihen
gemeinsam die ¿Gläserne Kripo-Marke¿ an Bürger, Firmen, Vereine oder Verbände,
die sich in der Stadt oder im Landkreis Wernigerode für Kriminalprävention und
weitere Belange der öffentlichen Sicherheit einsetzen.
Innenminister
Jeziorsky: ¿Es ist mir besonders wichtig, dass auch die Bedeutung des
Ehrenamtes in diesem Zusammenhang nicht vernachlässigt wird. Für ein
hervorragendes Beispiel halte ich die
bei einigen kommunalen Seniorenvertretungen angesiedelten Seniorensicherheitsberater
(Senioren beraten Senioren in Fragen der persönlichen Sicherheit). Die
bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass dieses Projekt auf sehr großes Interesse
stößt und nach den Erfahrungen aus Halle, Magdeburg und Bitterfeld nun auch in
weiteren Kommunen entsprechende Projekte eingerichtet werden.¿ Es gelte, den
eingeschlagenen Weg fortzusetzen und die Vielfalt der Kommunalen
Kriminalprävention weiter zu fördern.
Minister Klaus
Jeziorsky wies in diesem Zusammenhang auf eine für den 26.01.06 geplante Fachtagung
im Ministerium des Innern zum Thema Kommunale Kriminalprävention hin. Diese
Veranstaltung werde dazu dienen, für den weiteren Ausbau der Kriminalprävention
auf kommunaler Ebene zu werben.
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