finanziert vom Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt

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Thema: Katharina macht Fernsehen
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Auf ein Wort: Frauen werden behindert
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Thema: Qualifizierung zur MTU am BFW Halle
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Beirat: Behindertenpolitisches Forum 2010
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| Thema: | Ich | hatte | eine |
| Hauptrolle | |||
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Thema: Sie verschenkt Zeit
Thema: Raus aus der Isolation!
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Ertappt: „Beam me up, Scotty“
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Beirat: Auf eine gute Zusammenarbeit!
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Interview: Alle haben Anspruch auf Teilhabe
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Aktuell: Gelungenes Winterdebüt für Andrea Eskau, Behinderten-WC Schlüssel?

Wer denkt nicht noch mit Schrecken an den letzten Winter? Schneemassen, die bis zu zwölf Wochen liegenblieben! Viele Menschen mit Behinderungen saßen wochenlang in ihren Wohnungen fest. Frische Luft gab es nur am geöffneten Fenster. Es gab auch viel Hilfsbereitschaft. Nachbarn die Einkäufe erledigten, Autofahrer die behinderte Menschen zum Arzt fuhren und nette Menschen, die das Auto des Rollstuhlfahrers ausbuddelten, welches durch ein Schneeräumfahrzeug unter einer frischen Ladung Schnee versenkt wurde.
Auch am 8. März war immer noch Schnee. Keine Frühlingsblumen zum Internationalen Frauentag! Dieser Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen (so die offizielle Bezeichnung seit 1977) hat mittlerweile eine über einhundert jährige Tradition. Überall auf der Welt analysieren Frauen ihre Lage und kämpfen um ihrer Rechte.
Wie sieht der Alltag von Frauen mit Behinderungen in Sachsen-Anhalt aus? Einige, ganz besondere, Frauen werden in diesem Heft vorgestellt.
Thema
Eine starke junge Frau aus Merseburg gestaltet Programme im Offenen Kanal

Welches Bild von behinderten Menschen erhält man als Fernsehzuschauer? Von einigen Sendern werden extra Behindertensendungen ausgestrahlt. Sie berichten über Menschen mit Behinderungen und geben ihnen viele wertvolle Ratschläge. Viele Behinderte schauen sie sich deshalb gern an. Nichtbehinderte Menschen sehen eher andere Magazine. In ihnen geht es manchmal auch um Menschen mit Behinderungen. Diese haben entweder meist Probleme, die nette (natürlich nichtbehinderte) Redaktionen für sie lösen oder aber es werden Ausnahmetalente vorgeführt.– „Kann sie nicht toll singen? Dabei ist siedoch blind!“ – Der ganz normale Alltag von Menschen mit Behinderungen kommt im Fernsehen eher selten vor.
Katharina Kirch (23) will das ändern. Im Offenen Kanal Merseburg-Querfurt e.V. laufen von ihr selbst produzierte Sendungen. Sie führte z.B. ein Interview mit einem Professor, der durch Contergan geschädigt wurde. In ruhiger Atmosphäre leitete sie eine Gesprächsrunde mit Betroffenen zum Thema Stottern. Die Bundestagsabgeordnete Silvia Schmidt (SPD) kam, um sich von ihr interviewen zu lassen. Welch seltenes Bild! Katharina Kirch, 1,04 Meter groß und im Rollstuhl begrüßt die nichtbehinderte Abgeordnete. Gut vorbereitet leitet Katharina sicher das Gespräch. Durch die Kompetenz, die sie ausstrahlt, merkt der Zuschauer, wie Frau Schmidts Unsicherheit verschwindet.
Zurzeit studiert Katharina Medienpädagogik an der Fachhochschule Merseburg. Ihre Schullaufbahn lässt sich am besten mit dem Wort „abwechslungsreich“ beschreiben. Vier Jahre lang besuchte sie eine normale Grundschule. Die 5. und 6. Klasse absolvierte sie an einer Förderschule für Körperbehinderte, um danach auf das Herder Gymnasium in Merseburg zu gehen. Aus gesundheitlichen Gründen wechselte sie nach zwei Jahren auf eine Waldorfschule. Hier blieb sie bis zum Realschulabschluss. Ihr Abitur machte sie danach an einer Berufsfachschule. Diese integrativen Schulbesuche waren ihr nur möglich, weil sie immer Assistenten an ihrer Seite hatte. Auch das Studium wäre ihr ohne Assistenten nicht möglich.
Während eines Praktikums der Berufsschule lernte sie den Offenen Kanal in Merseburg kennen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelte sie dort das Projekt „Ich bin ich“ – Menschen mit Behinderungen gestalten ihre eigenen Sendungen. Hier können behinderte Menschen eigene Beiträge erstellen, sie selbst moderieren, selber die Kamera führen, Beiträge vertonen und schneiden. Wenn sie es denn wollen! Die Möglichkeitenim Studio sind gegeben und die Mitarbeiter bereit. Katharina hat (fast) alles selber ausprobiert. Damit stand ihr Studienwunsch fest. Sie würde sich freuen, wenn sie später vielleicht beim Fernsehen Arbeit finden würde.
Offene Kanäle gibt es fast überall in Sachsen-Anhalt. Hier wird Fernsehen von Bürgern für Bürger gemacht. Menschen mit Behinderungen können hier mitmachen. Sie können zeigen, dass sie sich nicht (nur) für Behindertenthemen interessieren. Wie wäre es mit einer Sportsendung, einer Geschichtsdokumentation oder einem Theatermagazin – hergestellt von behinderten Bürgern?

