Zeitschrift des Behindertenbeirates Sachsen-Anhalt

finanziert vom Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt

Inhalt

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Tourismus: Wernigerode begrüßt Sie!

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Auf ein Wort: Jeder hat ein Recht auf Urlaubsreisen

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Thema: Barrierefreiheit als

Wirtschaftfaktor

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Thema: Tourismus Sachsen-Anhalt

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in

Vorgestellt: Ich war noch niemals in New York

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Vorgestellt: Urlaub in
Havelberg
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Angemerkt: Hilfe, ich

bekomme behinderte Gäste!

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Interview: Barrierefreiheit ist komfortabel

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Bericht: Luther 2017

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Ratgeber: Reiseempfehlungen

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Aktuell

Behinderte Touristen sind zuallererst einmal Touristen. Sie haben im Urlaub keine anderen Interessen als Nichtbehinderte, aber behinderungsbedingt stellen sie teilweise andere Anforderungen an ihr Urlaubsziel. Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter und mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung. Die wenigsten Menschen ändern dann ihre Interessen. Andere sind schon in jungen Jahren behindert. Es gibt Kulturtouristen und Kulturbanausen, Sportler und Nichtsportler sowie Naturliebhaber, Gesundheitstouristen und Stadtneurotiker unter ihnen. Behinderte Touristen brauchen keine speziellen „Behindertenangebote“. Sie wollen sich im Urlaub erholen und gemeinsam mit anderen behinderten und nichtbehinderten Gästen Neues entdecken.

Tourismus

Wernigerode begrüßt Sie!

Im schönsten Standesamt kann man auch als Rolli heiraten

Die bunte Stadt im Harz hat eine lange Tradition als Urlaubsort für Menschen mit Behinderungen. Hier befindet sich die Aura – Pension „Brockenblick“. Sie wird vom Blindenförderungswerk Sachsen-Anhalt betrieben. Die Stadt hat sich auf diese Gäste eingestellt und möchte auch für sie attraktiv sein. Überall in der Stadt befinden sich Skulpturen und Brunnen mit Figuren, die nur darauf warten angefasst zu werden. Direkt vor dem Rathaus gibt es einen plastischen Stadtplan, ein Bronzemodell der Innenstadt. Hier kann man sich die Stadt nicht nur ansehen, sondern mit den Händen die Form der Häuser und die Lage der Straßen ertasten.

Wernigerode ist ein Tourismusmagnet im Harz und wird auch von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen besucht. Die Berge im Harz sind zwar oft steiler als 6%, die Stadt selber ist aber relativ eben. Fast ohne Probleme kann man vom Bahnhof in die Stadt bis zum historischen Rathaus rollen. Auf dem Marktplatz wird man dann allerdings vom Kopfsteinpflaster begrüßt. Das Rathaus selber kann dann auch mit dem Rollstuhl besucht werden. Ein Aufzug hinter einer automatischen Tür führt den Besucher in die Tourismusinformation der Stadt. Hinweise auf diesen Eingang sind leider schwer zu entdecken. In der Tourismusinformation bekommt man Broschüren über Unterkünfte und Hinweise zu Sehenswürdigkeiten sowie über deren Barrierefreiheit.

In seinem Inneren ist das Rathaus so verwinkelt wie es von Außen aussieht. Über die Jahrhunderte wurden immer wieder neue Räume angebaut – mal ein paar Stufen höher und mal tiefer als das schon Vorhandene. In den letzten Jahren wurden mehrere Treppenhäuser deshalb mit Schrägaufzügen nachgerüstet. Man kann die hier arbeitenden Verwaltungsbereiche erreichen, kommt in den Ratssaal, der auch für Veranstaltungen genutzt wird und mit Hilfe sogar bis in das berühmteste Standesamt von Sachsen-Anhalt. Im Rathaus kann man also auch im Rollstuhl getraut werden.

Zum Feiern laden die zahlreichen Gaststätten ein. In den letzten Jahren wurden viele von ihnen so umgebaut, dass sie von ihren Gästen auch berollt werden können. Behindertentoiletten sind leider in den wenigsten zu finden. Hier muss die Stadt noch größere Anstrengungen unternehmen, um die Besitzer zu motivieren, solche zu bauen. Gleiches gilt auch für die zahlreichen kleinen Läden in den hübschen Fachwerkhäusern, die zum Einkaufen einladen. Viel zu viele haben eine kleine Stufe am Eingang, so dass es mit dem Rollstuhl beim Schaufensterbummel bleibt.

