Landtagsfestakt zum Tag der deutschen
Einheit/ Ministerpräsident Böhmer warnt vor Verschärfung in der
Ost-West-Diskussion
30.09.2004, Magdeburg – 398
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 398/04
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 398/04
Magdeburg, den 30. September 2004
Landtagsfestakt zum Tag der deutschen
Einheit/ Ministerpräsident Böhmer warnt vor Verschärfung in der
Ost-West-Diskussion
Auf der Festveranstaltung des
Landtages von Sachsen-Anhalt zum Tag der deutschen Einheit hat heute
Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer in Stendal vor einer Verschärfung
in der Ost-West-Diskussion gewarnt. Es sei wichtig, dass es insgesamt in
Deutschland wieder vorwärts gehe und dass der weitere Aufbau Ost eine gute und
verlässliche Perspektive habe. Dies sei ohne die Bereitschaft zu Reformen und
Veränderungen nicht zu erreichen.
Er sei überzeugt, so Böhmer,
dass die Menschen in Deutschland bereit seien, notwendige Reformen mitzutragen,
auch wenn dies mit Einschnitten bei sozialen Leistungen verbunden sei.
Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Politik es verstehe, ihre Ziele mit
Klarheit und Aufrichtigkeit den Menschen zu vermitteln. Dies sei bei der
Umsetzung von Hartz IV nicht ausreichend geschehen.
Man müsse aufpassen, dass der
notwendige Wandel in Deutschland nicht dazu führe, dass die Solidarität
zwischen Ost und West infrage gestellt und der weitere Aufbau Ost gefährdet
werde. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Kritik an Reformen zu einer
generellen Systemkritik werde und die Menschen sich völlig von der Politik
abwenden. Extremistische Parteien und Gruppierungen könnten dies ausnutzen und
versuchen, daraus dauerhaft Kapital zu schlagen.
14 Jahre nach der Wiedervereinigung
werde immer deutlicher, dass der Aufbau Ost langwieriger sei als ursprünglich
erwartet. Dies sei jedoch kein Grund, ihn insgesamt in Frage zu stellen.
Interessant sei, mit welch unterschiedlichen Argumenten dies derzeit geschehe,
so Böhmer. Da lese er in der Zeitung von der Klage westdeutscher Kommunalpolitiker
über prachtvoll sanierte Städte im Osten und ein paar Seiten weiter von der
Verödung und dem Zerfall ganzer Stadtteile in den ostdeutschen Kommunen. Weder
die Behauptung, der Osten habe nun genug bekommen, noch die Festsstellung, der
Osten sei ein Fass ohne Boden, entspräche jedoch den Tatsachen, so der
Ministerpräsident.
Vielmehr müssten die Deutschen
lernen, mit Unterschieden zu leben. Unterschiede gebe es innerhalb Deutschlands
schon immer, ebenso wie innerhalb von Regionen, Städten oder auch der
wirtschaftlichen Entwicklung. Der negativen Entwicklung im ostdeutschen
Baugewerbe stehe beispielsweise eine sehr positive Entwicklung im
verarbeitenden Gewerbe gegenüber. Hier gebe es inzwischen stärkere
Wachstumsraten als in den alten Ländern.
Man müsse sich von der
Vorstellung verabschieden, so Böhmer, als ließen sich alle Unterschiede durch
staatliche Förderung einebnen. Diese Erkenntnis dürfe jedoch nicht dazu
verleiten, über das Ziel hinauszuschießen und ganze Regionen abzuschreiben.
Aufgabe der Politik sei es nämlich auch, Chancengleichheit für die Menschen zu
ermöglichen. Eine Region wie die Altmark werde als Industriestandort gewiss nie
mit dem Süden Deutschlands konkurrieren können. Dennoch sei es sinnvoll gewesen,
Investitionsvorhaben, die in die Region passten, wie z. B. das Zellstoffwerk
und Unternehmen aus dem Bereich der Automobilzulieferer zu fördern.
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