AUF EIN WORT

Eigentlich bisher nicht. Das neue Behindertengleichstellungsgesetz ist erst mal eine Absichtserklärung und wir werden sehen, ob und in welchem Umfang die vorgesehenen Regelungen etwas bewirken. Und bei der Barrierefreiheit von öffentlichen Veranstaltungen sind alle Menschen mir Behinderungen vergleichbar benachteiligt
oder sogar von diesen ausgeschlossen. Das ist nicht frauentypisch. So habe ich mich auf den
Landesbehinderten-Weg gemacht und gesucht, ob ich denn wenig
beauftragter stens ein paar gute Beispiele finde. Dabei musste ich immer noch feststellen, dass Frauen mit Be-
hinderungen eher nicht als Frauen, sondern als wieder einmal gilt es in einem Heft der Normal, Behinderte angesehen werden. Auch unsere Verauf offene Probleme hinzuweisen oder auch zu-waltung scheint da nicht immer mit gutem Beigehörige Fragen zu stellen. Das haben wir auch spiel voranzugehen. Aber offenbar gibt es in undiesmal versucht und uns der Thematik Frauen serem Land zunehmend Änderungen, wo beimit Behinderungen gestellt. Und natürlich gibt es spielsweise Frauen mit Behinderungen darin auch ganz konkrete Anlässe, so etwas zu tun. umfassend unterstützt werden, sich einen Part-Nun will ich nicht behaupten, dass Frauen mit ner zu suchen, Kinder zu bekommen und dann Behinderungen momentan mehr diskriminiert auch noch die Unterstützung erhalten, diese werden, als in der Vergangenheit. Es ist eher der großzuziehen. Nun müssen wir die nächsten Punkt, dass die UN-Konvention über die Rechte Schritte gehen, denn es muss völlig normal der Menschen mit Behinderungen seit mehr als werden, selbstbestimmt zu leben und darüber einem Jahr auch bei uns gültig ist. Und dort steht beispielsweise persönlich zu entscheiden, in weleiniges zu den Rechten von Menschen mit Be-chen Lebensformen man leben will und ob Kinder hinderungen geschrieben. Frauen werden in der erwünscht sind oder auch nicht. Und wenn Konvention besonders genannt. Und so wollen beispielsweise jemand sein Recht auf Ausübung wir die Chance nutzen, mal nachzuschauen, was seiner Sexualität einfordert, dann muss er auch sich denn seit Inkrafttreten der UN-Konvention die eventuell dazu erforderliche Unterstützung für Frauen mit Behinderungen getan hat. Viel-erhalten. Erst wenn wir tatsächlich Inklusion im leicht ist ja ein „Ruck“ durch die Gesellschaft ge-Sinne der UN-Konvention verwirklichen, dann gangen und Diskriminierung insbesondere von können Frauen mit Behinderungen beispiels-Frauen wurde nun abgestellt. Haben Sie diesen weise ihre persönliche Schönheit auch im Sinne Ruck gespürt? Nun ja, ich hätte das zwar von anerkannter Lebenserfahrung leben und gewünscht, kann das jedoch leider nicht ihre Ausstrahlung genießen. Nur auf seine bestätigen und hatte das auch eigentlich nicht Behinderung reduziert zu werden ist grundfalsch erwartet. Aber gibt es denn wenigstens spürbare und diskriminierend. Dabei ist es auch kein Trost, kleine Schritte? Haben Sie zumindest solche dass momentan Männer genauso wie Frauen von wahrgenommen? Benachteiligung und Diskriminierung betroffen
sind. Vielleicht ist das ja auch ein Thema für den Für mich kann ich eine solche Wahrnehmung neuen Landesbehindertenbeirat, der überwieschon ein klein wenig bestätigen. Beispielsweise gend aus Frauen besteht. Ich wünsche jedenfalls wurden die Rechte von Frauen im gerade noch dem neuen Beirat viel Erfolg. Gerade weil viele diskutierten Entwurf des Behindertengleich-Beiratsmitglieder „altbekannt“ und hochstellungsgesetzes gestärkt. Oder die Frauenengagiert sind, haben wir gemeinsam gutetagsveranstaltung des Landes findet nun Chancen, den bisherigen erfolgreichen Weg regelmäßig in barrierefreien Räumen statt.
fortzusetzen. Jedoch sind auch ein paar neue Eigentlich sollte das ja ohnehin selbstverständ-Menschen hinzugekommen, weil andere nun so lich und keiner Meldung wert sein. Aber mittleralt geworden sind, dass sie sich aus dieser Arbeit weile klappt dies hier gut, jedoch eben nicht zurückgezogen haben. Denen danke ich ganz überall. Noch ist Barrierefreiheit von öffentlichen besonders, weil es gerade ihnen zu verdanken ist, Veranstaltungen eben kein Standard. Doch sind was wir als Landesbehindertenbeirat für diemeine genannten positiven Beispiele eigentlich Menschen mit Behinderungen unseres Landes tatsächlich etwas, was sich speziell an Frauen erreichen konnten.
richtet? Etwas, wovon sie tatsächlich profitieren.
Thema
„Blinde Frauen helfen bei der Früherkennung von Brustkrebs“ -in der Vergangenheit gab es zu diesem Thema zahlreiche Beiträge in verschiedenen Medien. In einer Stern-TV Sendung führte eine blinde Frau im Juni 2009 vor, wie eine solche Untersuchung vor sich geht. Was steckt wirklich dahinter?
Jährlich erkranken in Deutschland 45.000 –
50.000 Frauen an Brustkrebs. Brustkrebs ist die häufigste Todesursache von Frauen zwischen dem
25. und 45. Lebensjahr. In Deutschland wird jede
8. – 9. Frau einmal in ihrem Leben von Brustkrebs betroffen sein. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb kommt der Vorsorge eine große Bedeutung zu.
Der Duisburger Gynäkologe Dr. med. Frank Hoffmann hatte die Idee, die besondere Tastfähigkeit blinder und hochgradig sehbehinderter Frauen zu nutzen, und entwickelte im Rahmen eines Projektes (discovering hands® „entdeckende Hände“) eine spezielle Technik, mit der es möglich ist, kleinste Auffälligkeiten in der weiblichen Brust sehr früh aufzuspüren und somit eine weitere ärztliche Diagnostik möglicher krankhafter Veränderungen zu veranlassen.