Mitten in der Stadt befindet sich die „Alte Schmiede“. Hier kann man eine Einführung in alte Handwerkstechniken erhalten. Die hier Beschäftigten haben alle Eingänge barrierefrei hergerichtet. Auf dem Gelände der Landesgartenschau von 2006 ist der Miniaturenpark „Kleiner Harz“ entstanden. Eingebettet in eine Miniaturlandschaft mit Bergen und Bachläufen stehen detailgetreue Nachbauten von historischen Gebäuden aus dem gesamten Harz. Von Wernigerode kann man mit der Harzer Schmalspurbahn auch den Brocken erreichen. Rollstuhlfahrer sollten die Fahrt aber vorher anmelden, denn nicht jeder Zug verfügt über geeignete Waggons.

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AUF EIN WORT

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Barrierefreiheit als Wirtschaftsfaktor

Barrierefreiheit ist zu einem entscheidenden Faktor im Tourismus geworden. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmer einer Konferenz, die bereits am 11. September 2008 im Bundeswirtschaftsministerium stattfand. Anlass war die Präsentation der Ergebnisse einer neuen Studie, die das Institut für Geographie der Universität Münster im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erstellt hatte. Dabei ging es um die „Analyse von Erfolgsfaktoren und Entwicklung von Maßnahmen zur Qualitätssteigerung im barrierefreien Tourismus für Alle in Deutschland". Wie dies in der Praxis aussehen kann, wurde während einer Diskussion von Behindertenbeauftragten, Tourismusexperten und Vertretern vonSelbsthilfeinstitutionen aufgezeigt.

Barrierefreiheit im Tourismus ermöglicht allen Menschen einen einfachen, intuitiven und sicheren Zugang und steigert dadurch den Komfort, die Attraktivität und Qualität von touristischen Angeboten und Dienstleistungen. So weiß man mittlerweile, dass eine barrierefrei zugängliche Umwelt für etwa 10 % der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 % notwendig und für 100 % komfortabel ist. Barrierefreiheit rund um die touristische Servicekette ist weit mehr als ein Spezialangebot für Reisende mit Behinderungen. „Barrierefreier Tourismus für Alle“ ist ein Qualitätsmerkmal, das allen Reisenden, Behinderten wie Nichtbehinderten, älteren Menschen oder Familien mit Kindern zu Gute kommt und in Zeiten des demographischen Wandels neue, ökonomisch attraktive Zielgruppen erschließt. So belegt die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit aus dem Jahr 2003 herausgegebene Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus für Alle“ ein bisher noch unausgeschöpftes Kundenpotenzial. Bereits heute werden jährlich ca. 2,5 Mrd. Euro durch die Urlaube und Kurzurlaube behinderter Menschen umgesetzt. Durch mehr Barrierefreiheit im Tourismus wären sogar bis zu 4,8 Mrd. Euro Nettoumsatz im Deutschlandtourismus möglich.

Untersuchungen zum Reiseverhalten von Menschen mit Behinderungen zeigen übereinstimmend, dass es keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Reisewünsche zu nichtbehinderten Menschen gibt. Man möchte entspannen, den Alltag zurück lassen und Neues entdecken. Reisende mit Behinderungen sind besonders treue Gäste. Wo es ihnen gefällt bleiben sie gern länger und kommen noch einmal wieder. Untersuchungenzur Reisezeit zeigen, dass

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besonders die Vor-und Nachsaison von ihnen bevorzugt wird. Ungefähr 42 % der mobilitätseingeschränkten Reisenden verbringen ihren Urlaub in Deutschland. Unter den nichtbehinderten Reisenden liegt diese Quote nur bei ca. 30 %. Immerhin 37 % der Menschen mit Mobilitäts-und Aktivitätseinschränkungen haben schon einmal auf eine Reise verzichtet, weil es keine barrierefreien oder behindertengerechten Angebote, Einrichtungen oder Dienstleistungen gab. 48,1 % der behinderten Menschen würden häufiger reisen, wenn es zusätzliche barrierefreie Angebote gäbe.

