Vereinfachungsvorschlag für
Chemikalien-Registriersystem der EU/ Staatssekretär Aeikens: Je risikoreicher
eine Chemikalie ist, desto mehr müssen wir über sie wissen
30.11.2004, Magdeburg – 509
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 509/04
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 509/04
Magdeburg, den 30. November 2004
Vereinfachungsvorschlag für
Chemikalien-Registriersystem der EU/ Staatssekretär Aeikens: Je risikoreicher
eine Chemikalie ist, desto mehr müssen wir über sie wissen
Sachsen-Anhalt wird einen
Vereinfachungsvorschlag zum geplanten europäischen Registriersystem für
Chemikalien (REACH) in die aktuelle Diskussion in Brüssel einbringen. Das
Papier wurde gemeinsam mit Verbänden, Betrieben, Kammern und Landesregierung
erarbeitet und heute im Kabinett beraten.
Im Kern handelt es sich um ein einfaches,
praxisgerechtes Dreistufensystem aus
Inventarisierung, risikobezogener Priorisierung und Registrierung. Die
Erfassung der Chemikalien wird nach Risikogruppen und konkretem
Gefährdungspotential gestaffelt. Umweltstaatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens
betonte: "Je risikoreicher eine Chemikalie ist, desto mehr müssen wir über
sie wissen. Im Umkehrschluss heißt das, wir müssen nicht Berge an
wissenschaftlichen Untersuchungen für harmlose Substanzen durchführen."
Das Dreistufensystem wird auch vom Verband der Chemischen Industrie (VDI) vertreten.
Der Vorschlag Sachsen-Anhalts würde vor allem
Betriebe entlasten, die mit risikoarmen Chemikalien arbeiten. Solche Chemikalien
sollen anhand der in jedem Betrieb vorhanden Kerninformationen
(physikalisch-chemische, toxikologische und Umwelteigenschaften) in der
geplanten europäischen Agentur für Chemikalien registriert werden. Sofortige
und umfangreiche Zusatzuntersuchungen würden dagegen notwendig bei bedenklichen
Stoffen, bei Stoffen, die in großen Mengen entstehen und die an besonders viele
Stellen gelangen, an denen sie Schäden hervorrufen können.
Der 1200-seitige Verordnungsvorschlag der EU
unterscheidet dagegen nicht zwischen risikoärmeren und risikoreicheren Stoffen.
Statt dessen werden ab einer bestimmten Herstellungsmenge automatisch äußerst
umfangreiche Untersuchungen gefordert.
Staatssekretär Aeikens: "Davon hat die
Umwelt wenig. Je risikoreicher ein Stoff ist, desto mehr müssen wir ihn
untersuchen und nicht alle Stoffe gleich intensiv. Außerdem sind 1200 Seiten
Verordnungstext eine Zumutung, unabhängig davon, wie gut das Ziel gemeint ist
."
Das heute vorgelegte Papier steht im
Zusammenhang mit der "Hallenser Erklärung" von Verbänden, Betrieben,
Kammern und Landesregierung vom 6. Februar 2004. Darin hatten sich die
Beteiligten bereits für ein praktikables, Zeit und Kosten sparendes Verfahren
bei der geplanten europaweiten Registrierung von chemischen Stoffen (REACH) ausgesprochen.
Hintergrund:
Das Registriersystem (REACH) ist Teil der
europäischen Chemikalienverordnung, die das Ziel verfolgt, das europäische
Chemikalienrecht zu vereinfachen und dadurch Umweltschutz und Wirtschaft für
den globalen Wettbewerb zu stärken. Bisher steht noch kein Einführungsdatum für
REACH fest.
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