Den blinden Frauen eröffnet dies ein anspruchsvolles, neues Arbeitsfeld als Medizinische Tastuntersucherin (MTU) – sie werden in die Lage versetzt, aus ihrer Behinderung eine besondere Begabung zu entwickeln. Patientinnen profitieren von einer frühzeitigen Diagnose, da die Heilungschancen einer Brustkrebserkrankung bei einer frühen Feststellung wesentlich erhöht sind.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert als einziges Projekt für schwerbehinderte Frauen die erste reguläre Qualifizierung zur MTU,
u. a. im Berufsförderungswerk Halle, einer Spezialeinrichtung der beruflichen Rehabilitation für blinde und sehbehinderte Menschen. Seit Januar 2010 werden hier zwei Teilnehmerinnen zur MTU ausgebildet. Die Qualifizierung ist inhaltlich durch discovering hands® klar vorgegeben und geregelt.
Zunächst, so erklärt Herr Dr. Bernd Rödel, Abteilungsleiter Qualifizierung im BFW Halle, wird mit den potenziellen Teilnehmerinnen ein vier-bis fünftägiges Assessment durchgeführt, um verschiedene Kompetenzen abzuklären. Einerseits müssen die Rehabilitandinnen über ein gutes Theorieverständnis und eine hohe Merkfähigkeit verfügen. Andererseits sind kommunikative und soziale Fähigkeiten für den täglichen Umgang mit den Patientinnen und die Zusammenarbeit mit Ärzten unerlässlich. Während der neun Monate dauernden Ausbildung werden umfangreiche theoretische Kenntnisse aus den Fachgebieten Anatomie, Physiologie, Histologie und Zytologie sowie der Pathologie vermittelt. Die Teilnehmerinnen lernen darüber hinaus die umfangreichen Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der weiblichen Brust kennen.

Ein Teil der KBU-B (Klinische Brustuntersuchung durch Blinde) beinhaltet eine speziell entwickelte Tasttechnik (MTU-Walzer). Das Aufkleben spezieller, für diese Methodik entwickelter Orientierungsstreifen macht die genaue Lokalisation und Dokumentation von Auffälligkeiten möglich. Die Orientierung und das Auffinden von Veränderungen im Gewebe werden zu Beginn an Tastmatten und Silikonmodellen trainiert; später übt die angehende MTU an freiwilligen Probandinnen. Nach sechs Monaten legen die Teilnehmerinnen vor der Ärztekammer Nordrhein eine umfangreiche schriftliche Kenntnisprüfung ab. Die Ausbildung sieht darüber hinaus ein einwöchiges Praktikum in einer Klinik bzw. einem Brustzentrum vor. Nach erfolgreicher theoretischer Prüfung wird ein zwölfwöchiges Blockpraktikum in einer gynäkologischen Praxis oder einer Klinik am Heimatort der Teilnehmerin absolviert. Hier wird sie Tastuntersuchungen an Patientinnen durchführen. Dabei kann die MTU vielfältige Erfahrungen sammeln, die ihr in der praktischen Prüfung durch die Ärztekammer zu Gute kommen.
Die ersten, im BFW Düren ausgebildeten Medizinischen Tastuntersucherinnen wurden bereits erfolgreich in Arztpraxen und Kliniken vermittelt. Dort spricht sich die Methode schnell
unter den Patientinnen herum, so dass eine zunehmende Nachfrage verzeichnet wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine oder geringere Strahlenbelastung im Gegensatz zur Mammografie; die Tastuntersuchung ist weniger schmerzhaft; eine MTU schließt das Abtasten der regionären Lymphknoten und des brustkorbwandnahen Gewebes ein; dies kann die Mammografie nicht leisten. Auch psychologische Aspekte der Tastuntersuchung – der persönliche Kontakt und die Zuwendung durch die MTU spielen eine Rolle. Betont werden sollte vor allem die wesentlich höhere Zeitdauer der Untersuchung (je nach anatomischen Gegebenheiten zwischen 30 und 60 Minuten). Die Methode hat keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen und im Falle eines Befundes bei der Tastuntersuchung ist die Indikation gegeben, die die Kostenübernahme seitens der Krankenkassen für eine weiterführende Diagnostik sowohl in der Arztpraxis als auch in einem radiologischen Zentrum rechtfertigt. Die Tastuntersuchung ist eine kostengünstige Vorsorgeleistung!
Derzeit ist diese Art der Früherkennung noch von den Patientinnen selbst zu finanzieren (ca. 25 Euro). Die BKK MOBIL OIL zahlt ihren Mitgliedern als erste Krankenkasse in Deutschland diese innovative Leistung.
Die Terminvereinbarung, die Erhebung der Anamnese, die Durchführung der eigentlichen Untersuchung und die Dokumentation des Tastergebnisses erarbeitet eine MTU dank entsprechender optischer und elektronischer Hilfsmittel vollkommen selbständig. Die Bewertung und Diagnostik gefundener Gewebeauffälligkeiten obliegt jedoch ausschließlich dem Arzt. Er wird im Falle eines Befundes sofort im Anschluss an die Tastuntersuchung über das weitere Procedere entscheiden. Damit ist sichergestellt, dass das Ausüben dieses neuen medizinischen Hilfsberufes nur unter der Aufsicht eines entsprechenden Facharztes möglich ist und sein wird. Neben dem BFW Düren, das als Vorreiter im Jahr 2006 im Rahmen des Projektes discovering hands® MTU erfolgreich ausgebildet und vermittelt hat, haben weitere drei Einrichtungen (BFW Halle, BBS Nürnberg, BFW Mainz) diese Qualifizierung in ihren Angebotskatalog für die berufliche Integration blinder und sehbehinderter Menschen implementiert. Die Ärzte, die bisher eine MTU eingestellt haben, waren dann erfolgreich und vom Sinn der Maßnahme zu überzeugen, wenn innovative Wege zur Verbesserung der Diagnostik als wichtiger Bestandteil der täglichen Aufgabe einer gynäkologischen Praxis gesehen und gelebt werden.