Am Urlaubsort erwarten behinderte Reisende vor allem eine ihren behinderungsbedingten und finanziellen Bedürfnissen entsprechende Unterkunft. Hier zeigt sich, dass vor allem im mittleren und unteren Preisbereich vielfach noch entsprechende Angebote fehlen.

Auch behinderte Menschen möchten ihren Urlaub nicht ausschließlich im Hotel verbringen, sie erwarten eine barrierefreie Infrastruktur. Genau wie alle anderen Touristen möchten sie die kulturellen und sportlichen Angebote der Urlaubsorte nutzen. Diese und alle anderen Sehenswürdigkeiten möchten sie barrierefrei erreichen und benutzen können. Das bedeutet, dass nicht nur das Gebäude, sondern auch die Ausstellung selber barrierefrei gestaltet werden müssen.

Wirtschaftlicher ist es, Barrierefreiheit schon zu Beginn der Planung von Neu-und Umbaumaßnamen zu berücksichtigen. Ein von Anfang an vorgesehener, ausreichend großer, Fahrstuhl kann von jedem benutzt werden. Später nachgerüstete Treppenschrägaufzüge helfen zwar vielen Rollstuhlfahrern in eine andere Etage zu gelangen, Benutzer von schweren E-Rollis und Gehbehinderte mit Rollatoren oder Stützen darf man damit nicht befördern.

Auch Behinderte müssen essen und trinken. Hier haben vor allem Urlauber, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, die größten Probleme. Nur wenige Gaststätten sind für sie zugänglich und noch weniger laden zu einem längeren Besuch ein, weil sie auch über ein Behinderten-WC verfügen.

So wichtig wie es für jede Urlaubsregion ist, möglichst barrierefrei zu sein, genauso wichtig ist es auch über die entsprechenden Angebote zu informieren. Den Betroffenen ist es egal ob dies in gesonderten Publikationen oder in den allgemeinen Informationsbroschüren erfolgt. Ihnen ist wichtig, dass es sich um verlässliche und klar definierte Symbole handelt. So lange Barrierefreiheit in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit ist, gehen viele davon aus, dass bei fehlenden Informationen darüber z.B. Hotels, das Museum, die Kirche oder das Schwimmbad für sie nicht nutzbar sind. Im Zweifelsfall entscheiden sie sich für einen anderen Urlaubsort.

Tourismus in Sachsen-Anhalt

Maßnahmen der Politik

Die Tourismusförderung gehört zu den Aufgaben des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Hier hat man die Bedeutung von Barrierefreiheit im Tourismus erkannt. Umfragen zeigen, dass der barrierefreie Tourismus aber vielfach ein noch unterschätzter Markt ist. Die demographische Entwicklung zwingt aus hiesiger Sicht die Leistungserbringer ihre Angebote barrierefrei zu gestalten, um dauerhaft breite Bevölkerungsschichten anzusprechen. 2002 wurde bereits gemeinsam mit dem Sozialministerium ein Handbuch „Tourismus für Alle“ herausgegeben. Darinerhalten besonders Tourismusanbieter wichtige Hinweise zu Gestaltung von entsprechenden Angeboten. Das Kriterium der Barrierefreiheit ist Inhalt der Qualitätsoffensive Sachsen-Anhalt im Tourismus.

Die Tourismusmarketinggesellschaft (TMG) kennzeichnet seit einigen Jahren in Broschüren sowie im Internet rollstuhlgerechte Hotels mit entsprechenden Piktogrammen. Die Herausgabe von speziellen Informationsmaterialien für Menschen mit Behinderungen wird vomMinisterium abgelehnt. Im Interesse der Integration sollen die allgemeinen Informationsmaterialien allefür Behinderte notwendigen Informationen mit enthalten. Die meisten Unterkunftsverzeichnise sind so gestaltet. Informationen über die Zugänglichkeit von Gaststätten und Sehenswürdigkeiten finden behinderte Menschen jedoch selten in den allgemeinen Broschüren. Hier fehlen oft geeignete Daten und die Bereitschaft diese zu erfassen und zu veröffentlichen. Von Seiten der Betroffenen kann außerdem eingeschätzt werden, dass die Daten, die z.B. ein Rollstuhlfahrer gern hätte, den Rahmen einer allgemeinen Information sprengen könnte.

