Ministerin Wernicke protestiert: Trittin
benachteiligt Osten bei der Verteilung von Emissionsrechten
03.02.2004, Magdeburg – 57
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 057/04
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 057/04
Magdeburg, den 3. Februar 2004
Ministerin Wernicke protestiert: Trittin
benachteiligt Osten bei der Verteilung von Emissionsrechten
Sachsen-Anhalt will eine Benachteiligung ostdeutscher
Firmen bei der Umsetzung des EU-weiten Emissionsrechtehandels ab 2005 nicht hinnehmen.
Umweltministerin Petra Wernicke sagte am Dienstag nach der Kabinettssitzung in
Magdeburg: ¿Ich kann Bundesumweltminister Jürgen Trittin nur raten, seine
Vorstellungen deutlich zu überdenken.¿
Wernicke kündigte Widerstand
über den Bundesrat an und kritisierte insbesondere Trittins ablehnende Haltung
gegenüber einem regionalisierten Bonussystem bei der Einführung des
Emissionsrechtehandels. Davon würde insbesondere die Wirtschaft in den neuen
Ländern profitieren. Wernicke sagte: ¿Die neuen Länder haben seit 1990 überproportional
zur Minderung des Schadstoffausstoßes in Deutschland beigetragen. Es ist eine
Frage der Gerechtigkeit, diese Leistung jetzt auch zu honorieren.¿ Die
Umweltministerin warf Trittin vor, mit dem bekannt gewordenen Positionspapier
zur Umsetzung des Emissionsrechtehandels ¿offen gegen die Interessen der neuen
Länder¿ zu agieren. Sie sagte: ¿Von Chefsache Ost ist da nichts zu spüren. Hier
findet vielmehr eine Umverteilung von Ost nach West statt.¿
Wernicke stellte dem Trittin-Ministerium bei der
Umsetzung des Emissionsrechtehandels generell ein ¿schlechtes Zeugnis¿ aus. Sie
sagte: ¿Hier wurde verzögert und unpräzise gearbeitet. Ab 2005 soll EU-weit mit
den Verschmutzungsrechten gehandelt werden können. Und in Deutschland, einer
der größten Industrienationen in Europa, sind ein Jahr zuvor noch nicht einmal
die Kriterien bekannt, nach denen die Emissionsrechte zugeteilt werden sollen.
Wernicke: ¿Entweder Trittin hat
sein Ministerium nicht im Griff, wenn er derartige Verzögerungen zulässt. Oder
aber Trittin blockiert bewusst, weil er die Länder ausbremsen und unter
Zeitdruck setzen will.¿ Anders lasse sich die Geheimniskrämerei
nicht erklären, zumal Eckpunkte zur nationalen Umsetzung längst ¿auf dem
öffentlichen Basar gehandelt¿ werden.
Wernicke warnte den Bund in diesem Zusammenhang
eindringlich davor, an Länderinteressen vorbei agieren zu wollen. Auf
Initiative Sachsen-Anhalts hat der Umweltausschuss des Bundesrates verlangt,
dass dem Plan zur Zuteilung der Emissionsrechte (Nationaler Allokationsplan)
vom Bundesrat zugestimmt werden muss. Daran sollte sich Trittin auch halten,
sagte Wernicke. Sie fügte an: ¿Jeder Versuch, an dieser Stelle in einem
Alleingang gegen Länderinteressen etwas durchsetzen zu wollen, wird scheitern.¿
Hintergrund:
Um die Luftverschmutzung
spürbar zu reduzieren, will die EU ab 2005 in einer Pilotphase und dann ab 2008
verpflichtend ein neues System der Emissionsrechte einführen. Unternehmen
sollen lediglich eine bestimmte Größe von Verschmutzungsrechten zur Verfügung
haben, die zudem kontinuierlich verknappt wird. Will eine Firma ihre Produktion
erweitern und hat aber ihr Emissionskontingent bereits ausgeschöpft, muss sie
sich entweder Rechte von anderen Firmen abkaufen oder zunächst Maßnahmen
durchführen, die den Kohlendioxidausstoß des Unternehmens senken. Betriebe, die
wiederum weniger Kohlendioxid als zugebilligt ausstoßen, können Anteile
veräußern. Somit entsteht ein Handel, der nach Expertenmeinung ökologisch
zielgenau und ökonomisch flexibel ist.
Die Bundesregierung muss bis
Ende März einen Planentwurf bei der EU vorlegen, wie sie die Gesamtmenge der
Emissionsrechte festlegt und nach welchen Methoden die Rechte auf die einzelnen
Unternehmen zugeteilt werden sollen.
In Sachsen-Anhalt sind 63
Unternehmen mit rund 85 Anlagen vom Emissionsrechtehandel betroffen. Im Rahmen
der Umweltallianz zwischen Politik und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt beschäftigt
sich seit April 2002 eine Expertengruppe mit Vertretern der Industrieverbände
und betroffener Unternehmen, Wissenschaftlern der Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg und des Umweltforschungszentrums Leipzig/Halle sowie mit Fachleuten
der Landesministerien mit dem Thema Emissionsrechtehandel.
Impressum:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Domplatz 4
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail:
staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de
Impressum:
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Pressestelle
Hegelstraße 42
39104 Magdeburg
Tel: (0391) 567-6666
Fax: (0391) 567-6667
Mail: staatskanzlei@stk.sachsen-anhalt.de