Katrin Dickel
| Behindertenpolitisches Forum 2010 „Barrierefreiheit und Arbeit“ |
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| marktes, Praktikern aus Personalabteilungen von Unternehmen und betroffenen Beschäftigten soll das Thema Barrierefreiheit in der Arbeitswelt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet werden. Auf Initiative der Arbeitsgruppe des Runden Tisches der Menschen mit Behinderungen "Behinderte und Arbeitswelt" und des Sozialministeriums wird an diesem Tag herausragendes Engagement von öffentlichen oder privaten Unternehmen für Menschen mit Behinderungen in Sachsen-Anhalt besonders gewürdigt. Dazu soll erstmalig der Preis "Pro-Engagement" vergeben werden. In drei Kategorien kann jeweils ein Unternehmen, das sich besonders für Menschen mit Behinderungen im Sinne des Ausschreibungstextes engagiert, den Ehrenpreis des Landesbehindertenbeirates und/oder den Geldpreis des Integrationsamtes in Höhe von je 20.000 Euro erhalten. Mit der Preisverleihung durch den Sozialminister und den Behindertenbeauftragten der Landesregierung, einhergehend mit der Laudatio des Wirtschaftsministers werden unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten besondere Unternehmen unseres Landes öffentlich geehrt und gewürdigt. Damit erwerben diese Firmen auch besondere Rechte und können beispielsweise mit dem Preislogo für ihren Betrieb werben. Bewerbungen können nun bis zum eingereicht werden. Das Bewerbungsformular finden sie im Internet auf der Seite: Hier kann sich auch jeder Leser den Flyer mit dem Veranstaltungsprogramm herunterladen. Anmelden kann man sich zum Forum auch per Post. Ministerium für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt Geschäftsstelle des Behindertenbeauftragten Turmschanzenstraße 25 39114 Magdeburg Fax: 0391 567-4052 31. Mai 2010 www.pro-engagement.sachsen-anhalt.de Am 20. September 2010 findet in den Räumen des Berufsförderungswerkes in Halle/S. das 5. Behindertenpolitische Forum statt. In diesem Jahr widmet sich das Forum wiederum dem Thema Barrierefreiheit. Diesmal allerdings mit dem Schwerpunkt Arbeit. Gemeinsam mit Experten des Arbeits |
Thema
Die böse Hexe Kuchenzahn hat den Wald verzaubert. Überall sind Müll und Dreck. Die Umweltverschmutzung gefährdet das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere. Aber die böse Hexe hat eine Nichte. Das ist die Zauberin Belzeweib. Mit einem Trunk aus einem uralten Zauberbuch will sie den Tieren helfen und die Umwelt retten. Wenn die böse Hexe den trinkt und sich dann etwas wünscht, geschieht immer genau das Gegenteil.
Das Stück heißt „Der hochprozentige Traumerfüller“ und hatte am 27. November Premiere auf der Podiumbühne des Magdeburger Opernhauses. Die Gruppe der Schauspieler nennt sich „The Pipers“. Sie wohnen oder arbeiten in Einrichtungen der Lebenshilfe, den Pfeifferschen Stiftungen (darum „The Pipers“) und anderer Träger. Sie werden im Alltag oft als „geistig behindert“ bezeichnet. Einige können lesen, andere nicht. Seit vielen Jahren schon kooperiert die Theatergruppe mit dem Theater Magdeburg. Die Intendanten und die betreuenden Theaterpädagogen wechselten mehrmals, aber „The Pipers“ sind geblieben. In jeder Spielzeit gibt es ein neues Theaterstück. Die Zuschauer der Premiere des letzten Stückes hatten nach wenigen Minuten vergessen, dass auf der Bühne behinderte Menschen spielten. Das war kein „Behindertentheater“ sondern Theaterkunst.
„Ich hatte diesmal eine Hauptrolle.“, erzählt Elvira Seyfried stolz. Sie bewohnt gemeinsam mit ihrem Wellensittich ein gemütliches Zimmer im „Regenbogenhaus“ in Magdeburg. Im Zimmer sind viele CDs und ein Keyboard. Regelmäßig übt sie darauf mit einer Musiktherapeutin. Musik ist ihr zweites Hobby. Das Regenbogenhaus ist ein Wohnheim für behinderte Menschen. Es gehört zum Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Elvira Seyfried spielt schon viele Jahre mit „The Pipers“ Theater. „Man lernt viel dazu. Auch ganz schwere Worte habe ich hier gelernt.“, berichtet sie stolz. Sie ist durch das Theaterspielen schon viel mutiger und selbständiger geworden. Allein fährt sie mit der Straßenbahn zu den Proben. Gemeinsam mit Freundinnen aus dem Wohnheim fährt sie zum Einkaufsbummel in die Stadt. In eine eigene Wohnung möchte sie nicht ziehen. Sie sagt: „Hier sind alle meine Freunde und wir machen so viel zusammen. Wer mich besuchen will, der klingelt einfach.“. Kein Mitarbeiter betritt in diesem Haus ein Bewohnerzimmer ohne vorher zu klingeln und hereingebeten zu werden.
Frau Christin Mirschel arbeitet als Therapeutin. Sie leitet eine Theatergruppe im Regenbogenhaus. Jedes Jahr zum Sommerfest wird ein Stück aufgeführt und bei ihr kann jeder mitmachen. Frau Mirschel erklärt, dass die Bewohner durch das Theaterspielen oft selbstbewusster werden. Viele lernen dadurch ihre Bedürfnisse besser zu äußern. Körperhaltung und Mimik verbessern sich nicht nur auf der Bühne. Selbst die, die nur als Zuschauer kommen verändern sich. Da werden die Haare frisiert oder extra ein frisch gebügeltes Hemd angezogen. Dann wird das Geschehen auf der Bühne, beim Sommerfest genauso wie im Theater, aufmerksam verfolgt. Viele Bewohner gehen mittlerweile auch gern ins „normale“ Theater.
„The Pipers“ beginnen bald mit den Proben für ihr Stück in der neuen Spielzeit. Elvira Seyfried freut sich schon auf ihre neue Rolle. Ob es wieder eine Hauptrolle wird?

