Der „Rote Ochse“ ist ein Ort mit doppelter Vergangenheit. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Zuchthaus und Hinrichtungsstätte, seit Herbst 1950 Untersuchungshaftanstalt des MfS.
Heute befindet sich im „Roten Ochsen“ eine Gedenkstätte und erinnert an die Opfer von zwei Diktaturen.
Die Gedenkstätte bietet umfangreiche Informationen und Bildungsangebote für eine breite Zielgruppe an. Von konkreten Haftschicksalen ausgehend klärt sie über die historischen Zusammenhänge und die jeweiligen politischen Hintergründe der zwei Verfolgungsperioden auf. Sie ist ein offener Lernort, an dem Fragen der Vergangenheitsaufarbeitung thematisiert werden. Damit wird das Wissen in übergeordnete Zusammenhänge eingebettet und so die Auseinandersetzung mit der Opferbiografie ermöglicht.

Die Gedenkstätte
Die beiden Dauerausstellungen dokumentieren die Geschichte des „Roten Ochsen“ in den Jahren 1933 bis 1945 und 1945 bis 1989.
- Im Erdgeschoss – dem Bereich der ehemaligen Richtstätte – werden die politische Strafjustiz und der Strafvollzug während der nationalsozialistischen Diktatur thematisiert.
- Im 1. Obergeschoss ist neben der originalen MfS-Effektenkammer in einem früheren Verwahrraum Zelleninventar zu besichtigen. Zudem befindet sich dort der Sonderausstellungsbereich.
- Im 2. Obergeschoss widmet sich die Ausstellung dem Wirken Sowjetischer Militärtribunale (SMT) im „Roten Ochsen“ und den Haftbedingungen in der MfS-Untersuchungshaftanstalt.
- Im Dachgeschoß befinden sich die Seminarräume und ein PC-Kabinett.
- Im früheren Wachhaus informiert ein Film über die Baugeschichte des „Roten Ochsen“.
- Gesonderte Hinweisschilder erläutern die Nutzungsgeschichte einzelner Gebäudeteile.
- Für die Nutzung der multimedialen Inhalte der Ausstellung stehen den Besuchern Audioguides zur Verfügung.
Begleitete Rundgänge
1 | Überblicksführung zur politischen Justiz im „Roten Ochsen“
vor und nach 1945
2 | Geschichte 1933–1945, Opfer der NS-Justiz, Justizbe-
dienstete als Täter, NS-Sonder- und Militärgerichtsbarkeit
3 | Geschichte 1945-1989, Entnazifizierung in Halle, SMT,
Opfer des MfS, Haftalltag, Vernehmungen
Fortbildungen

Schulungsveranstaltungen für Multiplikatoren werden zu verschiedenen Themenschwerpunkten angeboten. Neben einer Führung beinhalten die Seminare einen Einführungsvortrag, selbständiges Arbeiten in der Ausstellung, eine Diskussion und die Vorstellung von Schülerprojekten. Die Fortbildungen dauern ca. drei Stunden.
Veranstaltungen
Regelmäßig werden Lesungen, Fachvorträge, Zeitzeugengespräche, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen angeboten. Zusätzlich sind Sonderausstellungen zu besichtigen.
Eine aktuelle Übersicht zu den Veranstaltungen der Gedenkstätte finden Sie in der Rubrik Aktuelles.
Schülerprojekte
In Kleingruppen erschließen sich die Jugendlichen mit Hilfe von Dokumenten, Verordnungen, Fotos und Zeitzeugenaussagen die Inhalte des jeweiligen Themas selbständig. Alle Projekte sind produktorientiert und modulartig angelegt und können so auf die jeweilige Gruppe genau zugeschnitten werden. Für die abschließende Präsentation können die Lernenden eine Variante aus einem Pool an Möglichkeiten wählen. Es soll den Jugendlichen somit die Gelegenheit gegeben werden die Erkenntnisse, Erfahrungen und Wissenszuwächse individuell zu verarbeiten.
Das Projekt 1 dauert ca. zwei Stunden, die Projekte 2 bis 4 sind jeweils auf fünf bis sechs Stunden angelegt und die Projekte 5 und 6 sind für drei Tage konzipiert. Alle Schülerprojekte sind für die 9. bis 12. Klasse der allgemeinbildenden Schulen geeignet. Historische Grundkenntnisse werden vorausgesetzt.

