Auswärtige Kabinettssitzung in Bitterfeld:
Exportquote über dem Landesdurchschnitt/ Landkreis weiter Schwerpunkt der
Altlastensanierung
06.04.2004, Magdeburg – 133
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 133/04
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 133/04
Magdeburg, den 6. April 2004
Auswärtige Kabinettssitzung in Bitterfeld:
Exportquote über dem Landesdurchschnitt/ Landkreis weiter Schwerpunkt der
Altlastensanierung
Die Landesregierung ist heute zu einer
auswärtigen Kabinettssitzung in Bitterfeld zusammengekommen. Auf der
Tagesordnung standen neben allgemeinen auch regionalspezifische Themen wie die
wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt und dem Landkreis Bitterfeld, Infrastrukturmaßnahmen,
die kulturelle und soziale Förderung, die Altlastensanierung sowie die
Teilentschuldung der Abwasserverbände.
Der Chef der Staatskanzlei,
Staatsminister Rainer Robra, hob vor der Presse hervor, dass das Land auch
weiterhin infrastrukturelle Maßnahmen in der Region Bitterfeld fördern werde.
Aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe Ost seien von 1991 bis Februar 2004 im Landkreis
389 Projekte mit einem Gesamtinvestitionsumfang von drei Mrd. Euro mit 865 Mio. Euro bezuschusst worden. Diese Investitionen wurden fast
ausschließlich im Bereich der gewerblichen Wirtschaft getätigt. Insgesamt
konnten damit 15.622 Arbeitsplätze neu geschaffen bzw. gesichert werden (7.570
neue Arbeitsplätze). Prägend ist die chemische Industrie, die über 40 % des
industriellen Umsatzes im Landkreis erwirtschaftet. Der Chemiepark Bitterfeld
ist flächenmäßig der größte in Europa. Besonders erfreulich hat sich die
Exportquote entwickelt. Sie liegt bei 30 % und damit 10 Prozentpunkte über dem
Landesdurchschnitt.
Für die Sanierung der Tagebaue im
Landkreis Bitterfeld wurden bis Ende 2003 ca. 350 Mio. Euro und für die
Sanierung des Veredlungsstandortes Holzweißig ca. 20 Mio. Euro aus den
Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung verwendet. 2004 und in den Folgejahren
stünden u. a. folgende Schwerpunkte zur Grundsanierung an: Flutung des
Tagebaurestloches Goitzsche und der Restlöcher Köckern und Gröbern, Schaffung
natürlicher und nachsorgefreier Abläufe der Tagebaurestlöcher,
Verbindungsgräben zwischen den Restlöchern Holzweißig und Goitzsche. Auch seien
im vergangenen Jahr diverse Maßnahmen gegen den Grundwasserwiederanstieg
ergriffen worden. Ein weiterer Schwerpunkt bleibe die Beseitigung der Hochwasserschäden
vom August 2002, wofür in den vergangenen beiden Jahren 5,5 Mio. Euro bereitgestellt
worden seien. Folgende Maßnahmen konnten bereits abgeschlossen werden:
Errichtung einer schwimmenden Pumpstation zur Wasserstandshaltung im
Tagebaurestloch Goitzsche, Sicherung und Reparatur der Landstraße
Pouch-Löbnitz, Errichtung von Grundwassermessstellen und Pegeln, Notreparatur
des Lober-Leine-Kanals, Beginn der Sanierung von zerstörten Wegen und
Wiederanpflanzungen.
Der Landkreis Bitterfeld ist auch in
zwei touristische Förderpräferenzen des Landes eingebunden: das ¿Blaue Band¿
(Goitzsche, Mulde-Muldetalradweg) und die ¿Gartenträume¿ (Gut und Gutspark Alt
Jeßnitz, Landschaftspark Goitzsche/Pouch).
Staatsminister Robra hob auch die
erfolgreiche Teilentschuldung von
Abwasserzweckverbänden im Landkreis Bitterfeld hervor.
Demnach hat das Land gut 14,5
Millionen Euro an Verbindlichkeiten für fünf ehemals hoch verschuldete
Abwasserzweckverbände übernommen. Zugleich wurde den Verbänden die
Rückerstattung von Sanierungshilfen in Höhe von 32,6 Millionen Euro erlassen.
Dieses Ergebnis könne sich sehen lassen. Es seien wirtschaftlich tragfähig
arbeitende Zweckverbände entstanden, die Abwasserpreise seien für die Bürger
noch vertretbar. Insgesamt habe das Land für das in diesem Jahr auslaufende
Teilentschuldungsprogramm mehr als 160 Millionen Euro aktiviert.
Im Einzelnen hat das Land im
Landkreis Bitterfeld die Abwasserzweckverbände Raguhn und Zörbig mit zusammen
rund 8,3 Millionen Euro entschuldet und auf die Rückzahlung von rund 3,6
Millionen Euro Sanierungshilfe verzichtet. Im Gegenzug haben sich die beiden
Verbände zusammengeschlossen sowie unter anderem die Schmutz- und Niederschlagswasserentsorgung
neu strukturiert. Der Verband Raguhn hatte vor der Teilentschuldung in den
Jahren 2000/2001 eine Kosten deckende Gebühr von durchschnittlich 10,48 Euro je
Kubikmeter veranschlagt. Nach der Teilentschuldung konnte die durchschnittliche
Gebühr fast halbiert werden auf 5,8 Euro je Kubikmeter. Zusammengeschlossen
haben sich auch die Abwasserzweckverbände Wolfen und Untere Mulde. Dafür wurde
ihnen die Rückerstattung von 29 Millionen Euro Sanierungshilfen erlassen. Der
neue Verband hat seine Betriebsführung durch ein Wasser-Unternehmen optimiert.