Thema
„Guten Tag. Ich bin Heike. Ich habe Zeit für dich“, mit diesen Worten begrüßt Heike Taubert die kleinen Patienten der Kinderintensivstation des St. Elisabeth Krankenhauses in Halle/S.. Dann setzt sie sich zu ihnen, erzählt Geschichten oder liest vor. Mit einigen kann sie kleine Spiele machen, andere wollen einfach mal mit jemand reden. Anders als auf einer normalen Kinderstation, dürfen oder können die Kinder hier meist nicht aufstehen. Manche können sich noch nicht einmal im Bett aufsetzen. Durch Kabel und Schläuche sind sie mit der modernen Medizintechnik verbunden. Diese gibt Geräusche von sich. Es piept, es summt und es klingelt. Dann kommen Schwestern und Ärzte angerannt und reden in einer unverständlichen Sprache. Die hier arbeitenden Ärzte und Schwestern versuchen den Kindern die Angst zu nehmen. Endlich eine Ablenkung, Heike Taubert kommt. Die Kinder freuen sich, dass jemand Zeit für sie hat. Anders als erwachsene Patienten wundern sich die Kinder auch nicht über ihr Auftreten, sondern nehmen sie so wie sie ist – sie ist Rollstuhlfahrerin.
Die Ärzte und Schwestern informieren Frau Taubert über die Besonderheiten der Patienten. Sie legen fest wer aufgemuntert werden sollte, wen es zu beruhigen gilt und wer schon mal ein paar Minuten am Tisch spielen darf. Wie man dies alles machen kann, hat Frau Taubert in Schulungen gelernt. Für sie und die anderen Frauen und Männer vom Krankenhausbesuchsdienst bietet das Krankenhaus regelmäßige Weiterbildungen und Treffen zum Erfahrungsaustausch an. Ein Krankenhaus ist nicht nur ein Ort des Gesundwerdens sondern man wird hier unmittelbar mit Leid und Tod konfrontiert. „Einmal sagte ein kleiner Junge zu mir: ‚Der da drüben im Bett lag, ist heute früh gestorben'. Da musste ich selber erst einmal schlucken.“, erzählt Frau Taubert. Schwer ist es immer wenn ein Kind, das man besucht hat, stirbt. In Gesprächen innerhalb der Gruppe hilft man sich gegenseitig dies zu verarbeiten. Sie betont: „Man muss aufpassen, dass man es nicht mit nach Hause nimmt.“ Dazu gehört sehr viel Professionalität.
Heike Taubert (53) ist wegen einer Muskelerkrankung auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen. Seit vielen Jahren engagiert sie sich im Behindertenverband Halle. 2004 erfuhr sie, dass es in einigen Krankenhäusern Besuchsdienste von ehrenamtlichen Helfern gibt. Sie fuhr zum Krankenhaus „St. Barbara“. Dort nahm man die Hilfe gern an. Sie besuchte Patienten, die wenig oder keinen Besuch erhielten. Durch ihre Tätigkeit im Behindertenverband ist sie mit vielen Problemen von behinderten und chronisch kranken Menschen vertraut. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Sozialdienstes half sie z.B. bei der Beantragung von Sozialleistungen. Durch ihr Auftreten zeigte sie den Patienten, dass ein Leben trotz einer Behinderung noch lange nicht zu Ende ist. „Manche nahmen mich anfangs gar nicht als Besuchsdienst war, sondern dachten ich wäre eine Patientin aus dem Nebenzimmer“, erzählt sie lachend. Da die Bedingungen für Rollstuhlfahrerinnen am „St. Barbara“ Krankenhaus nicht so günstig sind, wechselte sie nach einiger Zeit an das Krankenhaus „St. Elisabeth“. Hier hätte sie gern auf der Kinderstation gearbeitet. Weil Helferinnen vom Besuchsdienst mit den Kindern auch auf den Spielplatz gehen, verwehrte man ihr dies allerdings. Man hatte Angst, dass ihr als Behinderte die Kinder weglaufen könnten. Anfangs setzte man sie wieder auf verschiedenen Stationen für Erwachsene ein und dann bot man ihr die Tätigkeit auf der Kinderintensivstation an.

Mittlerweile ist Frau Taubert zu einer Ansprechpartnerin für andere Mitarbeiter des Besuchsdienstes geworden. Sie hat eine für sich sinnvolle Aufgabe gefunden mit der sie anderen helfen kann. Obwohl sie im Alltag auf Grund ihrer Behinderung selbst oft Hilfe braucht, kann auch sie anderen Menschen helfen.
Die Arbeit von Heike Taubert und den anderen Frauen und Männern von Besuchsdiensten in Krankenhäusern ist interessant, abwechslungsreich und für die Gesellschaft wichtig. Sie ist aber auch anstrengend und verlangt starke Persönlichkeiten. Die Idee einzelner Politiker, Langzeitarbeitslose damit zu „beschäftigen“, bleibt hoffentlich „Wahlkampfgeschwätz“.
Thema
Wie aus Hilfe Freundschaft wurde
So schrieb es die taubblinde Schriftstellerin Helen Keller. Und so erging es auch der gehörlosen Frau Kienast in Wanzleben. Bis zu ihrem 65. Lebensjahr arbeitete sie in einer Werkstatt für Behinderte und war dort sozial eingebunden. Dann war Schluss und Frau Kienast Rentnerin.
Nach der Arbeit lebte sie ein Jahr in fast völliger Isolation von anderen Menschen, denn Frau Kienast kann sich lautsprachlich kaum verständigen. Die Nachbarn grüßten zwar freundlich und auch die Sozialarbeiterin für Hörbehinderte besuchte sie ab und an, aber für die sozialen Kontakte ist das natürlich nicht im geringsten ausreichend. Frau Kienast kann zwar lesen, aber Faxe zu schreiben bzw. abzusenden, dazu fehlt ihr bis heute der Mut. So war also auch diese Form von Kontaktaufnahme zu anderen gehörlosen Menschen ausgeschlossen.
Frau Kienast ist Mitglied im Gehörlosenverein Magdeburg, jedoch konnte sie wegen der schlechten Verbindung im ÖPNV nur sehr selten an Veranstaltungen teilnehmen. Außerdem war auch eine Unterhaltung in Gebärdensprache nur spärlich möglich, denn diese beherrschte Frau Kienast kaum.
