Wirtschaftsminister Rehberger begrüßt
Engagement der NordLB:?
Auf Dauer sinnvollste Lösung für öffentliche Nutzung von Kloster und Schloss
Ilsenburg?
13.09.2005, Magdeburg – 125
- Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Ministerium für Wirtschaft und Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 125/05
Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit - Pressemitteilung Nr.: 125/05
Magdeburg, den 12. September 2005
Wirtschaftsminister Rehberger begrüßt
Engagement der NordLB:¿
Auf Dauer sinnvollste Lösung für öffentliche Nutzung von Kloster und Schloss
Ilsenburg¿
Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums zur aktuellen Berichterstattung
über das Schloss Ilsenburg:
Zur Vorgeschichte
Die Gründung des
Klosters Ilsenburg erfolgte im Jahre 1003. Neben dem Kloster Hirsau war es ein
Zentrum benediktinischer Reformen in Deutschland (Vorbild: Abtei Cluny). Im
Jahre 1572 wurde das Kloster durch Graf Christoph zu Stolberg-Wernigerode
erworben. Bis zur Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht (1945) war
es Familienbesitz. Danach verfielen die Klostergebäude, soweit sie die
Bauernkriege und den 30jährigen Krieg überstanden hatten. Lediglich das 1862
errichtete Schloss (Gästehaus für DDR-Prominenz) blieb erhalten. Nach der Wende
wurde die gesamte Anlage der Stadt Ilsenburg für 1 DM zum Kauf angeboten. Die
Stadt lehnte ab.
Um die noch aus dem Mittelalter
stammenden, inzwischen stark dem Verfall preisgegebenen Gebäude zu retten,
sammelte die Familie des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode schon in den 90er
Jahren über 700 000 DM, um erste Sanierungsmaßnahmen durchzuführen. Im Jahre
1993 verkaufte die Treuhand das gesamte Anwesen für 1,7 Mio. DM an einen
Hotelier aus Westdeutschland, der im einstigen Schloss ein Hotel errichtete.
Zur dringenden Sanierung der übrigen Klostergebäude fehlte ihm das Geld. Er
willigte deshalb im Jahre 2000 in den Vorschlag der Fürstin zu Stolberg ein,
die von ihm nicht genutzten, im Verfall befindlichen Gebäude (Refektorium und
Dormitorium) in die neu gegründete ¿Stiftung Kloster Ilsenburg¿ einzubringen.
Der Stiftungszweck wurde im § 2 der Stiftungssatzung wie folgt festgelegt:
¿Zweck
der Stiftung ist die Sanierung und Unterhaltung des Klosters Ilsenburg im Harz
einschließlich seiner Außenanlagen und seiner Öffnung für die Öffentlichkeit.¿
Die Stadt Ilsenburg stellt gemäß
§ 6 der Stiftungssatzung eines der drei Vorstandsmitglieder der Stiftung. Ohne
Zustimmung aller drei Vorstandsmitglieder kann die Satzung nicht abgeändert
werden (§ 12).
Insolvenz des Hotelbetriebs und
Verwertungsbemühungen der Nord/LB
Im
Jahre 2001 meldete der Inhaber des Schlosshotels Insolvenz an. Zwischen 2002 und 2004 fanden dann auf Betreiben des
Hauptgläubigers, der Norddeutschen Landesbank, vier Zwangsversteigerungstermine
statt. Es fanden sich jedoch keine Bieter, oder aber das Mindestgebot wurde
nicht erreicht. Der bauliche Zustand des leer stehenden Schlosshotels
verschlechterte sich zunehmend. Unter diesen Umständen gab es für
die Nord/LB im Jahre 2005 drei Optionen:
1. Fortdauer
des Status quo und damit eines fortschreitenden Verfalls des Schlosses einschließlich
der damit verbundenen schleichenden Entwertung und der negativen Auswirkungen
auf die touristische Entwicklung der Stadt Ilsenburg.