Damit können pro Jahr rund eine Million Euro gespart werden. Der Trink- und
Abwasserzweckverband Schmerzbach wurde mit knapp 6,2 Millionen Euro
entschuldet. Grundlage ist die vereinbarte Zusammenarbeit und Bildung einer
gemeinsamen Geschäftsführung mit dem Zweckverband Mühlgraben.
Der Landkreis Bitterfeld ist
auch 2004 Schwerpunktgebiet der Altlastensanierung
in Sachsen-Anhalt. Mit einem Mittelvolumen von 36,4 Millionen Euro geht mehr
als jeder dritte Euro, der in diesem Jahr für Altlastensanierung in
Sachsen-Anhalt aufgewendet wird, in die durch Chemie und Bergbau geprägte
Region. Insgesamt stehen in Sachsen-Anhalt für 2004 rund 98 Millionen Euro für
die Altlastensanierung bereit.
Altlastensanierung ist nach
Auffassung der Landesregierung aktive Wirtschaftsförderung. Mehr als 488
Millionen Euro sind seit 1992 im Rahmen der Altlastenfreistellung in Sachsen-Anhalt
aufgewendet worden, davon mehr als 103 Millionen Euro für die Region
Bitterfeld. Experten gehen davon aus, dass die wesentlichen
Boden-Sanierungsarbeiten in zehn bis 15 Jahren abgeschlossen sein können. Die
Grundwassersanierung bleibe hingegen ein dauerndes Geschäft. Hierfür werden ab
dem Jahr 2005 jährlich rund 17 Millionen Euro benötigt.
Mit Blick auf die
Olympia-Bewerbung der Stadt Leipzig will die Landesregierung den Bau der
Ortsumgehung Brehna sowie die Erweiterung der Autobahn
A9 zügig umzusetzen. Derzeit laufen parallel zu den bereits
vergebenen Arbeiten an der A9, Ausfahrt Zörbig bis Ausfahrt Halle-Brehna, die
Ausschreibungen für die beiden Bauabschnitte der Ortsumgehung Brehna.
Im Rahmen des so
genannten Schnittstellenprogramms plant die Landesregierung in der Stadt Wolfen
den Kauf des Bahnhofsgebäudes. Die planerische Umsetzung eines Konzeptes, das
eine Nutzung als Verwaltungsgebäude vorsieht, sei allerdings an die Mitwirkung
der Deutschen Bahn AG (DB) gebunden. Nach Ausbaumaßnahmen der DB sollen der
Bahnhofstunnel grundhaft erneuert und nicht mehr benötigte Gleisanlagen
zurückgebaut werden. Voraussichtlich im Jahr 2010/11 werde das Mehrjahresprogramm
des Landes umgesetzt sein.
Auf sozialpolitischem Gebiet sind in den vergangenen Jahren (1998-2004) im Landkreis Bitterfeld
Projekte in einem Umfang von rund 100 Millionen Euro gefördert worden. Damit
konnte die soziale Infrastruktur in der Region maßgeblich verbessert werden.
Mehr als die Hälfte dieser Fördergelder floss beispielsweise in
Krankenhaus-Bauvorhaben, um die akutstationäre Versorgung der Bevölkerung im
Landkreis zu optimieren. Mit mehr als 27 Millionen Euro Landes- und Bundesgeld
wurden Alten- und Pflegeheime saniert oder neu gebaut.
Weitere
Investitionsschwerpunkte des Landes in der Region sind Behinderteneinrichtungen
und Kindertagesstätten. So wurden seit 1998 mehr als 4,8 Millionen Euro für
Sanierung und Bau von Behinderteneinrichtungen bereitgestellt. Derzeit wird der
Neubau für eine Fördergruppe an der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in
Wolfen des Diakonievereins e.V. Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen mit 18
Plätzen gefördert. Die Landesförderung liegt bei rund 400.000 Euro. 1,4
Millionen Euro investierte das Land in den vergangenen Jahren im Landkreis
Bitterfeld in die Sanierung und den Neubau von Kindertageseinrichtungen. So
wurden der Um- und Ausbau der Kindertagesstätte und des Familienzentrums ¿Christopherushaus¿
in Wolfen vom Land gefördert. In diesem Jahr hat das Land mit dem
Familienzentrum in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde
Friedenskirche Wolfen - Nord einen Zuwendungsvertrag zur Förderung der
sozialpädagogischen Arbeit geschlossen. In Bitterfeld selbst laufen derzeit die
Umbauarbeiten in der KiTa ¿Knirpsenland¿, die das Land mit rund 336.000 Euro
bezuschusst. Das Bauvorhaben soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Für die Kulturförderung
wurden aus Landesmitteln für den gesamten Landkreis im letzten Jahr rund
866.000 Euro zur Verfügung gestellt. Sie flossen vor allem in die Traditions-,
Heimat- und Musikpflege sowie in Museen. So wurde beispielsweise die
Ausstellung ¿Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in Bitterfeld-Wolfen¿ 2003 mit
31.000 ¿ und 2004 mit 10.000 ¿ gefördert. Das Industrie- und Filmmuseum Wolfen
erhält in diesem Jahr 76.000 ¿, die Kreismusikschule Bitterfeld bekam 2003 rund
100.900 ¿.
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