Regelmäßig wird durch die TMG auf Aktivitäten im Bereich der Barrierefreiheit hingewiesen und zur Angebotsentwicklung aufgefordert. Seit 2005 hat das Ministerium das Kriterium „Barrierefreiheit“ ausdrücklich als Voraussetzung in die Förderbestimmungender Tourismusförderung aufgenommen. Im Rahmen der projektbezogenen Förderung sind die Regional-und Fachverbände aufgerufen, dem Thema mehr Beachtung zu schenken. Bei Problemlösungen sollten auch immer die Behindertenverbände vorOrt einbezogen werden. Wichtig ist, dass neben den „Insellösungen“ umfassende Serviceketten in den einzelnen Regionen entstehen. In den letzten Jahren wurden verstärkt Mittel in den Ausbau der Barrierefreiheit des Nahverkehrs investiert.

Wichtige Impulse gehen auch vom Landeswettbewerb „Auf dem Weg zur barrierefreien Kommune“, der vom Landesministerium für Landesentwicklung und Verkehr ausgelobt wird, aus. Viele Kommunen stellen sich diesen Aufgaben und erstellen eigene Tourismuskonzepte.

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Vorgestellt

Ich war noch niemals in New York

Hin & Weg – ein besonderes Reisebüro

„Ich war noch niemals in New York“, werden wohl die meisten Leser über sich sagen müssen. Wer aber war bereits im gleichnamigen Musical von Udo Jürgens in Hamburg?

Musicalreisen zählen zum festen Angebot von „Hin & Weg Reisen“, einem Reisedienst für Menschen mit Behinderungen. Er gehört zum Lebenshilfe-werk Magdeburg. Obwohl es den Reisedienst in dieser Form erst seit 2008 gibt, kann er schon beachtliche Erfolge und Erfahrungen vorweisen.

Im Katalog dieses Jahresfindensich die unterschiedlichsten Reisen. Die Ziele liegen im In-und Ausland. Wie wäre es z.B. mit einem Segeltörn in den Niederlanden, einem Badeurlaub auf Mallorca oder mit Paragleiten in Österreich? Für Menschen, die nicht so weit weg wollen, gibt es Angebote in Cuxhafen, Brandenburg, Havelberg und noch viel mehr. Wer Lust auf Ostseeurlaub hat, ist hier genauso richtig, wie jemand, der gern Reiterferienmacht. Ergänzend zu diesen mehrtägigen Reisen werden Tagesausflüge in Tierparks, zu Weihnachtsmärkten, in Freizeitparks und eben auch in Musicaltheater angeboten.

Die Reisen stehen allen behinderten Menschen, unabhängig von der Art und der Schwere ihrer Behinderung offen. So wird das Paragleiten auch für Rollstuhlfahrerange-boten. Nur wenige Reisen können von ihnen noch nicht gebucht werden. Es gibt auch Angebote, die sich speziell an junge Menschen richten. WerHilfe und Assistenz benötigt, erhält diese während der Reise. Es werdenimmer so viele Reiseassistenten mitgenommen, wie die Teilnehmer individuell benötigen. Bei der Antragstellung zur Finanzierung über die Pflegeversicherung helfen die Mitarbeiter.

Entstanden ist die Idee zu diesem Reisedienst aus dem Gedanken heraus, dass auch behinderte Menschen das Recht haben, ihren Urlaub individuell zu gestalten. Wer das ganze Jahr in einer Werkstatt arbeitet, oder in

einer Wohngruppe lebt, der möchte vielleicht nicht immer mit den gleichen Leuten auch noch den Urlaub verbringen. Hier kann man neue Leute kennenlernen und seinen eigenen Interessen nachgehen.

„Hin & Weg Reisen“ bietet seine Dienste nicht nur den Mitgliedern der Lebenshilfe, sondern allen Menschen mit Behinderungen an. Selbst die Erfüllung individueller Reisewünsche außerhalb des Katalogs wird ermöglicht. Wie wäre es also mit einer Reise nach New York oder erst einmal zum gleichnamigen Musical nach Hamburg?

Der Reisekatalog für das nächste Jahr erscheint pünktlich zum Weihnachtsbasar der Lebenshilfe vor dem 1. Advent und kann dann auch bestellt werden.