1 | Geschichtshappen
Arbeit mit den Themenblättern
Nachdem die Jugendlichen einen Einführungsvortrag zur Geschichte des Hauses gehört haben, erarbeiten sie sich in Kleingruppen selbstständig die Ausstellung zu thematischen Schwerpunkten. Ihre gewonnenen Erkenntnisse können sie in einer gegenseitigen Führung präsentieren.
2 | Tatbestand ...
Justiz und Nationalsozialismus
Fünf Gruppen erarbeiten Schicksale von Häftlingen, die vom NS-Regime aus politischen und religiösen Gründen im „Roten Ochsen“ hingerichtet wurden. Anhand von historischen Dokumenten und Gesetzeserlassen setzen sich die Jugendlichen mit der Justiz im Nationalsozialismus und der Auflösung der Gewaltenteilung auseinander.
3 | Blick hinter die Effektennummer
Der „Rote Ochse“ als Untersuchungshaftanstalt des MfS
Am konkreten historischen Ort erschließen sich die Jugendlichen
die Untersuchungshaftanstalt des MfS. Anhand von vier Fallbeispielen erfahren sie, wie die Stasi arbeitete und warum die Inhaftierten von der DDR-Regierung politisch verfolgt wurden. Aus einem Pool an Möglichkeiten können die Lernenden sich Präsentationsvarianten aussuchen.
4 | Der 17. Juni 1953
Der Arbeiteraufstand im Spiegel der regionalen Medien
Nachdem die Jugendlichen sich die historischen Fakten des 17. Juni 1953 erarbeitet haben, sollen sie sich mit der Rolle der Medien auseinandersetzen. Hierbei ist die Berichterstattung in Ost- und Westdeutschland miteinander zu vergleichen und die Bedeutung der Pressefreiheit zu diskutieren. Der Projekttag zielt vor allem auf die Bedeutung unserer demokratischen Grundwerte und deren Beutung für jeden einzelnen von uns.
5 | Herbst 1989
Die Friedliche Revolution in Halle (1989/1990)
In dem dreitägigen Projekt setzen sich die Lernenden vor Ort forschend mit der Zeit 1989/1990 in Halle auseinander. Anhand verschiedener Quellen erhalten sie einen Einblick in die Geschichte der DDR, den Lebensalltag und die Ereignisse vom Herbst 1989. Durch Zeitzeugeninterviews aus verschiedenen Milieus werden sie mit persönlichen Meinungen und Erinnerungen konfrontiert. Fragen nach Veränderungen auf politischer Ebene und im Alltag stehen im Mittelpunkt der Diskussionen.
6 | Die doppelte Vergangenheit
Systemvergleich der zwei Diktaturen in Deutschland
Die Besonderheit des „Roten Ochsen“, ein Ort mit doppelter Vergangenheit zu sein, ist in diesem dreitägigen Projekt herauszuarbeiten. Die Jugendlichen sollen sich die politischen Strukturen erarbeiten, das Handeln der Täter einschätzen und Ermessungsspielräume der politischen Justiz beurteilen können. Das Ziel des Projektes ist es, dass die Lernenden argumentativ verdeutlichen können, was der Unterschied zwischen Leben in der Diktatur und Demokratie bedeutet.
Hinweise
Postanschrift
Am Kirchtor 20b
06108 Halle (Saale)
Tel.: 0345 – 220 13 37
Fax: 0345 – 220 13 39
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag
10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Jedes erste und dritte Wochenende im Monat
13.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Straßenbahnverbindung
Linie 7 bis Haltestelle „Hermannstraße“
Linie 8 bis Haltestelle „Peißnitzstraße/Diakoniewerk“
Anmeldung von Gruppenbegleitungen und Schülerprojekten
Tel.: 0345 – 220 13 37
E-Mail: info-roterochse@stgs.sachsen-anhalt.de
- Anmeldungen mindestens eine Woche im Voraus
- Gruppengröße maximal 25 Personen
- Die Bildungsangebote sind kostenlos.
Zur Vorbereitung empfehlen wir unseren Ausstellungskatalog.
(Bildquelle: Sammlungsbestand Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle (Saale))