2. Herabsetzung
des Mindestgebots für das auf 1,8 Mio. Euro geschätzte Gebäude auf einen
symbolischen Preis von 100 000 oder 200 000 Euro, was einer weitgehenden Schenkung
an einen privaten Unternehmer gleich gekommen wäre, ohne dass die öffentlichen
Hand irgend einen Einfluss auf die zukünftige Nutzung des Gebäudes hätte nehmen
können.
3. Festlegung
des Mindestgebots ¿ wie geschehen ¿ auf 385 000 Euro und Gewährung eines Betrags
von 360 000 Euro an die Stiftung Kloster Ilsenburg, um sicherzustellen, dass im
Falle sehr niedriger Gebote von Dritten das Schloss von der Stiftung
übernommen, saniert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden
kann. Mit dem Betrag von 360 000 Euro stand die Obergrenze fest, die als
Zuwendung an die Stiftung Kloster Ilsenburg aus Sicht der Nord/LB in Betracht
kommen konnte. Bei einem höheren Gebot von Dritten, das ein Zeichen des
ernsthaften Engagements zur Sanierung und Nutzung des Schlosses gewesen wäre,
hätte das Verwertungsinteresse der Bank dagegen Vorrang gehabt.
Beim
Versteigerungstermin vom 19.07.2005 wurde das Mindestgebot von 385 000 Euro nur
von der Stiftung Kloster Ilsenburg, nicht aber von dritter Seite erreicht. Ein
Zuschlag an einen Dritten konnte demnach schon aus rechtlichen Gründen nicht
erfolgen. Der einzige Anbieter, der außer der Stiftung an dem Termin teilnahm,
wollte lediglich 200 000 Euro bezahlen. Er konnte demnach auf keinen Fall den
Zuschlag erhalten, selbst wenn die Stiftung nicht mit geboten hätte. Angeblich
hatte dieser Bieter die Absicht, in den Ausbau des Schlosshotels 1,5 Mio. Euro
zu stecken.
Angesichts
der seit Jahren laufenden und vor dem 19.07.2005 stets ergebnislosen Bemühungen
der Nord/LB, das Objekt durch Verkauf zu verwerten, läuft der Vorgang auf eine
Schenkung der Nord/LB an die Stiftung in Höhe von 175 000 Euro hinaus. Der
private Anbieter wollte 200 000 Euro zahlen, von der Stiftung erhielt die
Nord/LB 25.000 Euro.
Bemühungen des
Wirtschaftsministeriums um eine touristisch tragfähige Lösung:
Im
Frühjahr 2005 wandte sich die Vorsitzende der Stiftung Kloster Ilsenburg Hilfe
suchend an den Wirtschaftsminister.
Sie
verwies auf den immer bedenklicher werdenden Zustand des ehemaligen
Schlosshotels sowie die Chance, mangels potenter Investoren das Gebäude, wie
seit vielen Jahren geplant, als Gästehaus in die angestrebte anspruchsvolle
kulturelle und spirituelle Begegnungsstätte Kloster Ilsenburg einzubeziehen.
Für den Service und den gastronomischen Betrieb im Gästehaus stehe ein
anerkannter Gastronom und Hotelier aus Ilsenburg zur Verfügung.
Aus
der Sicht des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit ist dieses Konzept
schlüssig und realisierbar. Der Minister wandte sich deshalb an den Vorstand
der Nord/LB und bat um Prüfung, ob die Landesbank mangels seriöser und
leistungsfähiger Hotel-Investoren dem Wunsche der Stiftung folgen und die
Zusammenfügung aller Gebäude des Klosters in der Stiftung ermöglichen könne. Dadurch sei eine auf Dauer tragfähige, sinnvolle
Nutzung und die Zugänglichkeit des gesamten Klosters für die Öffentlichkeit
gesichert. Nach Prüfung der vom Wirtschaftsminister unterstützten
Bitte der Stiftung hat der Vorstand der Bank dankenswerter Weise der Stiftung
einen Betrag in Höhe von 360 000 Euro zur Verfügung gestellt, um ihr die Chance
des Erwerbs zu eröffnen.