Frau Scheller (ebenfalls gehörlos) wurde durch ihre Schwester, die in Wanzleben wohnt, auf Frau Kienast aufmerksam. Das war im Jahre 2006. Nun besuchte Frau Scheller Frau Kienast oft und übte mit ihr Gebärdensprache. Aber Frau Kienast ist sehr schüchtern und zurückhaltend, sodass sich Erfolge erst nach einem Jahr einstellten.

2007 fragte Frau Scheller, ob es nicht besser wäre, nach Magdeburg umzuziehen. Mit Hilfe der Beratungsstelle für Hörbehinderte wurde der Umzug organisiert und Frau Kienast zog nach Magdeburg in die Nähe von Frau Scheller. So wurde der Kontakt noch enger. Herr Scheller (auch gehörlos), handwerklich begabt, half die Wohnung hübsch herzurichten. Frau Scheller war eine gute Einkaufsberaterin für neue Möbel und Frau Kienast war glücklich.
Frau Kienast lernte weiter fleißig die Gebärdensprache und Frau Scheller nahm sie überall hin mit, z.B. zum Frauenkreis, zum Seniorenkreis, zum Sterntreffen und schließlich auch zum monatlichen Bowlingnachmittag. So wurde es durch die vielen neuen Kontakte möglich, die Gebärdensprache besser zu beherrschen. Auch privat wurde Frau Kienast zum Kaffeetrinken oder zum Grillen eingeladen. So etwas kannte sie bisher in ihrem ganzen Leben nicht.
Nun haben wir das Jahr 2010 und Frau Kienast ist immer noch verhältnismäßig schüchtern und zurückhaltend, aber mit Selbstbewusstsein. Jetzt geht sie auch ohne Frau Scheller zu Veranstaltungen und kann auch schon witzig sein. Was ich, als Leiterin der Beratungsstelle für Hörbehinderte
in Magdeburg, am besten finde ist, dass sie auch mal Kontra geben kann, was ich als Sozialarbeiterin noch nicht kannte. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit von Frau Scheller. Zu Anfang war es sehr schwer, aber sie hat nie locker gelassen – welch ein Fortschritt für Frau Kienast. Aus einem einsamen Menschen ist ein Mensch geworden, der seinen Platz in der Gehörlosengemeinschaft gefunden hat.
Frau Scheller ist tätig in einer Arbeit mit Mehraufwandentschädigung. Sie besucht ältere gehörlose Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen können zu Hause oder im Heim, damit diese Menschen nicht isoliert werden und sich locker (nicht mit Zetteln) in Gebärdensprache unterhalten können. Das Engagement für Frau Kienast beruht allerdings ganz auf privater Initiative.
Sabine Felsche
Ertappt
Es war einmal ein Studentenwohnheim in einem 16-geschossigen Plattenbau am Magdeburger Universitätsplatz. Im Erdgeschoss war eine Studentenkneipe. Das Hochhaus verfügte über ausreichend große Aufzüge. Sein Erdgeschoss war jedoch nur über viele Stufen oder über eine Fahrradrampe mit ca. 25% Steigung erreichbar. Als auch behinderte Studenten nach Magdeburg kamen, baute das Studentenwerk, der damalige Besitzer des Hauses, einen rollstuhlgerechten Zugang. Es legte dazu durch eine Grünanlage einen Plattenweg an, der an keiner Stelle steiler als 6% war. Diesen Weg nutzten von da an Radfahrer, Studenten mit Kinderwagen und einige Rollstuhlfahrer. Im Haus und in den Wohnungen konnte man den Charme der DDR noch lange genießen. Da das Studentenwerk eine nötige Sanierung des Hauses nicht leisten konnte, wurde es an einen privaten Investor verkauft.
Dieser sanierte das Haus für über 7 Millionen Euro komplett. Es gibt jetzt eine neue Fassade, moderne Elektroanlagen und eine repräsentative Eingangshalle. Durch neue Wohnungsgrundrisse entstanden 190 neue Wohneinheiten mit 241 Wohnheimplätzen. Im ersten Obergeschoss gibt es einige Büros und im Erdgeschoss ist wieder eine Studentenkneipe. Außerdem sind im Erdgeschoss ein Behinderten-WC, welches von den Gaststättenbesuchern benutzt werden kann und vier barrierefreie Apartments. Auf ihre Einrichtung bestand das Magdeburger Bauordnungsamt ausdrücklich, denn in § 49 Absatz 1 der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt steht:
„In Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen müssen die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar sein. In diesen Wohnungen müssen die Wohn-und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische mit dem Rollstuhl zugänglich sein“.
Barrierefrei sind Zugänge, wenn sie von allen Menschen, also auch Rollstuhlbenutzern, eigenständig und ohne fremde Hilfe nutzbar sind. Dem entsprechen diese Wohnungen und das öffentliche WC.
Aber: Im Zuge der Sanierung wurde das Freigelände neu gestaltet. Der rollstuhlgerechte Zugang zum Gebäude wurde abgerissen. Auch die 25% Rampe gibt es nicht mehr. Ringsherum neue Treppen. Darüber müssen Fahrräder und Kinderwagen jetzt getragen werden.
Wie sollen jedoch Rollstuhlbenutzer in ihre Wohnung, zu hier wohnenden Freunden, in die Büros oder die Kneipe kommen? Es gibt nur eine Lösung. Denken sie mal an die Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“! Wenn Captain Kirk oder Mr. Spock einen Planeten oder ein anderes Raumschiff besuchen wollten dann ließen sie sich „beamen“. Sie wurden durch den Ingenieur Scott an dem einen Ort aufgelöst und entstanden an einem anderen neu. Wissenschaftler nennen dieses Verfahren „Teleportation“. Beamen ist allerdings heute noch nicht möglich. Aber – wir sind ja an einer Universität. Vielleicht arbeitet man hier im Geheimen bereits an einer Lösung. Am Campus Tower in Magdeburg wird das neue Verfahren dann der Öffentlichkeit präsentiert.

