Führungen
Am authentischen Ort werden je nach Interesse, Alter und Zusammensetzung der Besuchergruppen allgemein informierende oder thematische Führungen angeboten.
Die thematischen Führungen eignen sich sehr gut für den Unterricht in den Fächern Geschichte, Sozialkunde, Religion und Ethik. In einem Vorgespräch zwischen dem Fachlehrer und den Gedenkstättenpädagogen über den Wissensstand der Klasse, deren Besonderheiten (u. a. Fähigkeiten und Interessen) und die Zielvorstellungen des Fachlehrers empfehlen die Pädagogen der Gedenkstätte eine auf die jeweilige Klasse zugeschnittene Betreuung.
Mögliche Themen für Führungen:
- Das KZ Langenstein-Zwieberge als Bestandteil des auf die physische und psychische Zerstörung von Menschen ausgerichteten NS-Regimes
- Das unterirdische Stollensystem in den Thekenbergen als authentischer Ort der „Vernichtung durch Arbeit“ für die deutsche Rüstungsproduktion
- Alltag im KZ Langenstein-Zwieberge – Ziele und Mittel zur Durchsetzung der NS-Ideologie im Lager
- Widerstehen im KZ Langenstein-Zwieberge – „ … die Kraft im Unglück …“
- Die Lagerhaft als Bestandteil und Bruch unterschiedlichster Lebenswege
- „Spurensuche“ an den historischen Orten
- Führungen zu bestimmten Zeiträumen und Lagerbereichen sowie zu verschiedenen Häftlingsgruppen (bezüglich Nationalität oder Religion)
Die Dauer der Führung richtet sich jeweils nach dem Zeitfonds der Gruppe. Da die Topografie des Gedenkortes Langenstein-Zwieberge sehr weitläufig ist, kann sich die Führung auf das historische Lagergelände beschränken, ebenso wie auf den täglichen Arbeitsweg der KZ-Häftlinge („Leidensweg“) zu einem Eingang des Stollensystems mit Besichtigung eines Stollenabschnitts.
Es ist auch möglich, beide Orte durch eine Führung zu verbinden, wobei selbstverständlich zwischendurch Pausen eingelegt werden.
Seminare
Für interessierte Besucherinnen und Besucher organisiert die Gedenkstätte für die Opfer des KZ Langenstein-Zwieberge Seminare zu einzelnen Aspekten des Themenkomplexes „Menschenrechtsverletzungen im Konzentrationslager“.
Termine und Dauer der Veranstaltungen werden in Absprache mit den Mitarbeitern der Gedenkstätte festgelegt.
Mögliche Themenschwerpunkte für Seminare:
- Veränderung menschlicher Verhaltensweisen als Grundlage für die Entstehung von Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Intoleranz, Rassismus
- Möglichkeiten der Nichtanpassung, Verweigerung, Nutzung von Entscheidungsspielräumen, Zivilcourage im „Dritten Reich“
- Umgang des Menschen mit Menschen, Hinterfragen eigenen Verhaltens und gegenwärtiger Entwicklungen
- Nachkriegsgeschichte und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
- Ist die nationalsozialistische Vergangenheit abgeschlossen und vergessen?
- Reflexion über neue Wege einer Gedenk- und Erinnerungskultur
Spezielle Angebote für Schulklassen und Jugendgruppen
Im Rahmen von fächerübergreifendem Unterricht und Projekttagen können Lehrkräfte und Schüler sich dem Thema „Nationalsozialismus“ mit unterschiedlichsten Themenschwerpunkten nähern und Arbeitsweisen und Mittel frei wählen. Hierbei steht die von den Gedenkstättenpädagogen begleitete Selbstaneignung von Kenntnissen im Vordergrund.
Umfang und Dauer des Projektunterrichts können individuell festgelegt werden.
Mögliche Themenschwerpunkte:
1. „Lebenswege“
Beschäftigung mit der Biografie ehemaliger Häftlinge anhand von Dokumenten aus der Sammlung der Gedenkstätte; Erarbeitung einer Kurzbiografie mit Dokumentenanhang
Zur besseren Veranschaulichung, wovon Lebenswege geprägt sein können, wird der Beruf des einzelnen Menschen als Einstieg gewählt. Die Besonderheit des Gedenkortes Langenstein-Zwieberge ermöglicht die Verbindung von Geschichts-, Ethik-/Religion- oder Sozialkundeunterricht mit dem Fremdsprachenunterricht in den Fächern Französisch, Russisch, Italienisch und Englisch.
Zudem sind unter den Überlebenden des Lagers Langenstein-Zwieberge angesehene Literaten, deren Werke auch in deutscher Sprache vorliegen. Auf Anfrage geben die Gedenkstättenpädagogen Empfehlungen mit Literaturhinweisen für den Deutschunterricht. Auszüge aus der Literatur können zur Ansicht angefordert werden.
Die Schüler und Schülerinnen können sich mit eigenen Beiträgen in die vertiefende Gestaltung der Dauerausstellung der Gedenkstätte einbringen. Diese enthält ein Element, das in Zusammenarbeit mit jungen Besuchern Schritt für Schritt mit einer Einzelinformation über jeden der über 7.000 Gefangenen des KZ Langenstein-Zwieberge angefüllt wird.
2. „Was geschah von 1933 bis 1945 in meinem Heimatort?“
Gedenkstättenpädagogen geben Anleitung zur Spurensuche:
- Durchführung von Zeitzeugeninterviews
- eigene Dokumentation von Spuren der Vergangenheit
- Anlegen einer Chronik
- Nutzung von Dokumentensammlungen (Wo kann man diese finden? – Im Stadtarchiv und wo noch?)
Im Ergebnis schreiben die Schülerinnen und Schüler eine kurze historische Abhandlung, in der auch soziale Strukturen, die Entwicklung der politischen Machtverhältnisse zugunsten der nationalsozialistischen Regierung unter Berücksichtigung der von ihr erlassenen Gesetze und Verordnungen und ihrer Auswirkung auf den Heimatort enthalten und „weiße Flecken“ innerhalb der Ortsgeschichte benannt sein sollen.
3. „Wozu brauchen wir eigentlich Gedenkorte?“
Von den Gedenkstättenpädagogen moderiertes Gespräch über Ursprünge und Wirklichkeit von Gedenkorten:
- Was sind Gedenkorte?
- Was sind Gedenkstätten?
- Wo befinden sich Gedenkorte in meiner Heimatstadt und in meinem Heimatkreis?
- Sind dort Grabstätten?
- Wer ist dort begraben?
- Durch welche Umstände wurde er oder sie getötet und warum errichtete man für ihn/sie einen Gedenkort?
- Wann besuchen Menschen diese Gedenkorte?
Außerdem sollen die Jugendlichen Interviews mit Bürgerinnen und Bürgern zur Wahrnehmung von Gedenkorten durchführen sowie den eigenen Anspruch an Gedenkstätten erarbeiten und aufschreiben.
