Kontinuität und Umbruch in der Gesundheits-
und Sozialpolitik im Land / Staatssekretärin Freudenberg-Pilster:
?Landesregierung hat sich aktiv in die bundespolitische Reform-Debatte
eingebracht?
07.10.2003, Magdeburg – 479
- Staatskanzlei und Ministerium für Kultur
Staatskanzlei - Pressemitteilung Nr.: 479/03
Staatskanzlei - Pressemitteilung
Nr.: 479/03
Magdeburg, den 7. Oktober 2003
Kontinuität und Umbruch in der Gesundheits-
und Sozialpolitik im Land / Staatssekretärin Freudenberg-Pilster:
¿Landesregierung hat sich aktiv in die bundespolitische Reform-Debatte
eingebracht¿
Die
Gesundheits- und Sozialpolitik in Sachsen-Anhalt ist durch Kontinuität, aber
zugleich auch durch die sich abzeichnenden Umbrüche in der Bundesgesetzgebung
geprägt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Antwort der Landesregierung auf eine
Große Anfrage der SPD-Fraktion, die am heutigen Dienstag vom Kabinett an den
Landtag weitergeleitet wurde.
Staatssekretärin Bärbel Freudenberg-Pilster
betonte, dass sich die Landesregierung aktiv in die bundespolitische Debatte
eingebrachte habe. Sie verwies insbesondere auf die Mitarbeit von
Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und Gesundheitsminister Gerry Kley
in der Arbeitsgruppe zur Gesundheitsreform: ¿Der Kompromiss zum Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz
ist schlecht, aber der vom Bundesgesundheitsministerium ursprünglich vorgelegte
Gesetzentwurf konnte verhindert und im Gegenzug wichtige Änderungen eingebracht
werden. Dazu gehören unter anderem mehr Transparenz, Wahlmöglichkeiten sowie
neue Beteiligungsrechte für Patientinnen und Patienten. So werden
beispielsweise die Patientenquittung, die intelligente Gesundheitskarte,
Wahlmöglichkeiten bei der Kostenerstattung für alle Versicherten und der
vorgesehene Versichertenbonus erheblich die Eigenverantwortung der Patientinnen
und Patienten stärken¿, sagte Bärbel Freudenberg-Pilster.
Sie verwies
darauf, dass sich die Leistungsbilanz in der Gesundheits- und Sozialpolitik
sehen lassen könne, es aber vor dem Hintergrund eines grundlegenden Wandels der
Finanzierung und der Strukturen im Gesundheits- und Sozialwesen gelte, für
Sachsen-Anhalt bestmögliche Perspektiven zu eröffnen.
Gesundheitspolitik
Die Modernisierung der Krankenhauslandschaft
im Land steht vor dem Abschluss. Mit der Zustimmung des Kabinetts zu den
letzten drei Großbauvorhaben in Wittenberg, Halle-Dölau sowie in Merseburg und
Querfurt haben die Kliniken landesweit einen im Bundesvergleich beachtlichen
Standard erreicht und sind somit für die Herausforderungen des
Finanzierungssystems nach Fallpauschalen gewappnet. Damit korrespondiert auch
eine in Vorbereitung befindliche Änderung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes
des Landes. Hierbei geht es darum, die Krankenhausplanung von der
bisherigen Bettenplanung auf eine leistungsbasierte
Planung umzustellen.
Ausgehend von neuesten Erkenntnissen der
Gesundheitsberichterstattung und Studien setzt die Landesregierung auch
weiterhin auf Gesundheitsziele für Sachsen-Anhalt. Dabei stehen die
Gesundheitsförderung und ¿vorsorge im Mittelpunkt. Fünf Jahre nach dem Start
der Gesundheitsziele ist es aber erforderlich, zielgruppengenaue und differenzierte
Strategien zu entwickeln, um langfristig Veränderungen im Gesundheitsverhalten
zu erreichen. Ziel muss es sein, auch die bislang weniger motivierten
Bevölkerungsgruppen zu erreichen und durch Gesundheitsaufklärung, -bildung und
-erziehung auf den Lebensstil (Bewegungsmangel, Ernährung, Tabak- und
Alkoholmissbrauch) einzuwirken. Diesem Anliegen dient unter anderem das Projekt
¿Bildung durch Bewegung in Kindertagesstätten¿, das unter dem Motto ¿Toben
macht schlau¿ vom Gesundheitsministerium gestartet wurde. Aber auch
aktuelle Veröffentlichungen zum Thema
¿Zahngesundheit¿ oder die Förderung des Familieninfotages zum Thema
¿Krebsvorsorge¿ unterstützen diesen Ansatz.
Sozialpolitik
Der Umbau und die Modernisierung der
Pflegeheime im Land ist ebenfalls nahezu abgeschlossen. Seit 1995 flossen über
Artikel 52 des Pflegeversicherungsgesetzes in 174 Einrichtungen Landes- und
Bundesmittel in Höhe von 720 Millionen Euro zum Neu-, Um- oder Ausbau. Damit
wurden mehr als12.500 Pflegeplätze im Land grundlegend erneuert.
Perspektivisch
wird es darauf ankommen, den Grundsatz ¿ambulant vor stationär¿ konsequent
umzusetzen und dabei die verschiedenen
Betreuungsangebote, wie stationäre, teilstationäre und Kurzzeitpflege
sowie ambulante Pflegedienste immer besser miteinander zu vernetzen. Eine in
Auftrag gegebene Studie zur Wohnsituation von Seniorinnen und Senioren ergänzt
diese Intentionen, indem Rahmenbedingungen für die Gestaltung altersgerechten
Wohnens analysiert und eine Bestandsaufnahme altersgerechter Wohnangebote im
Land vorgenommen werden.
Mit der
neuen Pflege-Betreuungs-Verordnung des Landes, die 2003 in Kraft trat, soll die
Situation insbesondere der demenziell erkrankten Pflegebedürftigen weiter
verbessert werden. Insgesamt fördert das Land in diesem Jahr zwölf Projekte in
diesem Bereich.
Bei der
Sozialhilfe, die nach wie vor den größten Posten im Sozialetat des Landes
ausmacht, werden örtliche und
überörtliche Sozialhilfe bei der Eingliederungshilfe behinderter Menschen zusammengeführt.
Im Sinne von mehr Wirtschaftlichkeit gibt es hier die Überlegung, für diesen
Bereich eine Sozial-Agentur Sachsen-Anhalt GmbH zu gründen.
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