Rede von Finanzminister Karl-Heinz Paqué zum
Antrag der Fraktion der PDS ?Stärkung der Gemeindefinanzen? (zu TOP 7, 36.
Sitzung des Landtages am 5. März 2004)
01.04.2004, Magdeburg – 14
- Ministerium der Finanzen
Ministerium der Finanzen - Pressemitteilung Nr.: 14/04
Ministerium der Finanzen -
Pressemitteilung Nr.: 14/04
Magdeburg, den 5. März 2004
Rede von Finanzminister Karl-Heinz Paqué zum
Antrag der Fraktion der PDS ¿Stärkung der Gemeindefinanzen¿ (zu TOP 7, 36.
Sitzung des Landtages am 5. März 2004)
Es gilt das gesprochene
Wort!
Anrede,
der
vorliegende Antrag der PDS hat ohne Zweifel ein löbliches Ziel: Die
Gemeindefinanzen sollen gestärkt werden. Wir, die Landesregierung, teilen
dieses Ziel. Auch wir sind der Meinung, dass auf Dauer in Deutschland mehr Geld
in den kommunalen Kassen sein muss, damit die Aufgaben der Kommunen vernünftig
erledigt werden können. Einen Dissens gibt es also nicht um das Ziel, wohl aber
um die Mittel.
Der vorliegende Antrag der
Fraktion der PDS, der zeigt dies einmal mehr. Als Ganzes vermittelt der Antrag
den Eindruck, man müsse nur die Steuern erhöhen und das Geld zu den Kommunen
umverteilen, und alles würde gut. Wir, die Regierung und die regierungstragenden
Fraktionen, wir wissen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren kann:
Eine Modernisierung der Gewerbesteuer, wie sie die PDS anstrebt, heißt doch im
Klartext: Steuererhöhung für die Unternehmen. Und wie die konkret aussähe, das
haben wir bei den Vorschlägen zur Gemeindewirtschaftssteuer der Bundesregierung
studieren dürfen: Einführung von ertragsunabhängigen Elementen der Besteuerung
(sprich: Besteuerung von Betriebsausgaben), die gerade den ertragsschwachen
Mittelstand in Mittel- und Ostdeutschland gefährden, und die Besteuerung von
freiberuflich Tätigen.
Anrede,
wir sind froh darüber, dass wir mit unserem Einfluss im Vermittelungsausschuss
dies verhindert haben. Wir müssen endlich aufhören zu glauben, eine Kuh weiter
melken zu können, die einfach nicht mehr Milch geben kann. Und wir müssen aufhören,
zu versuchen, immer noch mehr Tiere als ¿Kühe¿ zu definieren und anschließend
zu versuchen, auch die noch zu melken. Hätten wir der sog. Revitalisierung der
Gewerbesteuer im Vermittlungsausschuss zugestimmt, dann hätten wir genau dies
getan ¿ und damit die Weichen gestellt für eine mittelstandsfeindliche Politik,
die Arbeitsplätze zerstört und auf Dauer die Steuereinnahmen der Kommunen drastisch
senkt.
Anrede,
aus Sicht der Landesregierung muss die Reformdebatte in eine ganz andere
Richtung gehen. Wir müssen zunächst einmal Prioritäten setzen, wir müssen
fragen, was wir uns leisten können, was wir uns leisten wollen und wie wir die
Aufgaben, die der Staat erfüllen muss, finanziell günstiger gestalten können.
Aber klar ist auch, dass Sparen allein nicht reichen wird. Was wir brauchen,
ist eine wachstumsorientierte Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland für
mehr Wachstum und Beschäftigung, und da war das Ergebnis des Vermittlungsausschusses
nur ein erster Schritt. Der Bund steht in der Pflicht, die Reformpolitik
fortzusetzen. Und die Landesregierung ist selbstverständlich bereit, in
politischen Kompromissen sinnvolle Reformen mitzutragen, auch wenn sie im
Einzelfall nicht mit allen Details einverstanden ist.
Anrede,
erlauben Sie mir auch eine Bemerkung zu einigen Fakten, die von der PDS
dargestellt werden. Da gibt es nämlich Behauptungen, die keine sind, weil sie
nicht stimmen. Dies gilt im Hinblick auf die Entwicklung der Steuereinnahmen.
Zum einen wird es nicht dazu kommen, dass infolge des teilweisen Vorziehens der
3. Stufe der Steuerreform unsere Kommunen belastet werden. Vielmehr
beabsichtigt das Land, die Bundeskompensation an die Kommunen weiterzureichen.
Aufgrund der Verteilungskriterien und der relativ geringen Einkommensteuerausfälle
in Sachsen-Anhalt können wir davon ausgehen, dass die Kommunen vollständig ihre
direkten Steuerausfälle ersetzt bekommen.
Auf längere Sicht, also jenseits von 2004, werden dann die zahlreichen
Streichungen der Steuervergünstigungen und die Senkung der Gewerbesteuerumlage
voll zu Buche schlagen. Den wichtigsten Beitrag leistet hier die Senkung der
Gewerbesteuerumlage, die in diesem Jahr schon um mehr als 40% zurückgeht und ab
2006 sogar halbiert wird. Obwohl diese Maßnahme dem Land viel Geld kostet,
haben wir im Bundesrat dafür gestimmt, weil die Neuregelung einen wichtigen Beitrag
zur Finanzierung der Kommunalhaushalte leistet.
Anrede,
die Vertreter der Kommunen sind besorgt, dass es im Rahmen des Hartz
IV-Kompromisses zu zusätzlichen Belastungen kommen kann. Diese Sorge teile ich
durchaus. Und ich sage hier ganz klar: Sollte es in der Tat so sein, dass die
Kommunen in Sachsen-Anhalt unter dem Strich nicht entlastet, sondern belastet
werden, muss das Finanztableau nachgebessert werden.
Unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände sowie der Bundesagentur für
Arbeit hat die Landesregierung eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll die
finanziellen Auswirkungen der Reform für unsere Kommunen und für den
Landeshaushalt ermitteln. Wir sollten die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe
abwarten. Erst dann sollten wir politische Bewertungen vornehmen.
Im übrigen wird die weitere Entwicklung sowohl von der Finanzministerkonferenz
als auch von den Staatssekretären der ostdeutschen Finanzministerien kritisch
überprüft. So ist gewährleistet, dass die Länder frühzeitig dem Bund
gegenübertreten und Forderungen erheben können. Dass diese im Interesse der Kommunen
sein werden, brauche ich an dieser Stelle nicht zu betonen.
Anrede,
der Antrag der PDS enthält
populistische Forderungen, die nicht haltbar sind. Gleichwohl betreffen
sie ein wichtiges Anliegen, die Stärkung der Kommunalfinanzen. Und sollte der
Landtag eine Ausschussüberweisung beschließen, dann werden wir als Regierung
selbstverständlich im Finanzausschuss oder wo auch immer die Diskussion zu diesem
Thema mit Ihnen, sehr geehrte Vertreter der Opposition, konstruktiv fortsetzen.
Ich danke Ihnen.
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