Beirat
Auf seiner ersten Sitzung in diesem Jahr, am 20. Februar, bekam der Landesbehindertenbeirat Besuch vom neuen Minister für Gesundheit und Soziales, Norbert Bischoff (SPD). Der Minister betonte, ihm sei bewusst, dass Menschen mit Behinderungen viele Probleme haben. Er wolle seine Zeit nutzen, mit dem Beirat darüber ins Gespräch zu kommen.
Am Anfang ging Bischoff kurz auf den strengen Winter ein. Die Betroffenen freuten sich, dass ihm dabei nicht nur die Probleme der Gehbehinderten und Rollstuhlfahrer und –fahrerinnen aufgefallen waren, sondern z.B. auch der sehbehinderten und blinden Menschen. Deren gewohnten Wege und Orientierungspunkte waren wochenlang eingeschneit. „Das Thema Barrierefreiheit muss endlich
in das Bewusstsein aller die Verantwortung tragen dringen. Im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung, steigt der Anteil der Menschen, die darauf angewiesen sind, ständig.“ Der Minister betonte, dass es bei diesem Thema nicht nur um barrierefreies Bauen geht – barrierefrei muss auch die Kommunikation mit den Menschen gestaltet werden. „Politik hat auch für die da zu sein, die auf Grund von
Behinderungen Nachteile haben. Ein Nachteilsausgleich ist sowohl eine politische wie eine gesellschaftliche Aufgabe. Darum werde ich mich
u.a. in diesem Haus kümmern.“ Vom Behindertenbeirat und dem Behindertenbeauftragten erwartet Bischoff, dass sie die Probleme behinderter Menschen direkt in alle Bereiche der Politik und Verwaltung tragen.
Nach seinen einleitenden Worten stellte sich der Minister der Diskussion. Aus der AG „Wohnen, Wohnumfeld und Infrastruktur“ benannte Udo Rheinländer den Wunsch, die Vergabe von Fördermitteln des Landes an das Kriterium der Schaffung von Barrierefreiheit zu binden. „Wenn die Steuermittel aller Bürger dafür verwendet werden, dann muss das Geschaffene auch allen Menschen zu gute kommen.“ Dazu sollte ein Kompetenzzentrum auf Landesebene eingerichtet werden.
Die Sprecherin der Arbeitsgruppe „Behinderte und Arbeitswelt“ Maike Jacobsen erläuterte erste Erfolge des Models „Unterstützte Beschäftigung“ und benannte die Notwendigkeit dieses vermehrt anzuwenden. Sie äußerte den Wusch, dass die Beschäftigungsquote für behinderte Beschäftigte nicht nur als Mindeststandard angesehen wird, sondern dass sich zum Beispiel die Verwaltung des Landes höhere Ziele steckt.

Hans-Peter Pischner, aus der AG „Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit“ formulierte den Wunsch, dass das neue Behindertengleichstellungsgesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird. Er benannte Probleme bei der Gestaltung von „Persönlichen Budgets“, die oft weit davon entfernt sind, den tatsächlichen und individuellen Bedarf zu decken. Von der Pressestelle des Sozialministeriums wünschte er sich, eine bessere Unterstützung bei der Publikation von Anliegen des Behindertenbeauftragten und
des Beirates. Die UN-Konvention muss in Sachsen-Anhalt konsequent und zügig umgesetzt werden.
Die Schwerpunkte aus der AG „Rehabilitation und Integration“ stellte Dr. Jutta Hildebrand vor. Die AG beschäftigt sich u.a. mit der Umsetzung des Prinzips „ambulant vor stationär“. Um dies allen Menschen zu ermöglichen, braucht Sachsen-Anhalt nicht nur eine barrierefreie Infra
struktur. Es müssen niedrigschwellige und bezahlbare Unterstützungs-und Hilfeangebote geschaffen werden. Sie benannte die Hürden für behinderte Menschen beim Zugang zum Gesundheitswesen und machte den Minister auf noch
| nicht | gelöste | Probleme | beim | Einsatz | von | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Integrationshelfern | beim | integrativen | Schul | ||||
| besuch aufmerksam. | |||||||
Der Sozialminister bedankte sich für die sehr gebündelte Darstellung der Arbeitsschwerpunkte. Die Forderung nach einem Kompetenzzentrum zum barrierefreien Bauen, möchte er unterstützen. Mit der Pressestelle will der Minister persönlich reden. Die angeführten Probleme notierte er sich und an ihrer Lösung will er mitarbeiten. Zum Schluss sprach Minister Bischoff den Mitgliedern des Beirates für ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit seinen Dank aus. „Ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit.“
(Mit der Pressestelle hat der Minister bereits gesprochen, wie Holger Paech, der Pressesprecher des Ministeriums der Redaktion mitteilte.)
INTERVIEW
Norbert Bischoff Minister für Gesundheit und Soziales
Herr Bischoff, Ihr Haus ist verantwortlich für alle Menschen von den Kindern bis zu den Senioren, für die Gleichstellung, den Sport, die Gesundheitspolitik und den Sport. Welchen Stellenwert nehmen da die Probleme behinderter Menschen ein?
Die Probleme von Menschen mit Behinderungen haben in der Politik des Sozialressorts einen herausragenden Stellenwert. Von Behinderung betroffen sind Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Und alle haben einen Anspruch auf volle gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ziel der Sozialpolitik ist es, der Vielfalt der Menschen gerecht zu werden. Dies kann nur durch die konsequente Umsetzung des Ansatzes der Inklusion gelingen. Die Sicherstellung der Teilhabe aller Menschen am Leben in der Gesellschaft kann nur gelingen, wenn wir unsere sozialen Systeme an dieser Vielfalt orientieren und für die Belange aller Menschen öffnen.
Das Persönliche Budget ist in Sachsen-Anhalt leider noch kein Erfolgsmodell. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dies zu ändern?