Katalogbestellung:
Hin & Weg Reisen Sülzeanger 1 39128 Magdeburg Fon: 0391 / 25531 -53 Fax: 0391 / 25531 -55 e-mail: hin&weg@lebenshilfe-md.de

Vorgestellt

Urlaub in Havelberg

Angeln, Kanu, Reiten – Ferienfreizeit ohne Grenzen

Acht tolle Tage erlebten Ende Juli 21 junge Menschen mit Behinderung im Erlebnispädagogischen Centrum in Havelberg. Die Kinder-und Jugendfreizeitreise wurde vom Lebenshilfe-Werk Magdeburg organisiert. Seit 2008 verfügt die Einrichtung über einen eigenen Reisedienst, der speziell für Behinderte Urlaubsfahrten im In-und Ausland anbietet.

Für Christoph Jassen scheint im Urlaub nichts unmöglich. „Gestern waren wir Tretboot fahren, heute sind wir baden gewesen und morgen schippern wir mit dem Kanu über die Havel“, erzählt der junge Mann begeistert. Der 22-jährige verreist zum zweitenMal in seinem Leben ohne seine Eltern.“Und das finde ich gut so“, sagt der Barleber. Dass er auf einen Rollstuhl angewiesenist, rückt in diesen acht Tagen im Erlebnispädagogischen Centrum in Havelberg fast in den Hintergrund.

Auch die anderen 20 jungen Menschen mit Behinderung kommen während ihres Urlaubs in der Altmark voll auf ihre Kosten. „Wir haben täglich ein volles Programm aus Sport, Spiel und Kultur“, sagt Gudrun Bergmann, Pädagogische Fachkraft ambulante Dienste. Sie steht vor einem bunt bedruckten Wochenplan, den die Kinder und Jugendlichen selbst mit gestaltet haben. „Wir versuchen jeden Tag einen Höhepunkt zu setzen. Gleichzeitig sind aber auch Ruhephasen eingeplant“, erklärt die Reiseleiterin.

Ob Baden oder Angeln, Reiten oder Disco, ein Stadtausflug oder eine Spaßolympiade, den Angeboten sind fast keine Grenzen gesetzt. „Und wirklich alle machen mit, wachsen über sich hinaus und gewinnen so an Selbstvertrauen“, hat Gudrun Bergmann beobachtet. Dass die Urlauber zwischen 10 und 27 Jahren alt sind und zum Teil sehr unterschiedliche Behinderungen haben, spielt keine Rolle. „Trotz der verschiedenen Bedürfnisse der Gäste herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, eine Fürsorge und Geduld untereinander. Das ist der Wahnsinn“, ist die 49jährige begeistert.

Hilfe während der acht Tage erhält sie von sechs ehrenamtlichen Betreuern, die gerne ihre freie Zeit für die Kinder und Jugendlichen aufbringen. Ihre Motive sind unterschiedlich. Manche haben selbst ein behindertes Kind, andere absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr oder studieren. „Sicher, es ist Arbeit, aber eher positiver Stress“, sagt Gregor Kaftan. Der 20-jährige absolviert ein Praktikum beim Lebenshilfe-Werk und begleitet zum ersten Mal eine Gruppe. „Ich möchte demnächst Sozialpädagogik studieren. Da ist die Reise doch eine schöne Erfahrung“, sagt der Magdeburger.

„Ich möchte die Arbeit nicht missen“, so sieht es Gudrun Bergmann. Obwohl einige der Teilnehmer mit teils schweren Behinderungen intensive Hilfe benötigten, seien die Aufgaben im Team zu stemmen. „Viele Eltern, die ihre Kinder zum ersten Mal allein auf Reisen schicken, sind natürlich besorgt. Aber diese Ängste können wir ihnen nehmen“, sagt die erfahrene Fachkraft. Sie achte zudem im Vorfeld immer darauf, dass die Unterkünfte die Anforderungen erfüllten, schließlich müssten Preis und Leistung stimmen.

In Havelberg werden diese Bedingungen erfüllt. Es stehen ausreichend Pflegebetten, spezielle sanitäre Einrichtungen und rollstuhlgerechte Zugänge zur Verfügung. Und noch ein Fakt spricht für das Erlebnispädagogische Zentrum. „Hier sind auch vielejunge Leute ohne Behinderung untergebracht. Da werden natürlich auch Hemmschwellen abgebaut, Kontakte geknüpft und Freundschaften aufgebaut“, sagt Gudrun Bergmann. Christoph Jassen nickt ihr zu und lächelt.

O .Kramer