Aus
der Sicht des Wirtschaftsministeriums wurden auf diese Weise in Ilsenburg
wichtige touristische Zielsetzungen erreicht:
1. Das
ehemalige Schlosshotel verfällt nicht weiter, sondern wird als Gästehaus der
Stiftung erneuert und ausgebaut.
2. Als
Teil des Klosters Ilsenburg wird das Gebäude mit den anderen Baulichkeiten rechtlich
und nutzungsseitig wieder zusammen geführt und dauerhaft der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.
3. Das
Bettenangebot der ¿normalen¿ Hotellerie wird durch diesen Vorgang nicht erhöht.
Angesichts einer durchschnittlichen Bettenauslastung von lediglich rund 30 % in
Ilsenburg und im Ostharz läuft nämlich bis auf weiteres jede Aufstockung des
Bettenangebots in der Hotellerie auf eine Umverteilung von Hotelgästen (und
damit auch auf eine Umverteilung von Arbeitsplätzen) hinaus. Eine Erhöhung des
Bettenangebots ist deshalb nur in Ausnahmefällen sinnvoll, nämlich dann, wenn
ein Personenkreis angesprochen wird, der nicht in einem Hotel unterkommen will.
Seit 2003 hat deshalb das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit die Förderung
von Investitionen im Bereich der Hotellerie eingestellt.
Wirtschaftsminister Dr. Horst Rehberger
dankt der Stiftung Kloster Ilsenburg sowie der ¿Gesellschaft der Freunde und
Förderer Kloster Ilsenburg e.V.¿, der prominente Persönlichkeiten aus Politik
und Wirtschaft angehören, für ihr zum Teil seit 15 Jahren erfolgreiches
Engagements zugunsten der Wiederherstellung und öffentlichen Zugänglichkeit des
Klosters Ilsenburg. Immerhin ist es so gelungen, Sanierungsmaßnahmen in Höhe
von 1,7 Mio. Euro durchzuführen. Motor der Stiftung und des Freundeskreises ist
die Fürstin zu Stolberg-Wernigerode. Ihr gilt deswegen ein ganz besonders
herzliches Dankeschön. Ein besonderer Dank gilt aber auch der Nord/LB, die
durch ihre Schenkung in Höhe von 175.000 Euro an die gemeinnützige Stiftung
Kloster Ilsenburg einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Harzregion
in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht erbracht hat.
Die Nord/LB hat mit ihrem Vorgehen auch einer Forderung des Landes
Sachsen-Anhalt Rechnung getragen, dessen Finanzminister anlässlich der
Aufstockung des Landesanteils um 150 Mio. Euro im Jahre 2005 an den Vorstand
der Bank u. a. folgendes geschrieben hat:
¿Im Kern geht es darum, dass die Nord/LB ¿ und zwar mehr als bisher ¿
als Landesbank für Sachsen-Anhalt in Erscheinung tritt. ... Für die Förderung
gemeinnütziger Projekte bedarf es eines
angemessenen Beitrags der Nord/LB zu den kulturellen und sozialen Belangen der
Region. Es gilt dabei, die Akzeptanz der Nord/LB als Landesbank für
Sachsen-Anhalt auch bei jenen zu vertiefen, die geschäftlich nicht mit ihr zu
tun haben.¿
Impressum:
Ministerium für Wirtschaft und
Arbeit
Pressestelle
Hasselbachstr. 4
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567 - 43 16
Fax: (0391) 567 - 44 43
Mail: pressestelle@mw.lsa-net.de
Impressum:Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierungdes Landes Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hasselbachstr. 4
39104 Magdeburg
Tel.: +49 391 567-4316
Fax: +49 391 567-4443E-Mail: presse@mw.sachsen-anhalt.deWeb: www.mw.sachsen-anhalt.deTwitter: www.twitter.com/mwsachsenanhaltInstagram: www.instagram.com/mw_sachsenanhalt






