Extreme in Sachsen-Anhalts Wäldern: Bericht 2004 weist mehr gesunde und mehr kranke Bäume aus/Ministerin Wernicke: Der Wald braucht keine Ruhe, der Wald braucht Aktion
13.12.2004, Magdeburg – 201
- Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt - Pressemitteilung Nr.: 201/04
Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt
Pressemitteilung Nr.: 201/04
Magdeburg, den 13. Dezember 2004
Extreme in Sachsen-Anhalts Wäldern: Bericht 2004 weist mehr gesunde und mehr kranke Bäume aus/Ministerin Wernicke: Der Wald braucht keine Ruhe, der Wald braucht Aktion
In Sachsen-Anhalts Wäldern ist im zurück liegenden Jahr sowohl der Anteil der gesunden Bäume als auch der Bestand der deutlich geschädigten Gehölze deutlich gestiegen. Das geht aus dem Waldschadensbericht 2004 hervor, den Landwirtschafts- und Umweltministerin Petra Wernicke am Montag in Magdeburg vorgelegt hat.
Demnach kann 43 Prozent des Waldbestandes ein tadelloses Attest ausgestellt werden. Gegenüber dem Jahr 2003 ist das eine Steigerung von sieben Prozentpunkten. Zugleich muss aber auch bilanziert werden, dass 25 Prozent der Waldbäume deutliche Schäden aufweisen. Jeder vierte Baum ist sichtbar krank. Gegenüber 2003 ist das eine Steigerung um vier Prozentpunkte.
Wernicke betonte: "Die Ursachen für den Waldzustand unterscheiden sich in Sachsen-Anhalt nicht von denen im Bundesvergleich. Da sind neben der extremen Hitze und Trockenheit des Jahres 2003 natürlich Waldschädlinge. Da schlagen Luftverunreinigungen ebenso zu Buche, die dann zu übersäuerten Böden führen. Der deutsche Wald leidet aber auch darunter, dass zu wenig Holz geschlagen wird. Nur wenn altes Holz aus dem Wald verschwindet, schaffen wir Platz für junge Bäume und machen somit den Weg frei für eine gesunde Durchmischung des Waldes."
Wernicke sagte: "Es ist ein fataler Trugschluss, zu meinen, wir müssten den Wald nur einfach in Ruhe lassen, und alles wird gut. Der Wald braucht keine Ruhe, der Wald braucht Aktion." Zudem mahnte die Ministerin: "Die Politik allein kann es nicht richten. Jeder hat es mit seinem Verhalten selbst in der Hand, dem Wald zu schaden oder zu nützen! Es ist nämlich ¿ auch für den Wald - nicht unerheblich, ob wir schadstoffarme Autos fahren, energiesparende Geräte im Haushalt verwenden oder aber Holzprodukte aus der Region kaufen oder nicht. Nicht zuletzt führt ein gesteigerter Absatz für einheimisches Holz auch dazu, dass mehr geschlagen wird."
Zu Detailergebnissen aus dem Waldschadensbericht:
Am weitesten verbreitet und gesündeste Baumart in Sachsen-Anhalt ist und bleibt die Kiefer . Mit neun Prozent nahm der Anteil der deutlich geschädigten Bäume im Jahresvergleich sogar noch ab. Im Jahr 2003 waren elf Prozent der Kiefern als krank eingestuft worden. Diese Positiventwicklung ist bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, dass in 2004 nadelfressende Schmetterlingsraupen wie die Nonne und der Spinner auf einer größeren Fläche als noch 2003 auftraten.
Die Fichte hat hingegen stark auf die Trockenheit reagiert. Der Anteil deutlich geschädigter Fichten liegt bei 37 Prozent. Das ist der höchste Wert in der 14-jährigen Geschichte der Schadenserhebung. Die über 60 Jahre alten Fichten sind dabei besonders gezeichnet (65 Prozent).
Geschwächte Fichten waren zudem ein gefundenes Fressen für den Schädling Buchdrucker. Die unter der Rinde fressenden Larven bringen die entkräfteten Bäume zum Absterben. Eine weitere Ursache für den schlechten Zustand war der in diesem Jahr extrem starke Zapfenbehang an den Fichten. Das ist für den Anblick zwar imposant, für die Fichte ist dies jedoch physiologisch belastend.
Sorgenkind 2004 ist die Buche , die noch im Jahr zuvor eine Positiventwicklung hatte verbuchen können. Jetzt müssen zwei von drei Bäumen oder 66 Prozent als unübersehbar krank eingeschätzt werden. Lediglich 16 Prozent des Bestandes ist gesund. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hatte sich der Anteil der deutlich geschädigten Buchen gegenüber 2002 um acht Prozentpunkte auf 34 Prozent verringert. Dagegen galten 37 Prozent der Buchen im Jahr 2003 als gesund.
Weitere Verschlechterungen müssen auch für die Eiche hingenommen werden. Rund 53 Prozent der Eichen weisen deutliche Schäden auf, das sind noch einmal zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei den über 60jährigen Eichen waren 71 Prozent deutlich geschädigt. Lediglich minimale 3 Prozent der älteren Eichen sind äußerlich betrachtet ohne Schadmerkmale.
Zur Zeitenreihe des Waldschadensberichtes
In Sachsen-Anhalt wurde 2004 die vierzehnte Waldschadenserhebung im Folge durchgeführt. Der erste Waldschadensbericht 1991 wies für mehr als jeden dritten Baum ¿ oder 34 Prozent des Gesamtbestandes - deutliche Schäden auf. Lediglich 28 Prozent des Waldes war eine tadellose Gesundheit attestiert worden.
Waldschäden Sachsen-Anhalt 1991, 2003 und 2004
(in Prozent der jeweiligen Baumart)
Baumart
Jahr
Nicht
geschädigt
Schadstufe 0
Schwach
geschädigt
Schadstufe 1
Deutlich
geschädigt
Schadstufe 2-4
Fichte
1991
2003
2004
45
45
37
34
30
26
21
25
37
Kiefer
1991
2003
2004
19
39
57
41
50
34
40
11
9
Buche
1991
2003
2004
42
37
16
47
29
18
11
34
66
Eiche
1991
2003
2004
23
21
16
33
36
30
44
43
53
Alle Arten
1991
2003
2004
28
36
43
38
43
32
34
21
25
Zur Methode:
Das Land wird virtuell in vier mal vier Kilometer große Quadrate eingeteilt. An den Eckpunkten werden Aufnahmepunkte angelegt. An diesen in der Summe 274 Aufnahmepunkten werden exakt 6.576 Probebäume erfasst ¿ davon sind rund 53 Prozent die Gemeine Kiefer, zwölf Prozent die Gemeine Fichte, sieben Prozent Rotbuche und zehn Prozent Trauben- und Stieleiche.
Sachsen-Anhalt zählt mit einem Waldanteil von rund 24 Prozent zu den eher waldärmeren Bundesländern.
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