Im Vergleich der Länder nimmt Sachsen-Anhalt bei der Umsetzung des persönlichen Budgets einen vorderen Platz ein. Dies belegen Statistiken der Bundesregierung. Das Land hat sich frühzeitig an der modellhaften Einführung des Persönlichen Budgets beteiligt. Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Verbesserungspotentiale gäbe. Insbesondere muss dem trägerübergreifenden Persönlichen Budget eine größere Bedeutung zukommen. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die anderen Rehabilitationsträger, also die Krankenkassen, Rentenversicherungen und die Arbeitsverwaltung, stärker einbinden lassen.
Behinderte Schüler haben an Regelschulen einen Anspruch auf Integrationshelfer, welche nur während der Unterrichtszeit bezahlt werden. Würden sie sich dafür einsetzen, dass diese auch in den Ferien den Kindern zur Verfügung stehen und bezahlt werden?
Integrationshelfer und -helferinnen haben die Aufgabe, den Schulbesuch zu ermöglichen. Sie helfen, um eine angemessene Schulbildung insbesondere im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht zu ermöglichen. Sie leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des Schulalltages der anspruchsberechtigten Kinder in der Interaktion mit Lehrerinnen, Lehrern sowie der Mitschülerinnen und Mitschülern. Die Situation der Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule, also auch während der Ferien, unterscheidet sich grundlegend vom Unterrichtsalltag im Klassenverband. Folgerichtig unterscheidet sich auch der Hilfebedarf. Die Entscheidung über den Betreuungsumfang außerhalb der Schulzeit ist abhängig vom individuellen Hilfebedarf.
Im Entwurf des neuen Behindertengleichstellungsgesetzes des Landes steht, dass der Landesbeauftragte dann an Gesetzesvorhaben beteiligt werden soll, wenn die Belange behinderter Menschen im „besonderen Maße“ betroffen sind. Sind nicht wenn Menschen betroffen sind, auch immer behinderte Menschen betroffen?
Die Einschränkung, dass der Behindertenbeauftragte nur zu beteiligen ist, wenn Belange von Menschen mit Behinderungen im "besonderen Maße" betroffen sind, war tatsächlich nicht haltbar. Die genannte Passage findet sich daher nicht mehr im aktuellen, in den Landtag eingebrachten Gesetzentwurf. Ich bin sehr froh darüber, dass es gelungen ist, die anderen Ressorts der Landesregierung davon zu überzeugen, dass diese Einschränkung nicht vorgenommen werden sollte.
Wie kann sichergestellt werden, dass für Kinder mit ganz bestimmten Behinderungen (Blinde, Gehörlose) eine frühkindliche Förderung am Wohnort gesichert wird?
Die im Land tätigen Frühförderstellen schließen eine Versorgung von Kindern mit Seh-oder Hörbehinderungen nicht aus. Richtig ist aber auch, dass für diese speziellen Bedarfe besondere Kenntnisse erforderlich sind. Über solche verfügen unsere Landesbildungszentren in Halle, Halberstadt und Tangerhütte, die im Schwerpunkt schulvorbereitende Maßnahmen durchführen. Ich appelliere an Frühförderstellen, sich dieser Zielgruppe in besonderem Maße anzunehmen und soweit erforderlich, die notwendigen Qualifikationen zu erwerben. Die frühkindliche Rehabilitation hat gerade bei Sinnesbeeinträchtigungen einen ganz hohen Stellenwert. Je eher Hilfe und Förderung
oto: Annika Raebel
angeboten werden, umso größer sind die Chancen.

Nach Gold im Handbiking konnte Andrea Eskau vom USC Magdeburg ihre Sammlung Paralympischer Medaillen bei den X. Winterparalympics in Vancouver um Bronze und Silber erweitern. Sie stellte sich mit dem SkiSchlitten der Konkurrenz im Langlauf und im Biathlon.
Was sie erst vorrangig als winterliche Trainingsergänzung andachte, weckte schnell ihren Ehrgeiz. Beachtliche Fortschritte in der Beherrschung des neuen Sportgeräts brachten bei ersten Weltcuprennen im Langlauf in Norwegen vordere Platzierungen. Auch im Schießen verblüffte sie Bundestrainer Werner Nauber mit beachtlichen Fortschritten.
Damit legte Andrea Eskau den Grundstein für ihren Bronze-Erfolg über 10-km im Biathlon und die Silbermedaille im 5 Kilometer Langlauf-Rennen in der sitzenden Klasse. Mit ihrem gelungenen Winterdebüt knüpft sie unmittelbar an ihre erfolgreiche Handbike-Saison 2009 an. Sowohl im Einzelzeitfahren, als auch im Straßenrennen war sie im Vorjahr Weltmeisterin und Deutsche Meisterin geworden.
A. Lippstreu
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(Grad der Behinderung) von mindestens 70 im Wenn es anders kommt Schwerbehindertenausweis haben. Bei Vorliegen
Bei vielen Eltern löst die Mitteilung, dass ihr Kind
der Merkzeichen aG, B, H oder BL erhalten Sie den behindert oder chronisch krank ist Unsicherheit
Schlüssel unabhängig vom GdB. Um Missbrauch und Sorge aus. Um Familien in dieser Situation zu
zu vermeiden, wird bei der Bestellung des EURO-unterstützen, hat die Bundeszentrale für gesund-
Schlüssels um die Vorlage einer Kopie des heitliche Aufklärung Informationen über das Schwerbehindertenausweises gebeten. Auch wird Leben mit einem behinderten Kind zusammen-
nur ein Schlüssel pro Person ausgegeben.
gestellt. Diese sind ab sofort im Internetportal www.kindergesundheit-info.de
Der Schlüssel kostet 18,00 Euro (einschließlich abrufbar.
Porto) und wird gegen Vorkasse versendet.
Der Landesbehindertenbeirat, vertreten Redaktionsausschuss des Landesbehindertenbeirates, durch den Beauftragten der Landesregierung Verantwortlich: Sabine Kronfoth für die Belange behinderter Menschen
Adrian Maerevoet (V.i.S.d.P.)
KOCH-DRUCK HalberstadtTurmschanzenstraße 25 Tel. 03941/6900-0 39114 Magdeburg info@koch-druck.de
Tel.: 0391 567-6985/ 4564 Fax: 0391 567-4052
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